Der deutsche Hersteller von Verteidigungs- und kritischen Stromsystemen, Vincorion, gab am Freitag bekannt, dass das Unternehmen plant, in der ersten Hälfte des Jahres 2026 an der Frankfurter Wertpapierbörse an die Börse zu gehen. Der Börsengang wird von der Berenberg Bank, BNP Paribas und JPMorgan koordiniert, und die ausgegebenen Aktien stammen aus dem bestehenden Aktienbestand des Mehrheitsaktionärs Star Capital Partnership des Unternehmens.
Marktbeobachter weisen darauf hin, dass Verteidigungstechnologieunternehmen aufgrund der schnellen Expansion der Militärausgaben in Europa und des wachsenden Bedarfs an Verteidigungsindustrien auf dem Kapitalmarkt Beachtung finden. Der Börsengang von Vincorion wird als weiteres Beispiel für die Erweiterung der Finanzierungskanäle der europäischen Verteidigungsindustrie angesehen.
Zunehmende Verteidigungsaufträge, Umsatz und Auftragsbestand wachsen synchron
Vincorion war zuvor eine Tochtergesellschaft von Jenoptik (JEN) und produziert hauptsächlich kritische Stromsysteme und Stabilisierungseinrichtungen. Ihre Produkte werden in Notstromaggregaten für den "Taifun"-Kampfjet, Stromsystemen für gepanzerte Fahrzeuge sowie in NATO-bezogenen Projekten wie dem IRIS-T und dem Patriot-Flugabwehrsystem eingesetzt.
Das Unternehmen gab bekannt, dass der Umsatz im Jahr 2025 rund 240 Millionen Euro betragen soll, was einem Anstieg von etwa 20 % gegenüber 200 Millionen Euro im Jahr 2024 entspricht. Gleichzeitig erreichte der feststehende Auftragsbestand 435 Millionen Euro, hauptsächlich aus Projekten im Zusammenhang mit landgestützten Waffensystemen und Flugabwehrgeräten.
Vincorion erklärte, dass das Unternehmen angesichts der verstärkten Verteidigungsfähigkeiten der europäischen Staaten seine Produktionskapazitäten kontinuierlich ausbaut, um die Nachfrage zu decken.
Die Expansion der europäischen Militärausgaben fördert die Finanzierung von Rüstungsunternehmen
Seit dem Ausbruch des Russland-Ukraine-Konflikts haben die europäischen Länder die Wiederauffüllung ihrer Bestände beschleunigt und ihre Verteidigungshaushalte erhöht. Die deutsche Regierung hat 2022 einen speziellen Verteidigungsfonds in Höhe von 100 Milliarden Euro eingerichtet und versprochen, die Verteidigungsausgaben auf über 2 % des BIP zu erhöhen.
Vor diesem Hintergrund ist die Bewertung europäischer Rüstungsunternehmen auf dem Kapitalmarkt signifikant gestiegen. Analysten weisen darauf hin, dass die Aktien des tschechischen Rüstungsunternehmens Czechoslovak Group, das im Januar dieses Jahres an der Amsterdamer Börse notiert wurde, stark gestiegen sind und die Marktkapitalisierung bereits 30 Milliarden Euro übersteigt. Marktbeobachter glauben, dass Rüstungstechnologieunternehmen wie Vincorion aufgrund des langfristigen Expansionszyklus der europäischen Verteidigungsindustrie zu einem wichtigen Wachstumssegment des europäischen IPO-Marktes werden könnten.