- Der S&P 500 Index (SPX:US) schloss in dieser Woche erstmals über der Marke von 7.000 Punkten und hat sich seit dem Tiefststand am 30. März um 11 % erholt. Laut dem historischen Datenmodell der Bespoke Investment Group hat der Index innerhalb von 11 Handelstagen einen Rückgang von 5 % bis 10 % wieder aufgeholt und ein neues Allzeithoch erreicht, das seit 1928 nicht mehr gesehen wurde; der Nasdaq Composite Index (IXIC:US) verzeichnete 12 aufeinanderfolgende Tage mit Kursgewinnen und brach damit den längsten Anstiegsrekord seit 2009.
- Die zentrale Preisbildungslogik des Marktes verschiebt sich von geopolitischen Risiken am Ende hin zu den Fundamentaldaten der Unternehmen. Daten der London Stock Exchange Group (LSEG) zeigen, dass die Gewinnprognosen der Unternehmen des S&P 500 für das erste Quartal im Jahresvergleich um etwa 14 % gestiegen sind. Fast ein Fünftel der Unternehmen wird in der nächsten Woche Ergebnisse bekannt geben, und die Ergebnisprognosen von großen Unternehmen wie Tesla (TSLA:US) und Boeing (BA:US) werden zu einem entscheidenden Fenster, um die aktuelle Bewertungsangemessenheit zu überprüfen.
- Die Erwartungen an die makroökonomische Liquidität stehen vor einer umfassenden Neubewertung. Der Preis für US-Rohöl (CL1!:US) bleibt im hohen Bereich von 94 Dollar pro Barrel, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Niveau von 67 Dollar vor dem Konflikt. Die hohen Energiekosten resonieren mit der bevorstehenden Anhörung zum Kandidaten für den Vorsitz der US-Notenbank (Fed), und der Markt für Fed-Fund-Futures hat die Erwartungen an Zinssenkungen in diesem Jahr weitgehend abgebaut.
Gewinnprognosen und Bewertungsanpassungen
Mit der marginalen Entspannung der geopolitischen Lage im Nahen Osten haben US-Aktienwerte eine Runde robuster Bewertungsanpassungen durchlaufen. Große Technologietitel wie Alphabet (GOOG:US) und Meta Platforms (META:US), die zuvor belastet waren, zeigten in der jüngsten Erholung eine stärkere relative Performance. Die Analyse von Horizon Investment Services weist darauf hin, dass sich der Fokus der Marktakteure substanziell auf die Ertragskraft der Unternehmen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber makroökonomischen Gegenwinden verlagert hat. In den ersten Finanzberichten, die von der Bankenbranche vorgelegt wurden, haben das Wachstum der Handelserträge und die Resilienz der Verbraucherbilanzen dem Markt erste Unterstützung geboten. Sollten die Investitionspläne der Technologieriesen und Gewinnprognosen den Markterwartungen entsprechen, wird die Konsolidierung des Marktes in hohen Bereichen eine solide fundamentale Unterstützung erhalten.
Einflüsse der Energieprämie auf Konsum
Obwohl sich der Aktienmarkt emotional von den kurzfristigen geopolitischen Schatten befreit hat, übt die physische Preisbildung auf dem Rohstoffmarkt weiterhin Druck auf die Realwirtschaft aus. Der Binnenpreis für Benzin in den USA hat bereits fast 4 Dollar pro Gallone erreicht, und dieser durch das Angebot auf der Energieseite angetriebene Kostenanstieg erzeugt einen Verdrängungseffekt auf das frei verfügbare Einkommen der Haushalte. Das Analystenteam von Dakota Wealth glaubt, dass die hohen Energiepreise eine gewisse Beharrlichkeit aufweisen und sich ihre negativen Auswirkungen auf die diskretionären Konsumausgaben allmählich in den folgenden Makrodaten widerspiegeln werden. Marktbeteiligte sollten die bevorstehenden Einzelhandelsumsatzzahlen für März genau beobachten, um die Belastbarkeit des realen Konsums angesichts der doppelten Herausforderungen von hoher Inflation und hohen Zinsen zu bewerten.
Geldpolitik und risikofreie Zinssätze im Fokus
Die Entwicklung des makroökonomischen Liquiditätsumfelds bleibt die zentrale Variable, die den Verlauf der US-Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte dominiert. Nächste Woche wird der von Präsidenten nominierte Kandidat für den Vorsitz der Fed, Walsh, vor dem Kongress aussagen. Vor dem Hintergrund der von geopolitischen Konflikten ausgelösten Inflationswachstum, wird der Markt seine politischen Ansichten zu den langfristigen neutralen Zinssätzen und dem Normalisierungstempo der Bilanzpolitik genau verfolgen. Die globale Marktanalyseabteilung von Boston Partners warnt, dass die weiterhin hohen Ölpreise den langfristigen Inflationsausgleich erhöhen könnten, was wiederum die US-Staatsanleiherenditekurve weiter verflachen würde. Sollte das risikofreie Zinsniveau tatsächlich ansteigen, könnten die hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisse der derzeitigen Technologietitel einem Mittelwertdruck ausgesetzt werden, und Kapital könnte vorübergehend in Sektoren mit stabilen Cashflows und hohem Dividendencharakter fließen.