Umverteilung der Liquidität unter dem Schatten der Stagflation
Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten formt die Preislogik globaler makroökonomischer Vermögenswerte neu. Die heftigen Schwankungen der Ölpreise haben nicht nur die Markterwartungen einer stabilen Inflationsrückkehr durchbrochen, sondern auch die Rendite von US-Staatsanleihen erneut in die Höhe getrieben. In einem solchen makroökonomischen Umfeld, das stagflationäre Merkmale aufweist, wird das Duration-Risiko hoch bewerteter Wachstumsaktien stark vergrößert. Die jüngste Korrektur der US-Technologieaktien beruht im Wesentlichen darauf, dass globale Makrofonds ihre Risikopositionen aktiv reduzieren und umschichten, da die risikolosen Zinssätze steigen.
Auswirkungen auf verschiedene Asset-Klassen
Da die „Big Seven“ fast ein Drittel der gesamten Marktkapitalisierung des S&P 500 Index ausmachen, stellt die Bewertungsanpassung der Technologieaktien eine systemische Belastung sowohl für den breiteren US-Index als auch für die globalen Aktienmärkte dar. Der Rückgang im Technologiesektor dämpft nicht nur die Risikobereitschaft, sondern führt auch zu einer deutlichen Zunahme der Volatilität über verschiedene Asset-Klassen hinweg. Am Anleihenmarkt bildet der Anstieg der Staatsanleihenrenditen einen negativen Rückkopplungseffekt mit dem Abwärtstrend der Technologieaktien; am Devisenmarkt könnte ein Teil der Liquidität auf Dollar-Cash oder traditionelle Sicherheitswährungen (wie den Schweizer Franken) übergehen, da sich risikoscheues Kapital nicht wie erwartet in den US-Technologiesektor bewegt hat. Dadurch entstehen indirekte Auswirkungen auf das globale Währungssystem.
Risikoprognose
Der zentrale Beobachtungspunkt für den künftigen Markt wird die bevorstehende Berichtssaison sein. Laut Prognosen von LSEG IBES wird für 2026 mit einem Gewinnwachstum von 43 % im Technologiesektor gerechnet. Sollten die Technologieriesen in der Lage sein, den Druck auf die Bewertung durch starke Gewinndaten zu kompensieren, könnte der Sektor im zweiten Quartal eine Unterstützungsbasis finden. Wenn sich jedoch die Lage im Nahen Osten weiter verschärft und die Energieinflation außer Kontrolle gerät, könnten die Staatsanleihenrenditen weiter ansteigen, und das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Technologieaktien könnte erstmals seit 2017 unter das Gesamtniveau des breiten Marktes fallen. Investoren sollten auf das Tail-Risiko achten, das durch die Volatilität von hoch gewichteten Technologieaktien in indexbasierten Anlageinstrumenten entsteht.