- Der US-Dollar-Index (DXY:CUR) fiel am Freitag leicht um 0,02% auf 98,185. Unter dem Einfluss des Inkrafttretens des Waffenstillstandsabkommens zwischen dem Libanon und Israel sowie der erwarteten Gespräche zwischen den USA und dem Iran bewegt sich der Index auf den zweiten Wochenrückgang in Folge zu. Damit werden die zuvor angesammelten geopolitischen Risikoprämien aus den Konflikten im Nahen Osten vollständig aufgelöst.
- Die europäischen Währungen zeigen sich relativ widerstandsfähig, der Euro gegenüber dem US-Dollar (EUR/USD) stabilisiert sich bei 1,178225 und könnte die dritte Woche in Folge im Plus abschließen. Das Pfund gegenüber dem US-Dollar (GBP/USD) notiert bei 1,35225, hat im Wesentlichen die Rückgänge seit dem Ausbruch des Konflikts aufgeholt und erreicht den höchsten Bereich seit fast sieben Wochen.
- Es kommt zu einer signifikanten Korrektur in der makroökonomischen Zinsbewertung. Der Markt für Federal Fund Futures bewertet derzeit, dass das Federal Reserve System (Fed) den Leitzins in diesem Jahr unverändert lassen wird. Dies steht im Gegensatz zum Konsens vor dem Konflikt, der zwei Zinssenkungen erwartete. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen handelt derzeit bei 3,7732%.
Abnehmende Risikostimmung und Dollar-Bewertungskorrektur
Der globale Devisenmarkt erlebt eine Phase des Positionsausgleichs, die von der politischen Beruhigung getrieben wird. Mit der endgültigen Umsetzung des 10-tägigen Waffenstillstandsabkommens zwischen dem Libanon und Israel sowie den positiven Ankündigungen des US-Präsidenten zu hochrangigen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran am Wochenende nimmt die extrem risikoscheue Stimmung auf dem Devisenmarkt systematisch ab. Der US-Dollar, ein traditioneller sicherer Hafen, verzeichnete in den letzten zwei Handelstagen eine deutlich geringere Nachfrage. Das Devisenstrategieteam der Bank of America (BofA) weist darauf hin, dass trotz einer langfristig schwachen Prognose für den Dollar, aufgrund der Fragilität des Waffenstillstands und möglicher geopolitischer Wendungen, kurzfristig bei der Einschätzung eines deutlichen Einbruchs Vorsicht geboten ist. Der aktuelle Rückgang des Dollar-Index in Richtung 98 reflektiert mehr das Verhalten von spekulativen Long-Positionen vor wichtigen geopolitischen Treffen am Wochenende.
Kurzfristige Divergenz von europäischen Währungen und Energiepreisen
Ein weiteres zentrales mikroökonomisches Merkmal des Devisenmarkts in dieser Woche ist die momentane Entkopplung der Preisbildung des Euro (EUR/USD) von den Energiefundamentaldaten. Obwohl die globalen Rohölpreise weiterhin im hohen Bereich nach dem Kriegsausbruch verharren, hat sich der Euro gegenüber dem US-Dollar auf 1,178225 erholt und ist im Wesentlichen auf das Niveau vor der Eskalation der Nahost-Konflikte zurückgekehrt. Analysten glauben, dass diese abgeschwächte Reaktion des Wechselkurses auf den importierten Inflationsdruck durch Energie darauf hindeutet, dass der Markt das derzeitige hohe Energiepreisniveau als nicht nachhaltig ansieht. Sollte der Kontakt zwischen den USA und dem Iran das Risiko am Ende der Ölversorgungskette tatsächlich beseitigen, wird der Trend der Rückkehr der Energiepreise zum Durchschnittsniveau den Handelsbedingungen der Eurozone unterstützend zugutekommen. Gleichzeitig zeigt auch das Pfund (GBP/USD) Immunität gegenüber innenpolitischen Unruhen und bleibt bei 1,35225 stabil hoch, trotz des internen Drucks auf den britischen Premierminister.
Yen unter Druck und US-Staatsanleiherenditekurve
Auf dem asiatisch-pazifischen Devisenmarkt konnte der schwache Kurs des Yen (JPY) trotz der allgemeinen Dollar-Korrektur nicht signifikant verbessert werden. Der US-Dollar gegenüber dem Yen (USD/JPY) bleibt stabil bei 159,225, nahe der psychologischen Marke von 160. Die letzten öffentlichen Äußerungen des Gouverneurs der Bank von Japan (BOJ), Kazuo Ueda, gaben keine Hinweise auf hawkische Politikänderungen im April. Dies bestärkt Makro-Hedgefonds weiter in der Annahme, dass die BOJ zumindest bis Juni die Zinsstruktur unverändert lässt. Im Gegensatz zur Zinserwartung des Yen steht der angespannte US-Staatsanleihemarkt, gestützt durch Inflationserwartungen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen hat sich bei 4,3054% etabliert, was den langfristigen Nominalzins hoch hält und den realen Zinsunterschied zwischen den USA und Japan vergrößert, was den Yen daran hindert, sich zu erholen.