Die Geschäftszahlen von Whirlpool, Royal Caribbean, Hilton und UPS zeigen, wie unterschiedlich sich die Nachfrage in den USA entwickelt: Haushaltsgeräte verkaufen sich schlechter, während Kreuzfahrten, Geschäftsreisen und Logistik für Hightech-Güter zulegen. Die Wirtschaft wächst damit weiter, doch die Impulse konzentrieren sich auf Haushalte mit mehr finanziellem Spielraum und Unternehmen, die in KI und Infrastruktur investieren.
UPS-Chefin Carol Tomé beschrieb die Lage der Verbraucher als „K-förmig“: Menschen mit Vermögen geben weiterhin Geld aus, während Haushalte ohne entsprechende Rücklagen ihre Budgets stärker einschränken. Die Unterschiede spiegeln sich in Bestellmengen, Preisen und der Geschäftsentwicklung der Unternehmen wider.
Whirlpool spürt schwächere Nachfrage nach Haushaltsgeräten
Whirlpool erwartet, dass die Nachfrage nach Haushaltsgeräten in Nordamerika in diesem Jahr um rund 5 Prozent zurückgeht. Vorstandschef Marc Bitzer sagte, viele Verbraucher warteten inzwischen mit einem Kauf, bis ein Gerät ersetzt werden müsse. Manche schieben sogar Anschaffungen wie Geschirrspüler auf. Wer dennoch einkauft, achtet stärker aufs Budget: Statt ganz auf eine Waschmaschine zu verzichten, könnte ein Kunde, der weniger als 600 US-Dollar ausgeben wollte, nach einer Preiserhöhung ein günstigeres Modell mit weniger Funktionen wählen.
Ab dem 3. Dezember will Whirlpool die Preise um 7 Prozent anheben. Im Januar hatte das Unternehmen bereits eine Erhöhung um 9 Prozent umgesetzt. Bitzer begründete die Anpassungen mit den tatsächlichen Kosten, darunter Materialkosten und Zölle. Zudem seien die US-Stahlpreise binnen eines Jahres um fast 50 Prozent gestiegen – trotz gesunkener Eisenerzpreise und deutlich niedrigerer Stahlpreise auf internationalen Märkten. Auch Harze, Treibstoff, Transport und Zölle belasten das Geschäft. Bei schwacher Nachfrage und weitergegebenen Kosten könnten Verbraucher daher häufiger zu günstigeren Produkten greifen.
Bei Kreuzfahrten zeigt sich ein anderes Bild. Royal Caribbean meldete, dass die Buchungen seit der letzten Bilanzvorlage im mittleren Zehnprozentbereich über dem Vorjahresniveau lagen. Für Reisen im Jahr 2027 stiegen sie um einen hohen einstelligen Prozentsatz. Das Unternehmen sprach von einem hohen Buchungsstand, Rekordpreisen und Ausgaben an Bord, die die Erwartungen des Managements überträfen. Vorstandschef Jason Liberty sagte, Kunden seien bereit, heute und auch künftig mehr für Reisen zu bezahlen. Die starke Nachfrage nach Kreuzfahrten bedeutet allerdings nicht, dass die Ausgaben aller Haushalte zunehmen.
Investitionen in Rechenzentren stützen Hotels und Logistik
Hiltons weltweiter Umsatz je verfügbarem Zimmer aus Geschäftsreisen stieg im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,3 Prozent. In den USA legte die Nachfrage aus den Bereichen Fertigung, Technologie und Unterkünfte für Arbeitskräfte jeweils um mehr als 10 Prozent zu. Vorstandschef Chris Nassetta führte die Entwicklung auf Investitionen in Rechenzentren, Energieanlagen, Fertigung und öffentliche Infrastruktur zurück. Solche Projekte bringen Ingenieure, Beschäftigte und Führungskräfte auf Reisen – und stützen so die Nachfrage nach Hotels.
Nassetta zufolge lag das Wachstum der nicht wohnwirtschaftlichen Anlageinvestitionen in den vergangenen sechs bis sieben Quartalen nahe dem Doppelten des historischen Durchschnitts der vergangenen 20 Jahre. Diese Investitionen trügen auch zur Erholung der Geschäftsreisen bei; einzelne Segmente näherten sich schrittweise wieder dem Niveau vor der Pandemie.
Die Zahlen von UPS weisen auf denselben Trend hin. Das US-Volumen kleiner Pakete aus dem Hightech-Bereich stieg im dritten Quartal im Jahresvergleich um 30 Prozent. Tomé betonte, der Zuwachs gehe nicht von einer kleinen Ausgangsbasis aus. UPS schätzt, dass allein Rechenzentren ein Logistikpotenzial von rund 15 Milliarden US-Dollar darstellen. Hilton beherbergt Reisende, die zu Infrastrukturprojekten unterwegs sind; UPS transportiert die dazugehörigen Geräte und Komponenten. Die Entwicklung zeigt, wie sich KI-Investitionen über Chips und Cloud-Dienste hinaus in weiteren Wirtschaftsbereichen bemerkbar machen.
Auch das durchschnittliche tägliche Paketvolumen von kleinen und mittleren Unternehmen bei UPS nahm in den USA um 3,7 Prozent zu. Die Zahl bezieht sich auf die Pakete und nicht auf die Preise; das Wachstum erstreckte sich auf nahezu alle Branchen. Hilton erklärte ebenfalls, dass sowohl große als auch kleinere Unternehmen die Erholung der Geschäftsreisen stützten. Diese Kennzahlen bilden die Lage kleiner Unternehmen jedoch nicht vollständig ab: UPS verändert seinen Kundenmix, während Hilton von Firmen profitiert, die an kapitalintensiven Projekten beteiligt sind.
Kostenweitergabe prägt das Bild der Inflation
Mehrere Unternehmen verwiesen auf Preiserhöhungen oder darauf, höhere Kosten weiterzugeben. Der Umsatz je Paket im US-Inlandsgeschäft von UPS stieg im Jahresvergleich um 6,1 Prozent. Rund die Hälfte des Zuwachses entfiel auf höhere Treibstoffzuschläge. Das Management erwartet, dass Anpassungen der Grundtarife und Veränderungen im Geschäftsmix weitere zwei bis drei Prozentpunkte beitragen.
Royal Caribbean sagte, Kunden akzeptierten höhere Kreuzfahrtpreise und gäben an Bord mehr aus. Das unterscheidet sich von Whirlpools Preiserhöhungen: Bei Royal Caribbean spiegeln die Preise eine kräftige Nachfrage wider. Der Haushaltsgerätehersteller hebt seine Preise dagegen trotz schwacher Nachfrage an, um gestiegene Kosten für Vorprodukte aufzufangen.
Für den Inflationsausblick ist dieser Unterschied relevant. Zölle, hohe US-Stahlpreise und Energiekosten können Waren verteuern, auch wenn die Nachfrage nach diesen Produkten schwach ist. Zugleich zeigen aufgeschobene Käufe langlebiger Güter und der Wechsel zu günstigeren Modellen, wie stark die Lebenshaltungskosten die Haushaltsbudgets belasten.
Fed muss gegenläufige Signale einordnen
Die schwache Nachfrage nach langlebigen Gütern und der wachsende Druck auf die Finanzen vieler Haushalte stehen einer robusten Nachfrage nach Dienstleistungen, Unternehmensinvestitionen und Aktivität in Teilen der Wirtschaft gegenüber. Ausgaben für KI-Infrastruktur stützen unter anderem Hotels und Logistik, doch profitieren nicht alle Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen.
Für die US-Notenbank spricht die schwache Nachfrage nach langlebigen Gütern für Vorsicht bei der Einschätzung des Wachstums. Robuste Ausgaben für Dienstleistungen, Investitionsnachfrage und die Weitergabe höherer Kosten erschweren zugleich die Beurteilung der Inflation. Die Ergebnisse der vier Unternehmen deuten weder auf einen unmittelbar bevorstehenden Einbruch noch auf einen breit verteilten Aufschwung hin.
Nach den Zahlen legten die Aktien von Royal Caribbean um 7,4 Prozent und die von UPS um 3,2 Prozent zu. Whirlpool stieg um 1,8 Prozent und machte damit einen zwischenzeitlichen Rückgang von 6 Prozent wett. Hilton verlor 3,5 Prozent. Die Kursbewegungen folgten unternehmensspezifischen Nachrichten; das Gesamtbild bleibt von auseinanderlaufenden Entwicklungen bei Konsum und Investitionen geprägt.