Der globale Metallmarkt erkennt zunehmend, dass Aluminium nicht nur ein industrielles Metall ist, sondern eine geopolitisch äußerst sensible strategische Ressource. Mit dem anhaltenden Konflikt im Nahen Osten und den Transportbehinderungen in der Straße von Hormus stieg der Aluminiumpreis am 12. März weiter an. Der Dreimonatskontrakt für Aluminium an der LME erreichte 3.502,50 US-Dollar pro Tonne und damit in die Nähe des höchsten Stands der letzten vier Jahre, der diese Woche verzeichnet wurde.
Nahost-Risiken als zentraler Treiber für Aluminiumpreise
Aluminium reagiert besonders sensibel auf geopolitische Nachrichten, da die Bedeutung des Nahen Ostens in der globalen Versorgung signifikant gestiegen ist. Laut Reuters entfallen etwa 9 % der weltweiten Aluminiumversorgung auf den Nahen Osten. Frühere Analysen zeigten zudem, dass sich die Schmelzkapazitäten in der Golfregion in den letzten zwei Jahrzehnten durch den Zugang zu Erdgasressourcen schnell ausgeweitet haben, wodurch sie zu einem der wichtigsten Aluminiumversorgungszentren außerhalb Chinas geworden ist. Solange die Straße von Hormus nicht zum normalen Verkehrsfluss zurückkehrt, wird der Markt weiterhin ein Risikoaufschlag auf die Aluminiumpreise setzen.
Lagerbestände und Prämien zeigen Engpass im Spotmarkt
Wichtiger als der Futures-Preis an sich ist das gleichzeitige Verengen der Spotkette. Laut einem Reuters-Bericht vom 11. März plant die Firma Macquarie, fast 100.000 Tonnen Aluminium aus dem LME-Lager in Port Klang zu entnehmen, um die Lieferverpflichtungen in Europa und den USA zu erfüllen. Die schnell steigende Rate an stornierten Warrants zeigt, dass der frei zirkulierende Lagerbestand abnimmt, während die steigenden Prämien in Europa und den USA auch die steigenden Schwierigkeiten bei der tatsächlichen Anlieferung widerspiegeln.
Institute passen ihre Preisprognosen für das Jahr an
Vor diesem Hintergrund hat Benchmark Mineral Intelligence seine Aluminiumpreisprognose für 2026 von 2.900 USD auf 3.100 USD pro Tonne angehoben. Zu beachten ist, dass diese Prognose immer noch unter dem aktuellen Spotpreis liegt, was bedeutet, dass die Institute das steigende Versorgungsrisiko zwar anerkennen, jedoch auch implizit davon ausgehen, dass, wenn sich Lieferungen oder Kapazitäten schrittweise erholen, die extreme Knappheit auf dem Spotmarkt nicht das ganze Jahr über anhalten muss. Diese Einschätzung basiert auf der Diskrepanz zwischen öffentlichen Vorhersagen und aktuellen Preisen.
Andere Metalle steigen nicht parallel an
Im Vergleich dazu zeigen Kupfer, Nickel, Blei, Zinn und Zink eine eher ruhige oder sogar schwache Entwicklung, was darauf hindeutet, dass der aktuelle Preisanstieg mehr einem „unabhängigen Aluminiummarkt“ entspricht, als dass es sich um einen systematischen Bullenmarkt für den gesamten Grundmetallsektor handelt. Das bedeutet, dass der Markt derzeit nicht von einer umfassenden Nachfrageerholung getrieben wird, sondern von der unmittelbaren Gefahr einer Unterbrechung der Versorgung mit einem einzigen Metall.