eBay veröffentlicht am 28. Oktober die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026. Die Aktie ist trotz der Zurückweisung des Übernahmeangebots von GameStop über 125 US-Dollar je Aktie auf rund 121 US-Dollar gestiegen und damit auf den höchsten Stand seit mehreren Jahren geklettert. Nun richtet sich der Blick weniger auf eine mögliche Transaktion als auf die Frage, ob eBay das Wachstum im Kerngeschäft halten und eBay Live, Depop sowie die geplanten Kostensenkungen in höhere Gewinne umsetzen kann.
Analysten erwarten 10,2 Prozent Umsatzwachstum
Analysten rechnen derzeit mit einem Quartalsergebnis von 1,41 US-Dollar je Aktie. Das wären rund 4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz soll voraussichtlich 3,1 Milliarden US-Dollar erreichen, ein Plus von 10,2 Prozent. Im zweiten Quartal war der Umsatz um 15 Prozent gestiegen. Das Unternehmen hat zugleich signalisiert, dass das Wachstum im dritten Quartal relativ robust bleiben dürfte.
Im vergangenen Jahr versuchte eBay, die begrenzten Wachstumschancen eines reifen E-Commerce-Marktplatzes zu überwinden. Dazu setzte das Unternehmen auf neue Produktfunktionen und zusätzliche Services, um das Transaktionsvolumen zu steigern. Ein Schwerpunkt liegt auf Sammlerobjekten. Ein KI-gestützter Kartenscanner und eine Echtheitsgarantie sollen Transaktionen in diesem Bereich einfacher und sicherer machen.
eBay Live verzeichnete ebenfalls eine schnelle Expansion. Das Bruttowarenvolumen des Live-Commerce-Geschäfts stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr auf das Achtfache. Das mediane Bruttowarenvolumen der Verkäufer erreichte das Dreifache des bisherigen Niveaus. Die Ausgaben der Käufer für damit verbundene Produkte nahmen um 70 Prozent zu.
Das Bruttowarenvolumen auf dem gesamten eBay-Marktplatz belief sich im zweiten Quartal auf 22,4 Milliarden US-Dollar. Auf währungsbereinigter Basis lag das organische Wachstum bei 14 Prozent. Zu Beginn des vergangenen Jahres hatte das Transaktionsvolumen dagegen kaum zugelegt. Auch das Werbegeschäft baut eBay zu einer größeren Umsatzquelle aus. Die Werbeerlöse näherten sich im zweiten Quartal der Marke von 600 Millionen US-Dollar, lagen 23 Prozent über dem Vorjahreswert und wuchsen damit fast zehn Prozentpunkte schneller als das Bruttowarenvolumen.
Depop bringt rund zwei Monate Umsatz ein
eBay schloss die Übernahme des auf Secondhand-Mode spezialisierten Marktplatzes Depop von Etsy am 30. Juli für 1,2 Milliarden US-Dollar ab. Die Zahlen für das dritte Quartal werden daher rund zwei Monate der finanziellen Entwicklung von Depop enthalten. Das Bruttowarenvolumen von Depop wurde Ende 2025 auf etwa 1,1 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der kurzfristige Beitrag zum Gesamtumsatz und Transaktionsvolumen von eBay dürfte deshalb zunächst begrenzt bleiben.
In der Prognose für das dritte Quartal geht eBay davon aus, dass Depop 2,5 Prozentpunkte zum währungsbereinigten Wachstum des Bruttowarenvolumens beitragen wird. Das entspräche ungefähr 512,5 Millionen US-Dollar. Zum währungsbereinigten Umsatzwachstum soll Depop 1,5 Prozentpunkte beziehungsweise rund 42,3 Millionen US-Dollar beisteuern.
Insgesamt erwartet eBay im Quartal ein währungsbereinigtes Wachstum von etwa 8 Prozent. Das läge unter dem Wert des zweiten Quartals. Damals übertraf der Umsatz die Markterwartungen um 117 Millionen US-Dollar. In mehreren der vergangenen Quartale lag eBay beim Umsatz zudem jeweils rund 90 Millionen US-Dollar über den Prognosen. Ob das Unternehmen diese Entwicklung fortsetzen kann, wird ein zentraler Punkt des neuen Berichts sein.
Die erstmalige Einbeziehung von Depop dürfte zugleich das kurzfristige Wachstum des Ergebnisses je Aktie belasten. Nach den Marktschätzungen muss der im dritten Quartal 2025 ausgewiesene Gewinn von 1,36 US-Dollar je Aktie in diesem Quartal eine Verwässerung von etwa 0,18 US-Dollar verkraften. Ohne Depop läge das Ergebnis je Aktie mit rund 1,60 US-Dollar ungefähr auf dem Niveau des zweiten Quartals. Die aktuelle Konsensschätzung beträgt dagegen 1,41 US-Dollar.
Stellenabbau könnte den Gewinn 2027 stützen
eBay kündigte in dieser Woche an, rund 9 Prozent seiner Belegschaft abzubauen. Die Kostensenkungen könnten das Gewinnziel je Aktie für 2027 unterstützen. Zugleich zeigen sie, dass das Management die operativen Strukturen weiter anpasst, um Ausgaben zu kontrollieren und die Effizienz zu erhöhen. Am Ende des zweiten Quartals wies eBay eine Nettoverschuldung von 1,9 Milliarden US-Dollar aus.
Ein Teil der Erholung ist im Aktienkurs enthalten
eBay kommt auf eine Marktkapitalisierung von rund 55 Milliarden US-Dollar, die Aktie notiert nahe 121 US-Dollar. Damit liegt die Bewertung in der Nähe des Niveaus, das mit dem Übernahmeangebot von GameStop Anfang Mai verbunden war. Damals hatte die eBay-Aktie längere Zeit unter 100 US-Dollar notiert, während GameStop etwa 125 US-Dollar je Aktie geboten hatte.
Die Erholung hat eBay nicht auf ein extremes Bewertungsniveau getrieben. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt inzwischen jedoch mindestens auf dem höchsten Stand seit mehreren Jahren. Der Kursanstieg und die Ausweitung des Multiplikators fielen weitgehend mit der Rückkehr zu einem zweistelligen Wachstum zusammen.
Auf Basis der Marktschätzungen für den Gewinn je Aktie im Jahr 2027 wird eBay derzeit mit etwa dem 18-Fachen des erwarteten Gewinns bewertet. Sollten der Stellenabbau und weitere Kostensenkungen zu höheren Gewinnen führen, könnte dieses effektive Bewertungsniveau weiter sinken.
Morgan Stanley bewertet die Wachstumsperspektiven von eBay Live positiv und führt eBay unter den beobachteten Aktien. Das Kursziel liegt allerdings bei 132 US-Dollar und damit nur rund 9 Prozent über dem aktuellen Kurs von 121 US-Dollar. Die begrenzte Differenz zeigt, dass ein weiterer Bewertungsanstieg am Markt stark davon abhängt, ob sich das Wachstum nach der jüngsten Erholung weiter beschleunigt.
eBay Live bleibt die entscheidende Variable
Die nächste Kursbewegung wird zunehmend davon abhängen, ob eBay seine aktuellen Wachstumsinitiativen in dauerhaft höhere Umsätze umwandeln kann. Sollte es eBay Live nicht gelingen, Nutzer und Verkäufer über die bisherige frühe Erfolgsphase hinaus zu gewinnen, könnte sich das Wachstum wieder verlangsamen. Depop könnte das Bruttowarenvolumen kurzfristig erhöhen, zugleich aber durch die mit der Konsolidierung verbundene Verwässerung das Wachstum des Gewinns je Aktie belasten.
Auch eine Rezession in den USA oder ein schwächerer Konsum könnten die Online-Transaktionsvolumina drücken. Im anstehenden Quartalsbericht werden Anleger daher besonders auf das Wachstum des Kerngeschäfts, den tatsächlichen Beitrag von Depop, die Werbeerlöse und die Entwicklung der Kostenquote nach dem Stellenabbau achten.