Das britische Pfund fiel am Donnerstag den dritten Tag in Folge gegenüber dem US-Dollar, da sich die Lage im Nahen Osten verschärfte und die Energiepreise in die Höhe schnellen, was zu einer Kapitalflucht in den Dollar als sicheren Hafen führte. Gleichzeitig bewertete der Markt den Inflations- und Zinsweg Großbritanniens neu. Das Pfund notierte zuletzt bei 1,3386 Dollar und fiel im Tagesverlauf um etwa 0,2 %.
Der Hauptfaktor, der das Pfund unter Druck setzt, sind nach wie vor die steigenden Öl- und Gaspreise. Laut Reuters erreichte der Brent-Ölpreis am Donnerstag vorübergehend die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel, bevor er auf rund 98,45 US-Dollar zurückfiel; der WTI notierte bei 93,23 US-Dollar. Für eine energieimportierende Volkswirtschaft wie Großbritannien schüren solche Entwicklungen erneut die Sorge vor importierter Inflation.
Im Vergleich zu anderen Importwährungen schneidet das Pfund jedoch relativ besser ab. Seit der Eskalation des Konflikts am 28. Februar ist das Pfund nur etwa 0,7 % gefallen, während Euro und südkoreanischer Won um 2 % bis 3 % und der indische Rupie und der japanische Yen jeweils um über 1,5 % gesunken sind. Der Euro fiel im selben Zeitraum um insgesamt 1,3 % gegenüber dem Pfund, was zeigt, dass der Euro stärker unter dem Energieschock leidet.
Auch die Neubewertung der Zinsmärkte beschleunigt sich. Laut Reuters halten Händler die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die Bank of England bis Dezember für fast 50 %, während zuvor eine Zinssenkung erwartet wurde. Die Rendite zweijähriger britischer Staatsanleihen ist seit dem Ausbruch des Konflikts um etwa 50 Basispunkte gestiegen, mehr als in anderen großen Anleihemärkten. Der Gouverneur der Bank of England, Bailey, wird vor dem Treffen zur Zinsentscheidung in der kommenden Woche eine Rede halten.