US-Aktien schlossen am Donnerstag überwiegend im Minus, besonders Technologiewerte gerieten unter Druck. Nach den Quartalszahlen von Meta und Tesla hinterfragten Anleger, wann sich die hohen KI-Investitionen der Unternehmen auszahlen könnten. Zugleich stieg der Ölpreis über 100 Dollar je Barrel. Damit rückten Inflation und der Zinsausblick vor der Fed-Sitzung in der kommenden Woche wieder stärker in den Blick.
Nasdaq verliert 2,6 Prozent, Öl übersteigt 100 Dollar
Der Nasdaq Composite gab zum Handelsschluss 2,6 Prozent auf 26.008 Punkte nach. Der S&P 500 verlor 1,2 Prozent auf 7.663 Punkte. Der Dow Jones Industrial Average legte dagegen leicht um 0,02 Prozent auf 52.867 Punkte zu. Die stärksten Verluste verzeichnete der technologielastige Nasdaq.
Der Ölpreisanstieg belastete zusätzlich die Risikobereitschaft. Die USA erklärten, nicht mit dem Iran über ein Ende des Kriegs im Nahen Osten zu verhandeln. Das verstärkte die Sorgen um die Stabilität der Region und die Versorgung. US-Terminkontrakte auf die Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im nächsten Monat stiegen um 3 Prozent und schlossen bei 100,06 Dollar je Barrel. Damit belief sich das Monatsplus auf knapp 11 Prozent. Anhaltend hohe Ölpreise könnten den Inflationsdruck erhöhen und die Erwartungen an die Zinsen beeinflussen.
Meta-Aktie unter Druck: höhere KI-Ausgaben
Die Aktie von Meta Platforms verlor 7 Prozent. Es war der stärkste Tagesrückgang seit Juli und einer der größten Verluste im Nasdaq. Der Umsatz im dritten Quartal lag mit 64,6 Milliarden Dollar über den Erwartungen der Wall Street. Auch die Umsatzprognose für das vierte Quartal übertraf die Schätzungen. Der Gewinn je Aktie von 3,83 Dollar blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. Zugleich drückten die steigenden Investitionen in KI-Projekte den freien Cashflow ins Minus.
Meta hob die Untergrenze seiner Investitionsprognose für das Gesamtjahr an. Der Konzern rechnet nun mit Investitionsausgaben von 135 bis 145 Milliarden Dollar, nach zuvor 130 bis 145 Milliarden Dollar.
Stephen Ju, Analyst bei UBS Global Research, sieht Meta möglicherweise an einem Punkt, an dem KI-Investitionen beginnen, sich kommerziell auszuwirken. Die Ausgaben für fortschrittliche KI-Modelle in den vergangenen drei Jahren könnten sich zunehmend in einer besseren Werbeleistung und einer stärkeren Nutzung von KI-Produkten niederschlagen, sagte er. Ju zufolge könnte ein optimiertes Muse-Modell zudem das Targeting von Anzeigen und Inhaltsempfehlungen verbessern. Diese Erwartungen fließen in die Umsatzprognosen der UBS für 2027 und 2028 ein; es handelt sich nicht um bereits erzielte Ergebnisse von Meta.
Der Verwaltungsrat von Meta genehmigte außerdem die Einführung nicht stimmberechtigter Aktien der Klasse C. Diese sollen öffentlich gehandelt und an Inhaber der stimmberechtigten Stammaktien der Klassen A und B ausgegeben werden. Der Handelsstart ist für Januar 2027 vorgesehen. Meta teilte mit, dass der Kurs der Klasse-A-Aktie einem Aktiensplit im Verhältnis zwei zu eins Rechnung tragen werde.
Nach Angaben des Unternehmens soll die neue Aktienstruktur dazu beitragen, die Stimmrechtskontrolle von CEO Mark Zuckerberg zu erhalten und zugleich die Expansionspläne im Bereich KI zu unterstützen. Die Regelung steht auch im Zusammenhang mit den möglichen Folgen einer vorgeschlagenen Vermögenssteuer in Kalifornien für Zuckerbergs Kontrolle über Meta und seine Möglichkeit, das Unternehmen weiterhin von dem Bundesstaat aus zu führen. Der Ausgang hängt vom weiteren politischen Verfahren ab.
Tesla übertrifft Erwartungen, doch die Kosten steigen
Die Tesla-Aktie sank um 3,1 Prozent. Das Unternehmen meldete für das dritte Quartal einen Gewinn je Aktie von 48 Cent und einen Umsatz von 28 Milliarden Dollar. Beide Werte lagen über den Analystenerwartungen, der Umsatz fiel jedoch niedriger aus als ein Jahr zuvor. Die Betriebskosten stiegen im Jahresvergleich um 39 Prozent und belasteten damit die Margen.
Tesla senkte zudem seine Prognose für die Investitionsausgaben im Gesamtjahr von 25 auf 20 Milliarden Dollar. Bei der Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen machte CEO Elon Musk keine neuen Angaben zu einer möglichen Fusion mit SpaceX. Er sagte lediglich, er habe bereits alles offengelegt, was offengelegt werden müsse. Die SpaceX-Aktie verlor an diesem Tag 9,1 Prozent. Für ein mögliches Geschäft gab es weiterhin weder einen bestätigten Plan noch einen Zeitrahmen.
P&G verbucht stärksten Tagesanstieg seit mehr als sechs Jahren
Nicht alle Unternehmen, die Geschäftszahlen vorlegten, wurden vom Ausverkauf erfasst. Procter & Gamble stieg um 5,6 Prozent und verzeichnete damit den stärksten Tagesgewinn seit dem 26. März 2020, als die Aktie um 6,4 Prozent zugelegt hatte.
Der Konsumgüterkonzern übertraf im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 die Markterwartungen bei Umsatz und Gewinn. Das Absatzvolumen wuchs im Jahresvergleich um 2,4 Prozent. Finanzvorstand Andre Schulten sagte, P&G habe ein Gleichgewicht zwischen Preiserhöhungen, Produktverbesserungen, neuen Verpackungen, Markenkommunikation und der Umsetzung im Einzelhandel gefunden. Dieses Gleichgewicht sei jedoch fragil. Das Unternehmen will Innovationen nutzen, um Preise zu stützen, ohne das Umsatzwachstum zu beeinträchtigen.
Der Handel am Donnerstag deutete darauf hin, dass Anleger nicht pauschal Aktien verkauften. Im Mittelpunkt standen vielmehr die Frage, ob sich KI-Ausgaben in Cashflow und Gewinnen niederschlagen, sowie der Umgang der Unternehmen mit Kosten, Preisen und Nachfrage. Für die Märkte bleiben zudem die Fed-Sitzung in der kommenden Woche, die Ölpreisentwicklung und weitere Investitionspläne großer Technologiekonzerne wichtige Faktoren.