Die US-Bankenaufsicht OCC hat Ripple National Trust Bank endgültig zugelassen. Damit kann Ripple seine bundesweit regulierten Dienstleistungen für institutionelle Kunden ausbauen: Die Bank darf RLUSD-Reserven beaufsichtigen, als Sicherheiten-Treuhänder fungieren und digitale Vermögenswerte treuhänderisch verwahren. Ein proportionaler Anstieg der XRP-Nachfrage folgt daraus jedoch nicht automatisch. Ripple beziffert die Marktkapitalisierung von RLUSD auf 2,5 Milliarden US-Dollar.
Trustbank darf keine klassischen Einlagen oder Kredite anbieten
Im Dezember 2025 hatte die OCC zunächst eine bedingte Zulassung erteilt. Nun ist das endgültige Lizenzverfahren abgeschlossen. Die neue Bank wird keine üblichen Geschäftsbankdienste wie Einlagenkonten oder Kredite anbieten. Stattdessen soll sie die getrennt verwahrten RLUSD-Reserven beaufsichtigen und für Token-Inhaber als Sicherheiten-Treuhänder tätig sein.
RLUSD wird weiterhin von Ripple-Tochter Standard Custody & Trust Company ausgegeben, die der Aufsicht des New York State Department of Financial Services untersteht. BNY bleibt der wichtigste Verwahrer der Stablecoin-Reserven. Die OCC-Zulassung schafft somit einen bundesrechtlichen Rahmen für Ripples Treuhand-, Reserveverwaltungs- und Verwahrungsleistungen, ersetzt aber weder den bestehenden Emittenten noch den Hauptverwahrer.
Ripples Chief Legal Officer Stuart Alderoty erklärte, die endgültige Zulassung spiegele die Entscheidung des Unternehmens wider, innerhalb eines regulatorischen Rahmens zu arbeiten. CEO Brad Garlinghouse bezeichnete eine nationale Trustbank-Lizenz als Grundlage für den Ausbau von RLUSD sowie von Ripples Zahlungs-, Verwahrungs- und Kapitalmarktprodukten.
Bankenverbände hatten sich gegen Anträge von Nichtbanken gestellt
Mit der Zulassung endet ein Streit darüber, ob Unternehmen aus dem Bereich digitaler Vermögenswerte bundesweit zugelassene Trustbanken gründen dürfen. Im Juli 2025 forderten die American Bankers Association und vier weitere Banken- und Kreditgenossenschaftsverbände die OCC auf, Entscheidungen über Anträge von Ripple und anderen Digital-Asset-Unternehmen aufzuschieben. Sie stellten infrage, ob die geplanten Tätigkeiten klassischen Treuhanddiensten entsprächen, und warnten vor einer Abkehr von etablierten Bankpraktiken.
Später wandte sich auch die Independent Community Bankers of America direkt gegen Ripples Antrag. Der Verband warnte, dass nichttraditionelle Finanzunternehmen mit Dienstleistungen, die Einlagen ähneln, aber nicht denselben Schutz bieten, die Finanzstabilität beeinträchtigen könnten. Die OCC erteilte im Dezember 2025 dennoch zunächst eine bedingte Zulassung und schloss nun die abschließende Prüfung ab.
Mehr institutionelle Dienste bedeuten nicht automatisch mehr XRP-Nachfrage
Parallel baut Ripple die Verwahrungs- und Handelsangebote rund um RLUSD für institutionelle Kunden aus. Am 12. Oktober teilte Standard Chartered mit, dass seine Niederlassung im Dubai International Financial Centre, die von der Dubai Financial Services Authority reguliert wird, geeigneten Kunden institutionelle Verwahrung von RLUSD auf dem XRP Ledger anbieten werde. Zudem will die Bank mit Ripple und der LMAX Group zusammenarbeiten, um RLUSD als Handelssicherheit bereitzustellen.
Im Rahmen der geplanten Lösung könnten Institutionen auf der Handelsplattform von LMAX mit RLUSD-besicherten Vermögenswerten handeln, während Standard Chartered die zugrunde liegenden Werte verwahrt. Das könnte den Bedarf verringern, Gelder zwischen Geschäftspartnern zu bewegen. Die Integration muss noch dokumentiert und getestet werden und steht unter dem Vorbehalt der jeweils erforderlichen Genehmigungen.
Am 15. Oktober weitete Ripple Prime die Unterstützung für physisch erfüllte Perpetual Swaps aus. Institutionelle Kunden können damit rund um die Uhr Produkte handeln, die an Aktien, Rohstoffe und Währungen gekoppelt sind. RLUSD kann dort als Sicherheit eingesetzt werden, sofern die lokalen Vorschriften dies erlauben.
Auf dem XRP Ledger dient XRP zur Bezahlung von Transaktionsgebühren und kann als Brückenwährung für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen eingesetzt werden. Eine stärkere institutionelle Abwicklung von RLUSD auf dem Ledger könnte daher mehr Netzwerkaktivität mit XRP-Bezug auslösen – insbesondere dann, wenn XRP tatsächlich als Brückenwert genutzt wird. RLUSD ist jedoch auch auf Ethereum verfügbar; dort benötigen Transaktionen kein XRP. Selbst auf dem XRP Ledger können Institutionen RLUSD direkt übertragen, ohne es zuvor in XRP umzutauschen. XRP bleibt dort allerdings für Netzwerkgebühren und Kontoreserven erforderlich.
Ripple kann sein Stablecoin-, Verwahrungs- und Treuhandgeschäft folglich ausbauen, ohne dass Institutionen ihre XRP-Bestände im gleichen Verhältnis zum verwalteten oder transferierten Vermögenswert erhöhen. Für die XRP-Nachfrage ist entscheidend, wie Institutionen den XRP Ledger nutzen und ob sie XRP bei Transaktionen tatsächlich als Brückenwährung einsetzen.