US-Spot-Bitcoin-ETFs haben den Bitcoin-Kurs in Abschwüngen nicht verlässlich gestützt. Eine Analyse von DWF Labs über 694 Handelstage seit dem Start der Fonds ergab bei sieben von acht Korrekturen von mindestens 15 Prozent Nettoabflüsse. In allen neun Erholungsphasen von mindestens 15 Prozent verzeichneten die ETFs dagegen Nettozuflüsse. Die Daten sprechen dafür, dass die Mittelbewegungen meist dem Preistrend folgten, statt ihm entgegenzuwirken. Als Frühindikator waren sie damit nur eingeschränkt aussagekräftig.
Rekordabflüsse während zweier Kursrückgänge
Die Untersuchung reicht bis zum 16. Oktober 2026. Zwischen Mai und Juni 2026 verlor Bitcoin 28,8 Prozent; gleichzeitig zogen Anleger 8,2 Milliarden US-Dollar aus den ETFs ab. Das war der größte Mittelabfluss während einer einzelnen Korrektur seit Auflegung der Produkte. Beim vorherigen Rückgang von Oktober 2025 bis Februar 2026 halbierte sich der Bitcoin-Kurs annähernd, während die ETFs Nettoabflüsse von 6,9 Milliarden US-Dollar verbuchten. Beide Werte lagen über den 3,4 Milliarden US-Dollar, die während der Korrektur von Januar bis April 2025 abgezogen wurden.
Mit zunehmender Tiefe der Rückgänge nahmen die Abflüsse häufig zu. In fünf der acht Korrekturen fielen die stärksten Rücknahmen in die letzten fünf Handelstage vor dem jeweiligen Tief. In der letzten Woche des Rückgangs von Mai bis Juni 2026 beliefen sich die durchschnittlichen täglichen Abflüsse auf 412 Millionen US-Dollar. Über die gesamte Korrektur hinweg verzeichneten 88 Prozent der Handelstage Abflüsse.
In Aufwärtsphasen zeigte sich das umgekehrte Bild: Alle neun Erholungen von mindestens 15 Prozent gingen mit Nettozuflüssen einher. Bei sieben davon fiel der stärkste Kaufdruck in die letzten fünf Handelstage vor dem Marktgipfel. Insgesamt verstärkten die ETF-Ströme häufig einen bestehenden Preistrend, statt eine bevorstehende Trendwende anzuzeigen.
Ausnahmen: die Korrektur 2024 und die Erholung 2025
Die Korrektur von Mai bis Juli 2024 war eine der wenigen Ausnahmen. Obwohl Bitcoin 21,8 Prozent verlor, flossen den US-Spot-ETFs netto 2,2 Milliarden US-Dollar zu. Verkäufe der deutschen Regierung und zusätzliches Angebot im Zusammenhang mit Rückzahlungen von Mt. Gox an Gläubiger belasteten den Markt. Die ETF-Nachfrage nahm einen Teil dieses Angebots auf.
In anderen Phasen setzte die erneute Nachfrage nach ETFs meist erst nach der Kurserholung ein. Im April 2025 legte Bitcoin um 9,7 Prozent zu, während die Fonds im Tagesdurchschnitt weiterhin rund 40 Millionen US-Dollar an Abflüssen verzeichneten. Die durchschnittlichen täglichen Zuflüsse beschleunigten sich erst, nachdem sich der Kurs bereits erholt hatte, auf 436 Millionen US-Dollar. Umgekehrt flossen den ETFs im Oktober 2025, als Bitcoin nahe einem kurzfristigen Hoch notierte, an einem einzigen Tag rund 1,2 Milliarden US-Dollar zu. Anschließend begann ein anhaltender Rückgang.
Geringe Aussagekraft für die kurzfristige Kursrichtung
DWF Labs ermittelte eine Korrelation von 0,54 zwischen den ETF-Strömen und der Bitcoin-Entwicklung der vorangegangenen fünf Handelstage. Für die Rendite der folgenden fünf Handelstage lag die Korrelation hingegen nur bei 0,03; mit den Tagesrenditen betrug sie 0,41. Die Werte zeigen, dass Mittelbewegungen und Kurse häufig in dieselbe Richtung laufen. Sie belegen aber nicht, ob die Nachfrage der Fonds den Kurs beeinflusst oder Anleger auf bereits bestehende Marktbewegungen reagieren.
Nach den zehn Prozent der Handelstage mit den höchsten ETF-Zuflüssen stieg Bitcoin in den folgenden 20 Handelstagen in 51 Prozent der Fälle. Über alle Handelstage lag der Anteil bei 57 Prozent. BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT), gemessen am Vermögen der größte Bitcoin-ETF, sammelte im Untersuchungszeitraum netto 65,6 Milliarden US-Dollar ein. Die Korrelation seiner Mittelzuflüsse mit den Bitcoin-Renditen der folgenden fünf Handelstage lag dennoch nur bei 0,04. Nach Tagen mit hohen IBIT-Zuflüssen stieg Bitcoin in den nächsten 20 Handelstagen lediglich in 47 Prozent der Fälle. Eine stärkere Vorhersagekraft war damit nicht erkennbar.
Hohe ETF-Zuflüsse müssen außerdem nicht bedeuten, dass Anleger neue Positionen auf steigende Kurse eingehen. Kapital kann zwischen verschiedenen ETF-Produkten umgeschichtet werden. Hedgefonds können zugleich ETF-Anteile kaufen und Bitcoin-Futures leerverkaufen, um Preisunterschiede auszunutzen, ohne eine klare Richtung auf Bitcoin einzunehmen.
Der Bericht beschreibt auch ein mögliches Muster, weist aber auf die geringe Zahl der Fälle hin: Wenn die ETFs ungewöhnlich hohe Abflüsse verzeichneten, während sich Bitcoin an diesem Tag um weniger als ein Prozent bewegte, fiel der Kurs in acht der folgenden zwölf Fälle. Die Renditen nach diesen Handelstagen lagen 10,7 Prozent unter denen nach früheren Tagen mit ähnlicher Kursentwicklung. Die negativen Ergebnisse konzentrierten sich jedoch auf drei große Ausverkäufe. Ob sich daraus ein verlässliches Signal ableiten lässt, bleibt daher offen.
Rückgänge und Volatilität seit ETF-Start geringer
Trotz wiederholter Rücknahmen während Korrekturen hat sich das Tempo der Bitcoin-Verluste seit dem Handelsstart der Spot-ETFs verlangsamt. Der Median der durchschnittlichen Tagesverluste während Korrekturen lag seitdem bei 0,69 Prozent. Für 2022 bis 2023 betrug er ein Prozent, für 2021 1,37 Prozent. Auch größere Korrekturen mit einem Rückgang von mindestens 15 Prozent traten seltener auf: etwa 2,9-mal pro Jahr seit ETF-Start, verglichen mit 4,4-mal in den Jahren 2022 bis 2023 und achtmal im Jahr 2021.
Die annualisierte Volatilität sank von 55 Prozent in den Jahren 2022 bis 2023 auf 47 Prozent. Die jährliche Zahl abrupter Einbrüche mit einem Tagesverlust von rund sieben Prozent ging von sechs auf zwei zurück. Die Tiefe der Korrekturen nahm dagegen nicht im gleichen Maß ab: Der Median des Rückgangs seit Auflegung der ETFs lag bei 21,3 Prozent und damit über den 19,4 Prozent aus den Jahren 2022 bis 2023.
DWF Labs nennt eine höhere Marktliquidität, eine breitere Anlegerbasis und den stärkeren Einsatz regulierter Absicherungsinstrumente wie CME-Futures und ETF-Optionen als mögliche Gründe für die veränderte Marktdynamik. Zugleich hatte die Volatilität von Bitcoin bereits vor dem Start der ETFs zu sinken begonnen.
Absicherung erklärt nur einen Teil der Abflüsse
DWF Labs schätzt, dass rund ein Fünftel der ETF-Ströme mit Absicherungspositionen über CME-Futures und sogenannten Basisgeschäften zusammenhängen könnte. Die Netto-Leerverkaufspositionen gehebelter Fonds sanken von rund 116.000 Bitcoin im Dezember 2024 auf 29.000 Bitcoin. Das Auflösen solcher Positionen könnte einen erheblichen Teil der ETF-Verkäufe während der Korrektur von Januar bis April 2025 erklären. Bei den beiden darauffolgenden großen Rückgängen dürfte es laut Bericht jedoch höchstens etwa ein Viertel der Rücknahmen ausgemacht haben. Ein größerer Anteil der jüngsten Abflüsse könnte demnach von Anlegern stammen, die ihr Bitcoin-Engagement aktiv reduzierten.
Fiel Bitcoin um sieben Prozent unter sein 20-Tage-Hoch, drehten die durchschnittlichen ETF-Ströme der folgenden fünf Handelstage von einem Nettozufluss von 74 Millionen US-Dollar pro Tag auf einen Nettoabfluss von 72 Millionen US-Dollar. In 19 der 24 untersuchten Fälle nahm der Verkaufsdruck weiter zu. Innerhalb der folgenden zwei Wochen kehrten die Mittelbewegungen jedoch meist in die Nähe einer ausgeglichenen Bilanz zurück. Zum Ende des untersuchten Zeitraums beliefen sich die kumulierten Nettozuflüsse in US-Bitcoin-ETFs auf 57,96 Milliarden US-Dollar; die zwölf Produkte verwalteten zusammen rund 110 Milliarden US-Dollar.