Eine volle Bilanzwoche und die anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed rücken die Wall Street in den Mittelpunkt. Die Zahlen von Microsoft, Alphabet, Amazon, Sandisk und Eli Lilly sollen Aufschluss darüber geben, ob die großen Cloud-Anbieter ihre hohen KI-Investitionen fortsetzen – und ob sich daraus bereits entsprechende Umsätze und Erträge ergeben. Die großen Indizes entwickelten sich in der vergangenen Woche uneinheitlich: Nach einem kurzen Anstieg über ihre 50-Tage-Durchschnitte gaben sie die Gewinne wieder ab. KI-Aktien blieben hinter vielen anderen Sektoren zurück.
Microsoft, Alphabet und Amazon im Fokus der KI-Ausgaben
Die Ergebnisse von Microsoft, Alphabet, der Muttergesellschaft von Google, und Amazon dürften Investoren Hinweise auf den Stand der KI-Investitionen bei den größten Cloud-Anbietern liefern. Im Mittelpunkt stehen die Höhe der geplanten Investitionen und die Frage, ob die Unternehmen passende Umsatz- und Ertragsbeiträge vorweisen können.
Meta Platforms hatte zuletzt starke Ergebnisse gemeldet und seine Investitionspläne leicht angehoben. Zugleich verzeichnete das Unternehmen erstmals seit dem Börsengang 2012 einen Mittelabfluss. Microsoft zeigte sich unter den vier großen Cloud-Anbietern vergleichsweise robust und verfügte bis zum zweiten Quartal über einen beträchtlichen Cashflow.
Neben Sandisk und Eli Lilly stehen in dieser Woche auch die Zahlen von ServiceNow, Intel, Exxon Mobil, SK Hynix, Chevron, Visa, Mastercard, Caterpillar, AbbVie, Merck, Tenet Healthcare, The Cheesecake Factory und Porch an. Apple und weitere Unternehmen wollen ihre Ergebnisse kommende Woche veröffentlichen.
US-Indizes schließen unter ihren 50-Tage-Durchschnitten
Der Dow Jones Industrial Average legte in der vergangenen Woche um 0,4 Prozent zu. Der S&P 500 verlor 0,5 Prozent, der Nasdaq Composite gab 0,7 Prozent nach. Der Nebenwerteindex Russell 2000 stieg um 2 Prozent, blieb aber unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Der gleichgewichtete S&P-500-ETF RSP gewann 1,1 Prozent und schloss oberhalb seines 50-Tage-Durchschnitts. Der Invesco Nasdaq 100 Equal Weighted ETF QQQE beendete die Woche leicht im Plus und gab damit fast alle Gewinne aus der Wochenmitte wieder ab.
Im Wochenverlauf notierten die großen Indizes zeitweise wieder über ihren 50-Tage-Durchschnitten, rutschten bis Freitag jedoch erneut darunter. Damit fiel auch der Dow unter diese Marke, wie zuvor bereits der S&P 500 und der Nasdaq. Halbleiterhersteller und Anbieter von KI-Hardware verzeichneten deutliche Verluste. Konsumgüter-, Finanz-, Transport-, Immobilien-, Software- und Gesundheitswerte entwickelten sich meist besser. Mehrere dieser Branchen gaben am Freitag allerdings nach, darunter auch Eli Lilly.
Die Branchen-ETFs zeigten ebenfalls ein uneinheitliches Bild. Der Software-ETF IGV, in dem Microsoft zu den größten Positionen zählt, stieg um 6 Prozent. Der Halbleiter-ETF SMH verlor dagegen 2,3 Prozent. Der ARK Innovation ETF legte 0,4 Prozent zu, der ARK Genomic Revolution ETF 3,1 Prozent. Der Metall- und Bergbau-ETF XME sank um 4,5 Prozent, während der Hausbau-ETF XHB um 3,7 Prozent zulegte. Der Energie-ETF XLE gewann 1,6 Prozent, der Gesundheits-ETF XLV 1,45 Prozent. Der Industrie-ETF XLI verlor 1,9 Prozent; der Finanz-ETF XLF stieg um 0,7 Prozent.
Fed-Entscheidung und Renditen von US-Staatsanleihen
Die Fed tagt in dieser Woche. Ihre Zinsentscheidung wird am Mittwochnachmittag erwartet, anschließend äußert sich Fed-Chef Kevin Warsh. Die Märkte rechnen mit unveränderten Leitzinsen. Anleger dürften zugleich auf Hinweise achten, ob eine weitere Straffung der Geldpolitik folgen könnte. Der Zinsausblick wirkt sich neben den Unternehmenszahlen auf Aktienbewertungen und die Finanzierungskosten von Unternehmen aus.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank vergangene Woche um 11 Basispunkte auf 4,99 Prozent. Als Hintergrund wurden Sorgen über die Finanzierung der KI-Investitionen genannt. US-Rohöl-Futures verteuerten sich im selben Zeitraum um 4,3 Prozent auf 103,27 US-Dollar je Barrel. Bewegungen bei Aktienindex-Futures über Nacht lassen nicht zwingend auf die Richtung des Kassamarkts in der folgenden Sitzung schließen.
Zahlen und Fed-Signale prägen die Branchenentwicklung
Die Märkte bleiben gespalten: KI-Aktien stehen insgesamt unter Druck, während mehrere Branchen außerhalb des KI-Bereichs in der vergangenen Woche zulegten. Da die großen Indizes wieder unter ihren 50-Tage-Durchschnitten liegen, treffen die Anleger nun auf eine dichte Folge von Unternehmenszahlen und die Fed-Entscheidung. Im Zentrum stehen kurzfristig die Ergebnisse, die Investitionspläne und die Signale der Notenbank. Die US-Zwischenwahlen am 3. November könnten die Nachrichtenlage später prägen; in dieser Woche richten sich die Blicke jedoch auf die großen Technologiekonzerne und den Zinsentscheid.