Die Vertreter der Cardano-Community haben den Antrag abgelehnt, 12,29 Millionen ADA aus der Treasury für die Finanzierung von Pogun bereitzustellen. Damit bleibt die geplante Mittelzuweisung ohne Ratifikation und wird nicht ausgeführt. Delegierte Vertreter mit von ADA-Inhabern übertragener Stimmvollmacht unterstützten den Antrag mit 35,67 % der Stimmen, während 64,33 % dagegen votierten. Das Verfassungskomitee genehmigte die Prüfung des Vorgangs separat mit sieben Ja-Stimmen und damit 100 % Zustimmung. Die Ergebnisse widersprechen sich nicht: Das Komitee gab den Vorgang im Rahmen seines Mandats frei, die von ADA-Inhabern autorisierten Delegated Representatives (DReps) genehmigten die Treasury-Ausgabe jedoch nicht.
Die Abstimmung zeigt, dass die Rolle von Input Output als früher Entwickler und bedeutender Akteur im Cardano-Ökosystem keinen automatischen Zugang zu Mitteln aus der Community-Treasury garantiert. Gleichzeitig kann Input Output selbst entscheiden, wo das Unternehmen seine Produkte kommerziell ausrollt. Ob Cardano künftig genutzt wird, dürfte daher stärker von technischen Voraussetzungen, der Nutzerverteilung und kommerzieller Unterstützung abhängen als von einer festen Linie, Cardano dauerhaft als erste Wahl zu behandeln.
Antrag über 12,29 Millionen ADA scheitert
Pogun ist ein von Input Output unterstütztes Kredit- und Liquiditätsprodukt, das Bitcoin in das dezentrale Finanzwesen bringen soll. Der Antrag sah vor, 12,29 Millionen ADA aus der Cardano-Treasury für die Entwicklung bereitzustellen. Im Gegenzug sollte Cardano einen Anteil an den Geschäftserlösen des Produkts erhalten. Außerdem war ein Mechanismus vorgesehen, über den die Mittel zurückgeführt und künftige Einnahmen geteilt werden sollten.
Die On-Chain-Abstimmungsdaten zeigen, dass der Governance-Vorgang zu Pogun letztlich weder ratifiziert noch umgesetzt wurde. DReps nehmen an der Governance teil, nachdem sie von ADA-Inhabern Stimmrechte erhalten haben. Ihre Entscheidung war ausschlaggebend dafür, ob die Auszahlung aus der Treasury erfolgen konnte. Die sieben Ja-Stimmen des Verfassungskomitees bezogen sich nur auf dessen eigene Prüfung und konnten die Zustimmung der DReps zur Mittelvergabe nicht ersetzen.
Input Output war am Aufbau von Cardano beteiligt. Die Governance-Gremien des Netzwerks nehmen ihre Aufgaben jedoch getrennt wahr. Das Ergebnis macht deutlich, dass zwischen einem Gründungsteam beziehungsweise frühen Entwickler und den Community-Mitteln kein automatischer Entscheidungsweg besteht.
So war die Umsatzbeteiligung geplant
In einer im April 2026 veröffentlichten Übersicht zum Pogun-Antrag erklärte Input Output, dass das Produkt zunächst 20 % seiner Erlöse an die Cardano-Treasury abführen sollte, bis die ursprüngliche Finanzierung zurückgezahlt wäre. Danach sollten Cardano-bezogene Produkte der Treasury dauerhaft eine Rendite von 5 % liefern.
Im formellen Antrag wurde die Umsatzbeteiligung als Anteil am vierteljährlichen Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) beschrieben. Die Rückzahlung war an einen Betrag von 2,95 Millionen US-Dollar gekoppelt. Praktisch hätte Cardano zunächst die Produktentwicklung finanziert und seine Investition anschließend über die vereinbarte Umsatzbeteiligung zurückerhalten. Zugleich wäre die Beteiligung an späteren Einnahmen bestehen geblieben.
Die DReps entschieden sich letztlich dagegen, die Treasury den Risiken eines kommerziellen Projekts auszusetzen, dessen Umsätze und Nutzerakzeptanz noch nicht belegt waren. Damit verzichteten sie zugleich auf die im Antrag beschriebene mögliche Beteiligung am Aufwärtspotenzial. Da für Poguns künftige Umsätze, Nutzung und Verteilung über verschiedene Netzwerke bislang keine überprüfbare Datenhistorie vorliegt, lässt sich die potenzielle Einnahme, auf die Cardano durch die Ablehnung verzichten könnte, nicht präzise berechnen.
Hoskinson will Netzwerke nach Bedingungen auswählen
Input-Output-Mitgründer Charles Hoskinson erklärte in einem Livestream am 18. September 2026, das Unternehmen werde für jedes Produkt das jeweils geeignetste Netzwerk auswählen. Eine Politik, Cardano grundsätzlich als ersten und dauerhaften Ausrollort zu verwenden, solle es demnach nicht mehr geben.
Hoskinson betrachtet Cardano weiterhin als eine technische Option für Bitcoin-DeFi-Anwendungen, die auf Systemen mit einer Bitcoin-ähnlichen Transaktionsausgangsstruktur aufbauen. Nach seinen Angaben sollte RealFi im Oktober 2026 auf Cardano starten. Pogun sollte innerhalb von 90 Tagen nach dem Livestream live gehen, was einem Zieltermin um Mitte Dezember 2026 entspricht. Bei diesen Angaben handelt es sich um geplante Zieltermine, nicht um bereits erfolgte Starts.
Nach Hoskinsons Darstellung könnte ein geplanter Start von Pogun auf Cardano Transaktionsgebühren, den Total Value Locked (TVL) und das Handelsvolumen des Netzwerks erhöhen. Nach der Ablehnung der Finanzierung würde sich die wirtschaftliche Beziehung zwischen Cardano und Pogun jedoch von der ursprünglichen Planung unterscheiden. Cardano könnte weiterhin von der Netzwerkaktivität profitieren, ohne die von der Abstimmung abgelehnte Umsatzbeteiligung zu erhalten.
Der Multi-Chain-Ansatz von Input Output begann zudem nicht erst mit dieser Abstimmung. Midnight City V2, eine mit dem Midnight-Ökosystem verbundene Anwendung auf Proxy-Basis, war bereits im Juli 2026 als auf dem Midnight-Netzwerk deployed verzeichnet. Die stärkere Bewertung von Netzwerken je nach Produkt lässt sich daher nicht allein auf den gescheiterten Finanzierungsantrag für Pogun zurückführen.
Exklusiver Start bleibt offen
Hoskinson erklärte außerdem, dass Pogun ohne Treasury-Finanzierung nicht exklusiv auf Cardano betrieben werden solle. Der Projektverkehr könnte auf andere Netzwerke gelenkt werden. Ökosysteme, die Finanzierung oder Unterstützung bei der Nutzergewinnung bereitstellen, könnten möglicherweise eine exklusive Bereitstellung aushandeln.
Der für die Cardano-Governance-Abstimmung eingereichte On-Chain-Antrag dokumentierte die beantragte Finanzierung, die Rückzahlungsstruktur, die dauerhafte Rendite und den geplanten Start auf Cardano eindeutig. Eine ausdrückliche Exklusivitätsklausel enthielt er jedoch nicht. Aus den schriftlichen Unterlagen geht hervor, dass Cardano die vorgeschlagene Umsatzbeteiligung nicht erhalten wird. Ob ein Netzwerk später zur exklusiven Plattform von Pogun wird, ergibt sich aus Hoskinsons Beschreibung künftiger kommerzieller Vereinbarungen und war kein Bestandteil des ursprünglichen Antrags.
Treasury-Disziplin trifft auf Wettbewerb um Produkte
Die Abstimmung begrenzte den Einfluss eines einzelnen Entwicklers auf die Community-Mittel. Zugleich muss Cardano bei künftigen Bereitstellungen von Input Output über technische Leistungsfähigkeit, Nutzeraktivität oder andere kommerzielle Bedingungen konkurrieren. Input Output steht es weiterhin frei, auf anderen Netzwerken Finanzierung zu suchen, mit konkurrierenden Ökosystemen zu verhandeln und Partnern mit Kapital oder Vertriebskanälen Anreize zu bieten.
Der spätere Start von Pogun wird zeigen, wie diese beiden Formen der Unabhängigkeit zusammenwirken. Sollte Cardano zum wichtigsten Bereitstellungsort des Projekts werden, wäre die abgelehnte Umsatzbeteiligung für die Treasury-Entscheidung mit entgangenen Einnahmen verbunden. Verlagerte sich die Aktivität dagegen auf andere Netzwerke, könnte Cardano entsprechende Gebühren, Liquidität und Transaktionsvolumen verlieren. Fest steht derzeit, dass die Auszahlung von 12,29 Millionen ADA nicht erfolgt ist, Input Output die Kontrolle über die Produktbereitstellung behält und Cardanos Governance-Gremien unabhängig über die Treasury-Ausgabe abgestimmt haben.
Beim jüngsten Datenupdate notierte ADA bei 0,23 US-Dollar. Der Kurs lag damit 0,68 % unter dem Stand von 24 Stunden zuvor, zugleich aber 8,03 % über dem Niveau vor sieben Tagen, 1,71 % über dem 30-Tage-Wert, 29,33 % über dem 60-Tage-Wert und 42,09 % über dem 90-Tage-Wert. Cardanos Marktkapitalisierung belief sich auf rund 8,28 Milliarden US-Dollar. Das Handelsvolumen innerhalb von 24 Stunden lag bei etwa 485,72 Millionen US-Dollar und damit 23,29 % niedriger. Die umlaufende Menge betrug rund 36,75 Milliarden ADA, die vollständig verwässerte Bewertung lag bei etwa 10,14 Milliarden US-Dollar. Nach Marktkapitalisierung belegte Cardano damit Rang 14.