- Die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen stieg um 4,4 Basispunkte auf 4,123 %, da der Verbrauchervertrauensindex der Universität Michigan im Mai aufgrund der Energiepreise auf ein historisches Tief fiel.
- Die Erwartungen des Swap-Marktes an eine Straffung der Geldpolitik der Fed haben sich deutlich verstärkt, und das CME FedWatch-Tool zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember auf 66,6 % gestiegen ist.
- Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh legte seinen Amtseid ab und signalisierte Reformen, während der Markt die potenziellen Risiken einer Umstrukturierung des zukünftigen geldpolitischen Rahmens bewertet.
Form der Renditekurve und Druck am kurzen Ende
Am Freitag stiegen die Renditen am kurzen Ende des US-Staatsanleihenmarktes deutlich an, hauptsächlich weil die Investoren extrem schwache makroökonomische Daten schneller verarbeiten. Die zweijährige US-Staatsanleihe, die normalerweise synchron mit den Erwartungen an den Leitzins der Fed schwankt, stieg um 4,4 Basispunkte auf 4,123 %; die fünfjährige US-Staatsanleihe stieg um 1,3 Basispunkte auf 4,255 %. Gleichzeitig fiel die Benchmark-Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe leicht um 1,1 Basispunkte auf 4,557 %, was dazu führte, dass sich der Unterschied zwischen der zweijährigen und der zehnjährigen US-Staatsanleihe auf 43,5 Basispunkte verengte. Die Divergenz zwischen den Bewegungen am kurzen und langen Ende spiegelt die doppelte Besorgnis des Marktes über kurzfristigen Inflationsdruck und langfristiges Wirtschaftswachstum wider.
Energieinflationsprämie durch geopolitische Spannungen
Die neueste Umfrage der Universität Michigan zeigt, dass der Verbrauchervertrauensindex in den USA im Mai deutlich gesunken ist und ein historisches Tief erreicht hat. Die Verschlechterung dieser Daten ist hauptsächlich auf den Anstieg der Benzin- und Energiepreise zurückzuführen, der durch den am 28. Februar ausgebrochenen Iran-Krieg verursacht wurde. Die hohen Energiekosten verstärken die Inflationssorgen auf dem Rentenmarkt und zwingen Händler, die Dauer der restriktiven Haltung der Fed neu zu bewerten. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe, die als Barometer für geopolitische und fiskalische Risiken gilt, fiel zwar zum Handelsschluss um 3 Basispunkte auf 5,064 %, erreichte jedoch am Dienstag dieser Woche den höchsten Stand seit Juli 2007. Jack McIntyre, Portfoliomanager bei Brandywine Global Investment Management, weist darauf hin, dass das Umfeld für den Anleihemarkt bereits extrem angespannt ist, selbst wenn man geopolitische Konflikte außer Acht lässt, da die Kerninflationsrate seit mehreren Jahren über dem Ziel der Fed liegt.
Ausblick auf die Fed-Politik in der Warsh-Ära
Die Preisgestaltung von festverzinslichen Vermögenswerten steht derzeit vor der Unsicherheit, die durch den Führungswechsel bei der Fed entsteht. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh erklärte bei seiner Amtseinführung am Freitag, dass er eine reformorientierte Zentralbank leiten werde, die sich von starren Rahmen und Modellen löst. Derzeit spiegelt das CME FedWatch-Tool wider, dass der Markt die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen auf der Juni-Sitzung unverändert bleiben, auf 96,5 % schätzt, während die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember bereits 66,6 % beträgt. Sollte die Kerninflation in den kommenden Monaten weiterhin die Erwartungen übertreffen, wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed den Straffungszyklus wieder aufnimmt, weiter steigen. Tim Sommerer, Senior Fixed Income Portfolio Manager bei SEI Investments, glaubt jedoch, dass die Fed trotz des Führungswechsels ihre langjährige Unabhängigkeit und politische Kontinuität beibehalten wird.