Die US-Regierung hat 4.453.900 Aktien des KI-Unternehmens Anthropic für 627 Millionen Dollar verkauft. Der Erlös fließt in die Insolvenzmasse der Kryptobörse FTX und soll deren Gläubigern zugutekommen. Wer die neun Käufer sind, geht aus dem am 26. Oktober eingereichten Börsenprospekt nicht hervor. Bei einer im Prospekt genannten Bewertung von 1,5 Billionen Dollar wären die Aktien rechnerisch rund 3,94 Milliarden Dollar wert – deutlich mehr als der Verkaufserlös.
Der Vorgang verbindet die strafrechtliche Aufarbeitung des FTX-Kollapses mit Anthropics geplanten Schritt an die Börse. Für FTX-Gläubiger stehen 627 Millionen Dollar für Rückzahlungen bereit. Für Anleger, die die Eigentümerstruktur und Bewertung von Anthropic verfolgen, liefert die Einreichung einen Anhaltspunkt. Die Käufer und ihre jeweiligen Anteile bleiben jedoch unbekannt.
Aktien von Ellison und Singh eingezogen
Die Aktien waren ursprünglich mit Caroline Ellison und Nishad Singh verbunden, zwei früheren Führungskräften von FTX. Beide investierten 2022 insgesamt 50 Millionen Dollar in Anthropic, damals noch ein junges KI-Unternehmen. Ellison leitete Alameda Research, die mit FTX verbundene Handelsfirma; Singh war Manager bei FTX.
Wenige Monate später brach FTX zusammen. Ellison und Singh bekannten sich schuldig und sagten im Verfahren gegen FTX-Gründer Sam Bankman-Fried aus. Er verbüßt eine 25-jährige Haftstrafe.
Ein Gericht ordnete später an, die Anthropic-Anteile als Erträge aus Straftaten einzuziehen. Sie gingen damit in den Besitz der US-Regierung über. Spätestens im April 2025 hatte die Regierung die Aktien erhalten und verkaufte sie anschließend. Die offengelegten 627 Millionen Dollar gingen an die Insolvenzmasse von FTX, nicht direkt an die früheren Eigentümer.
Börsenprospekt nennt Aktienzahl, aber keine Käufer
Ein S-1 ist die Registrierungserklärung, die ein Unternehmen vor einem öffentlichen Aktienangebot einreicht. Anthropic nennt darin weder Ellison noch Singh. Stattdessen heißt es, die Aktien seien ihren früheren Inhabern in einem Gerichtsverfahren entzogen worden, an dem das Unternehmen nicht beteiligt war.
Der Prospekt weist den verkauften Block mit 4.453.900 Aktien der Serie B aus und beschreibt, wie die US-Regierung in ihren Besitz kam. Namen der neun Käufer oder die Aufteilung der Aktien unter ihnen werden nicht genannt. Die Angaben bestätigen damit den Verkauf, den Verbleib des Erlöses und die Zahl der Käufer, lassen aber offen, ob es sich um institutionelle oder private Anleger handelt.
Bei einer Bewertung von 1,5 Billionen Dollar läge der rechnerische Wert der Aktien bei rund 3,94 Milliarden Dollar und damit deutlich über dem Verkaufserlös. Diese Zahl beruht auf dem im Prospekt genannten Bewertungsszenario. Sie entspricht weder dem Transaktionspreis noch belegt sie, dass die Käufer einen Gewinn erzielt haben. Für die FTX-Gläubiger sind zunächst 627 Millionen Dollar für die Insolvenzmasse ausgewiesen; wer die Aktien hält und in welcher Höhe, bleibt ungeklärt.