- Angetrieben durch Nachrichten über eine Annäherung zwischen den USA und Iran bei einem Friedensmemorandum, stieg der Spot-Goldpreis am Mittwoch deutlich um 133,29 USD auf 4.690,71 USD pro Unze, was einem Anstieg von 2,93 % entspricht, und erreichte ein Hoch seit Ende April.
- Die Erwartung einer Entspannung geopolitischer Konflikte führte zu einer starken Neubewertung von Energieanlagen, wobei West Texas Intermediate (WTI) um über 7 % fiel und Brent-Rohöl auf etwa 100 USD pro Barrel zurückging. Die Schwäche des Rohöls zog den US-Dollar-Index (DXY) um 0,46 % auf 98,03 nach unten.
- Die makroökonomischen Fundamentaldaten zeigen, dass der US-Arbeitsmarkt widerstandsfähig bleibt, da die ADP-Beschäftigungszahlen im April um 109.000 gestiegen sind, was ein 15-Monats-Hoch darstellt. Die Marktteilnehmer wechseln zu einem Modus, bei dem sie zunächst Risiken eingehen und dann bewerten, wobei der Fokus auf dem bevorstehenden Bericht über die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft liegt.
Geopolitische Entspannung und Umschichtung der Risikobereitschaft
Die Bewegungen der globalen Anlageklassen an diesem Handelstag basieren auf der schnellen Reduzierung der geopolitischen Risikoprämie im Nahen Osten. Laut mehreren Quellen stehen Washington und Teheran in engem Kontakt über ein einseitiges Memorandum mit 14 Punkten und haben ein 30-tägiges Verhandlungsverfahren eingeleitet. Diese potenzielle Vereinbarung, die die Durchfahrtsrechte durch die Straße von Hormus und Beschränkungen des Nuklearprogramms umfasst, hat die pessimistische Erwartung einer langfristigen geopolitischen Konfliktsituation im Nahen Osten direkt umgekehrt. In der traditionellen Risikovermeidungslogik geht eine geopolitische Entspannung normalerweise mit einem Verkauf von Goldanlagen einher, aber in diesem Fall stiegen Gold und geopolitische Risiken gegen die Intuition gemeinsam an. Dies zeigt, dass der Hauptanker für den Goldpreis von der geopolitischen Risikovermeidung auf die Erwartung einer makroökonomischen Liquiditätslockerung aufgrund fallender Ölpreise übergegangen ist.
Der Einfluss fallender Energiepreise auf die Inflationserwartungen
Der Ölmarkt reagierte am heftigsten und direktesten. Der Preis für West Texas Intermediate (WTI) fiel an einem Tag um über 7 %, während der Preis für Brent-Rohöl die 100-Dollar-Marke verteidigte. Energie ist eine zentrale Eingangsvariable im globalen Inflationsmodell, und der schnelle Rückgang der Preise hat die Sorgen über eine anhaltend hohe Inflation wirksam gemildert. Die Abkühlung der Inflationserwartungen schwächt direkt die Notwendigkeit für die US-Notenbank (Fed), eine extrem straffe Geldpolitik aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig besteht eine tiefe innere Verbindung zwischen dem US-Dollar und den Ölpreisen, und der Rückgang der Ölpreise hat den US-Dollar-Index (DXY) erheblich nach unten gezogen, was ihn auf ein vorübergehendes Tief von 98,03 drückte und den in US-Dollar gehandelten Edelmetallen direkte Unterstützung für steigende Preise bot.
Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes und das Spiel um Zinssenkungen
Während die geopolitischen Vorteile verarbeitet werden, verschärfen sich die Meinungsverschiedenheiten über die Bewertung der US-internen makroökonomischen Fundamentaldaten. Der jüngste ADP-Bericht über die Beschäftigung im privaten Sektor im April zeigt, dass die Zahl der neuen Arbeitsplätze um 109.000 gestiegen ist, was deutlich über den Markterwartungen und den revidierten 61.000 im März liegt. Diese Daten zeigen, dass der US-Arbeitsmarkt trotz des aktuellen Hochzinsumfelds weiterhin eine unerwartet starke Expansionsdynamik aufweist. Starke Beschäftigungsdaten würden theoretisch die Erwartungen an Zinssenkungen dämpfen, aber angesichts des starken Rückgangs der Ölpreise neigen die Marktteilnehmer derzeit dazu, die optimistische Erzählung einer insgesamt entspannteren makroökonomischen Lage zu kaufen. Sollte der bevorstehende offizielle Bericht über die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft eine marginale Abschwächung des Arbeitsmarktes bestätigen, könnte dies schnell die Wetten auf eine Wende der Geldpolitik der Zentralbank neu entfachen.
Technische Widerstandstests bei Spot-Gold
Aus mikrostruktureller Handelssicht hat der Spot-Goldpreis die psychologische Widerstandsmarke von 4.650 USD technisch durchbrochen, und der Momentum-Indikator Relative Strength Index (RSI) nähert sich beschleunigt dem überkauften Bereich, was darauf hindeutet, dass die kurzfristigen Bullen die Oberhand haben. Laut technischer Analyse liegt der erste reale Widerstandsbereich für den Goldpreis in der Nähe der abwärts gerichteten Trendlinie zwischen 4.700 und 4.715 USD. Sollte der Schwung anhalten und dieser Bereich effektiv durchbrochen werden, könnten die Mittel versuchen, die 100-Tage-Simple-Moving-Average-Linie (SMA) bei 4.760 USD zu testen. Im Hinblick auf das Management von Abwärtsrisiken bildet die Marke von 4.600 USD ein erstes Unterstützungszentrum. Sollte dieser Bereich durchbrochen werden, könnte die Liquidität nach unten zu den Schwungtiefs bei 4.500 USD und der 200-Tage-SMA bei 4.276 USD nach stärkerem Schutz suchen.