
Morgan Stanley weist in seinem neuesten Bericht darauf hin, dass der europäische Energiesektor im vierten Quartal 2025 eine deutliche "Verlangsamung" erleben könnte: Der kumulierte Nettogewinn der Branche wird voraussichtlich im Quartalsvergleich um 15% bis 20% zurückgehen, was einen Gegensatz zu den Verbesserungstrends zu Beginn des Jahres darstellt.
Gewinnerwartungen schwächen sich ab: Dreifacher Druck
Die Bank ist der Ansicht, dass der Druck auf die Gewinne in diesem Quartal nicht durch einen einzelnen Faktor verursacht wird, sondern durch das Zurückfallen der Preise, die schlechter als erwartete Performance im Handelsgeschäft und mehrere einmalige Projekte zum Jahresende.
In diesem Rahmen wird die Sensibilität des Upstream-Bereichs gegenüber Öl- und Gaspreisen erneut verstärkt, während Handels- und Optimierungserträge nicht ausreichend als Puffer dienten.
Preisfront: Rückgang der Durchschnittspreise für Brent, TTF und LNG
Morgan Stanley weist darauf hin, dass im vierten Quartal die Preise für Brent-Öl, niederländisches TTF-Gas und globales LNG um etwa 8% bis 9% im Quartalsvergleich zurückgingen, was den Upstream-Gewinn des Sektors direkt dämpfen dürfte.
Obwohl der US-amerikanische Henry Hub-Gaspreis um etwa 32% gestiegen ist, betont die Bank, dass europäische Unternehmen hier nur begrenzt engagiert sind, hauptsächlich bei BP und Repsol.
Handel und Raffination: Mittelfristige Verbesserung der Raffination, aber begrenzte "Nutzerfreundlichkeit"
Der Bericht stellt fest, dass die Raffineriemargen in der Quartalsmitte zeitweise stark waren, jedoch scheint laut Unternehmensupdates die „Realisierungsstufe“ dieser Verbesserung bei mehreren Unternehmen möglicherweise nicht hoch zu sein.
Zudem verlangsamt sich die Handelsaktivität zum Jahresende in der Regel. Morgan Stanley gibt an, dass Shell und BP beide erwarten, dass die Handels- und Optimierungserträge im vierten Quartal „neutral bis schwach“ sein werden, was das Handelsgeschäft daran hindert, den Preisrückgang abzufedern.
Cashflow und Aktienrückkäufe: Freier Cashflow von ca. 8 Milliarden USD, einige Unternehmen könnten eine Pause einlegen
In Bezug auf die Aktionärsrenditen und den Cashflow schätzt Morgan Stanley, dass der Gesamtfreie Cashflow des Sektors für das Quartal bei etwa 8 Milliarden USD liegt (einschließlich hybrider Anleihezinsen und Leasingzahlungen), während Dividenden und Rückkäufe insgesamt etwa 15 Milliarden USD betragen.
In der Zwischenzeit gleichen mehrere Unternehmen den Druck auf die Bilanz durch Veräußerungsgewinne aus, sodass sich die Nettoverschuldung voraussichtlich weitgehend stabil bleibt; die Dividenden könnten moderat wachsen, aber die Bank erwartet, dass Equinor und BP möglicherweise den Rückkauf von Aktien pausieren, um die Bilanzstärke zu priorisieren.
Insgesamt bleibt Morgan Stanley in Bezug auf den europäischen Energiesektor "vorsichtig" und ist der Ansicht, dass schwächere Rohstoffdurchschnittspreise in Kombination mit weichem Handel die kurzfristigen Gewinnerwartungen weiterhin unter Druck setzen werden.
