- Die geopolitische Lage zwischen den USA und Europa ist erneut angespannt. Die Erwartungen an ein Friedensabkommen zwischen den USA und Iran haben sich abgekühlt, was das Risiko einer Blockade der Straße von Hormus verlängert. Der Preis für Brent-Rohöl-Futures stieg auf 106,44 US-Dollar pro Barrel.
- Der europäische Staatsanleihenmarkt erlebte einen signifikanten Ausverkauf. Die Rendite zweijähriger deutscher Staatsanleihen stieg um 6,3 Basispunkte auf 2,7085 %, während die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen auf 3,8684 % anstieg.
- Der Geldmarkt hat die Zinserhöhungspreise der Europäischen Zentralbank nach oben korrigiert. Derzeit sind drei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte im laufenden Jahr vollständig eingepreist, wobei die Wahrscheinlichkeit restriktiver Maßnahmen bei der Juni-Sitzung bei fast 90 % liegt.
Geopolitische Spannungen erhöhen das Energierisiko
Die Konfliktvariablen im Nahen Osten dominieren erneut das Risikomodell des europäischen Marktes. Die Ablehnung des Friedensvorschlags aus Teheran durch die USA erhöht die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Verzögerung der seit zehn Wochen andauernden geopolitischen Spannungen. Da der Zugang zur Straße von Hormus, einem globalen Engpass für den Energietransport, behindert ist, wird die Anfälligkeit des Ölmarktes auf der Angebotsseite verstärkt. Brent-Rohöl bleibt nach dem Überschreiten der 100-Dollar-Marke in einem hohen Bereich von 106,44 Dollar. Der Leiter der Zins- und Kreditforschung der Commerzbank weist darauf hin, dass die gedämpfte makroökonomische Stimmung direkt aus dieser geopolitischen Pattsituation ohne wesentliche Fortschritte resultiert. Sollte die Unterbrechung der Ölversorgung länger als erwartet andauern, könnte sich die Risikoprämie auf dem Energiemarkt auf langfristige Verträge ausweiten.
Neubewertung der EZB-Zinspolitik
Die festen Energiepreise haben die Markterwartungen für den Inflationspfad im Euroraum direkt verändert. Das Statistische Bundesamt bestätigte, dass die endgültige Inflationsrate im April leicht auf 2,9 % gestiegen ist, was die Marktängste über eine hartnäckige Inflation bestätigt. Vor diesem Hintergrund hat sich die Handelslogik des Rentenmarktes schnell an die restriktiveren geldpolitischen Erwartungen angepasst. Händler haben ihre vorherigen Zinssenkungswetten stark reduziert und die dreimalige Zinserhöhung um 25 Basispunkte im laufenden Jahr vollständig in die aktuelle Swap-Kurve eingepreist. Sollte die Kerninflationsrate in den kommenden Monaten keine klaren Rückgangssignale liefern, wird die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB im Juni Maßnahmen zur Straffung ergreift, um die Inflationserwartungen zu verankern, weiter zementiert.
Ausweitung der Spreads zwischen Kern- und Randanleihen
Die Neubewertung der Zinserwartungen hat zu einer differenzierten Anpassung der Renditen auf dem Markt für Staatsanleihen im Euroraum geführt. Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen, die als risikoloser Referenzzins in der Region gilt, stieg um 4,3 Basispunkte auf 3,0875 %. Gleichzeitig stieg die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen, die empfindlicher auf Finanzierungskosten reagiert, um 8,7 Basispunkte. Diese Ausweitung der Spreads zwischen den Staatsanleihen der Kern- und Randländer spiegelt wider, dass der Markt bei der Neubewertung des Zinsrisikos auch das Kreditrisiko der Staaten neu bewertet. Sollte die EZB gezwungen sein, in einem Umfeld mit schwacher Wirtschaftsdynamik die Straffung zu beschleunigen, wird der finanzielle Spielraum hochverschuldeter Mitgliedstaaten einer strengeren Marktprüfung unterzogen.