- Die Renditen von Benchmark-Staatsanleihen der Eurozone sind durchweg gesunken. Dabei ging die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe um 6 Basispunkte auf 3,034 % zurück, während die Rendite der 2-jährigen Bundesanleihe, die stärker auf Zinserwartungen reagiert, um 9 Basispunkte auf 2,552 % fiel.
- Mit den Signalen für eine potenzielle Entspannung bei den Nuklearverhandlungen zwischen den USA und Iran im Nahen Osten fiel der zuvor stark gestiegene Preis für Brent-Rohöl-Futures unter 100 Dollar pro Barrel. Dies schwächte die Marktpreiseingaben für importierte Inflation und dämpfte die Wetten auf aggressive Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB).
- EZB-Präsidentin Christine Lagarde definierte die aktuelle wirtschaftliche Lage der Eurozone zwischen Basisszenario und ungünstigem Szenario. Im ungünstigen Szenario wird eine Inflationsrate von 3,5 % für das Jahr 2026 prognostiziert; diese Aussage führte dazu, dass die Renditen von Staatsanleihen in der Mittagshandelsphase im Rückgangsstil blieben.
Renditekurve und Dynamik der Staatsanleihe-Spreads
Der Markt für festverzinsliche Wertpapiere in der Eurozone bepreist geopolitische Variablen in hoher Frequenz neu. Ende März erreichte die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe einen Höchststand von 3,13 % seit 2011, während die Rendite der 10-jährigen italienischen Staatsanleihe auf ein Zwischenhoch von 4,142 % anstieg. Angesichts der Nachrichten über eine mögliche Öffnung der Straße von Hormus wurden panische Bewegungen im Markt für Staatsanleihen und Inflationserwartungen teilweise abgebaut. Die Rendite der 10-jährigen italienischen Staatsanleihe fiel an einem einzigen Tag um 10 Basispunkte auf 3,784 % und zeigt damit die stärkere Preiselastizität von Staatsanleihen mit hohem Beta bei sich erholender makroökonomischer Stimmung. Der Spread zwischen den Renditen für 10-jährige italienische und deutsche Anleihen ist auf 75 Basispunkte gesunken, ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den 103,62 Basispunkten während der angespanntesten Konfliktphase, liegt jedoch noch über den 63 Basispunkten vor der Krise und deutet an, dass die Restunsicherheiten im Bereich Kreditrisiko noch nicht vollständig beseitigt sind.
Energiepreisprämie und Neubewertung der Inflationserwartungen
Die Rückkehr der Ölpreise ist der Haupttreiber für die Erholung des europäischen Anleihemarktes in der aktuellen Runde. Seit Ausbruch der Konflikte im Nahen Osten stieg der Brent-Ölpreis vorübergehend um 40 %, was ein ernsthaftes Stagflationsrisiko für die stark energieimportabhängigen Volkswirtschaften der Eurozone bedeutete. Sobald der Ölpreis die psychologische Schwelle von 100 Dollar pro Barrel unterschritt, fielen die Inflationsswaps rasch. Der Leiter der Zins- und Kreditforschung bei der Commerzbank weist darauf hin, dass die Reaktion des Anleihemarktes auf geopolitische Nachrichten zunehmend abnehmend ist, und dass sich europäische Staatsanleihen und Kreditspreads bereits weitgehend auf die Bewertungsniveaus von Mitte März zurückbewegt haben, was eine Abkehr institutioneller Gelder von extremen Energieangebotsschocks widerspiegelt.
Prognosen der Zentralbank und politische Ausblicke
Die Einschätzung der Inflation durch die Europäische Zentralbank hat das Preiszentrum für kurzfristige Zinssätze direkt beeinflusst. Lagardes Aussagen zu der Wirtschaftslage der Eurozone zwischen Basisszenario und ungünstigem Szenario geben dem Markt klare Hinweise zur politischen Toleranz. Im ungünstigen Szenario wird erwartet, dass die Inflationsrate im Jahr 2026 auf 3,5 % steigen wird, was jedoch deutlich unter den 4,4 % einer extremen Inflationsprognose liegt. Sollte der Energiepreis weiterhin unter 100 Dollar bleiben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB im laufenden Jahr die Leitzinsen entweder beibehalten oder nur leicht anpassen wird, was den kurzfristigen Anleihen, die besonders sensibel auf Geldpolitik reagieren, eine Bewertungsunterstützung bietet.