- Das Pfund steht unter dem Druck von Sicherungskapitalströmen und wird derzeit bei etwa 1,349 USD gehandelt, während der Geldmarkt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung durch die Bank of England (BoE) vor Juni von 50 % zu Beginn der Woche auf 75 % angehoben hat.
- Der vorläufige Einkaufsmanagerindex (PMI) von S&P Global für das Vereinigte Königreich zeigt den größten Anstieg der Unternehmenskosten seit 28 Jahren. Der Indikator für die erwarteten Verkaufspreise des britischen Industrieverbandes (CBI) stieg von +12 im März auf +32, was den größten monatlichen Anstieg seit 1975 darstellt.
- Die geopolitische Lage im Nahen Osten und steigende Energiepreise wecken Besorgnis über eine zweite Inflationswelle. Wirtschaftswissenschaftler der Deutschen Bank weisen darauf hin, dass die kombinierten Effekte von Schiffs- und Lebensmittelkosten die Preise für Kernprodukte weiter ansteigen lassen könnten, was eine Neubewertung des geldpolitischen Kurses erfordern könnte.
Risikofreudigkeit und Dollarzuflüsse
Vor dem Hintergrund einer signifikanten Zunahme der Unsicherheiten im globalen makroökonomischen Umfeld erlebt der Devisenmarkt derzeit eine bemerkenswerte Kapitalumverteilung. Da die angespannte Waffenstillstandssituation im Nahen Osten und die Nachwirkungen des Iran-Konflikts weiterhin die Risikobereitschaft der Märkte stören, zieht der US-Dollar als traditionelle Sicherheitsanlage erneut globale Investitionen an. Diese Nachfrage nach sicheren Anlagen führt direkt dazu, dass Nicht-US-Währungen allgemein unter Druck geraten, wobei der Pfund-Dollar-Kurs auf 1,349 USD fällt und die Kursgewinne der letzten zwei Monate nahezu vollständig zurückgegeben werden. Diese Woche steht die Währung vor einer Gesamtanpassung von 0,17 % nach unten. Im Bereich der Kreuzkurse zeigt das Pfund zum Euro eine strukturelle Divergenz, wobei der Euro gegenüber dem Pfund um 0,14 % auf 0,8659 Pfund fiel, was auf eine komplexere kurzfristige Reaktion des Marktes auf die britische Wirtschaft innerhalb Europas hinweist.
Lieferkettenschocks und rekordhohe Inflationsbewertung
Die britische Realwirtschaft sieht sich aktuell einer neuen Welle von Kostendruck ausgesetzt, die zunehmend auf die Endverbraucherpreise durchschlägt. Der neueste vorläufige S&P Global Gesamt-PMI für April verzeichnete bei den Inputpreisen den höchsten Anstieg seit fast dreißig Jahren, was direkt die Hochstände des zweistelligen Inflationszeitraums Ende 2022 erreicht. Noch gravierendere Daten liefert der CBI, mit einem Vertrauensverlust bei den heimischen Herstellern, der den tiefsten Stand seit Ausbruch der COVID-19-Pandemie erreicht hat. Die Unternehmen sind gezwungen, aufgrund der doppelten Belastung durch Rohstoff- und Logistikkosten auf Preiserhöhungen zurückzugreifen, was den größten Sprung des erwarteten Preisindex seit einem halben Jahrhundert zur Folge hat. Sollte dieser Trend in den kommenden zwei Monaten nicht effektiv eingedämmt werden können, wird der Rückgang der Gesamt-CPI-Daten erheblich behindert.
Neubewertung der geldpolitischen Strategie der Bank of England
Angesichts des plötzlichen kostengetriebenen Inflationsdrucks haben die Märkte ihre Erwartungen an die Geldpolitik der Bank of England schnell und drastisch neu bewertet. Die Daten des Forward Overnight Index Swaps Markts zeigen, dass Händler mittlerweile die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die BoE bis Juni auf 75 % sehen. Dieser schnelle Wandel bei den Erwartungen spiegelt die Besorgnis der Märkte über Stagflationsrisiken wider. Sanjay Raja, Wirtschaftswissenschaftler der Deutschen Bank für das Vereinigte Königreich, betont, dass trotz einer vorsichtigen Beobachtung der zweiten Inflationsrunde die Kosten für Energie, Lebensmittel und den Schiffsverkehr in Resonanz stehen. Offizielle Zahlen zeigen, dass das Haushaltsdefizit des letzten Geschäftsjahres im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung auf ein Sechsjahrestief gesunken ist, aber die Kreditaufnahme im März über den Erwartungen lag, was bedeutet, dass der fiskalische Spielraum zur Abfederung der wirtschaftlichen Abwärtsentwicklung weiterhin eingeschränkt ist und die Geldpolitik mehr Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Preisstabilität übernehmen muss.