Eine neue Analyse von Goldman Sachs zeigt, dass trotz der Behinderung der Transporte durch die Straße von Hormuz aufgrund des Nahostkonflikts - was den Fluss von Rohöl und Raffinerieprodukten verlangsamt und den Druck auf die globale Energielieferkette erhöht - es derzeit noch nicht zu einem strukturellen weltweiten Ölengpass gekommen ist. Maßnahmen wie die gesamte Lagerhaltung, alternative Lieferquellen und Exportbeschränkungen einiger Länder haben die Lücken kurzfristig gemildert, und der globale Markt zeigt nach wie vor eine gewisse Elastizität. Goldman Sachs weist darauf hin, dass die Auswirkungen in verschiedenen Regionen weltweit unterschiedlich sind, wobei Asien aufgrund der starken Abhängigkeit von Lieferungen aus dem Persischen Golf am stärksten unter Druck steht.
Asien am verletzlichsten
Die Goldman-Analyse zeigt, dass viele asiatische Volkswirtschaften stark auf den Import von Raffinerieprodukten aus dem Persischen Golf angewiesen sind. Stichproben in der Region zeigen, dass viele Länder etwa die Hälfte ihres Brennstoffangebots aus dieser Region beziehen, wobei Länder wie Südkorea und Singapur eine Abhängigkeit von nahezu 70% bis 75% aufweisen. Mit der Verlangsamung der Exporte aus dem Persischen Golf gingen bis Ende März die Netto-Ölimporte Asiens deutlich zurück, was darauf hindeutet, dass sich der Versorgungsdruck zu entfalten beginnt.
Darüber hinaus haben einige asiatische Länder ohnehin niedrige Lagerbestände an Raffinerieprodukten und im Vergleich zu anderen Regionen weniger Vorräte, was den Markt anfälliger für externe Lieferunterbrechungen macht. Goldman Sachs hebt hervor, dass insbesondere Lagerbestände an petrochemischen Rohstoffen wie Naphtha und Flüssiggas (LPG) geringer sind und komplexen Lageranforderungen unterliegen, was zu den ersten angespannten Situationen führt.
Treibstoffpreise und Angebotsindikatoren
Goldman Sachs beobachtet, dass die aktuellen Treibstoffpreise, insbesondere für Diesel und Kerosin, weltweit deutlich gestiegen sind, was teilweise auf Angebotsbeschränkungen und präventives Horten einiger Länder zurückzuführen ist. Diese Preisentwicklung ist nicht nur eine direkte Reaktion des Marktes auf kurzfristige Angebotsengpässe, sondern hat auch Kettenwirkungen auf den Transport, die Luftfahrt und die industrielle Produktion.
Gleichzeitig verlangsamt sich laut Handelsflussdaten der Export von Rohöl und Raffinerieprodukten aus dem Persischen Golf seit Ende März merklich, was zu einem Rückgang der Importe nach Asien führt, was darauf hindeutet, dass sich das Risiko der Abhängigkeit vom Ausland zu einem immer größeren Problem entwickelt.
Bodenindikatoren und Reaktionen
Neben Preissignalen zeigen Goldman-Sachs-Analysen auch Anzeichen tatsächlicher Lieferengpässe in einigen Ländern, darunter Warnungen vor Treibstoffrationierung und der Rückgang industrieller Aktivitäten aufgrund von Rohstoffknappheiten. Diese „realen Signale“ sind nicht weltweit verbreitet, beginnen aber in bestimmten asiatischen Märkten zu erscheinen.
Goldman Sachs ist jedoch der Ansicht, dass große Volkswirtschaften wie China und Japan mit großen strategischen Reserven besser in der Lage sind, Schocks durch die Freigabe von Beständen und die Diversifizierung der Importkanäle abzufangen, sodass kurzfristig noch kein echter globaler Ölnotstand besteht.
Zukünftige Risiken
Goldman Sachs warnt, dass die derzeitige Pufferwirkung nur vorübergehend sein könnte. Sollte die Unterbrechung des Transports durch die Straße von Hormuz weiter eskalieren oder sich der Konflikt auf breitere Exportinfrastrukturen ausdehnen, könnten sich die Risiken lokaler Engpässe und starker Preissteigerungen verschärfen. Insbesondere für Regionen mit hoher Importabhängigkeit wie Asien könnte der wachsende Mangel zu mehr physischen Versorgungsengpässen und wirtschaftlichen Kettenreaktionen führen.