Cat Wu, Produktverantwortliche für Claude Code bei Anthropic, hat das Unternehmen verlassen. Der Schritt erfolgt, während Anthropic einen möglichen Börsengang noch in diesem Monat vorbereitet. Wu gab ihren Abschied am Dienstag auf X bekannt und bedankte sich beim Claude-Code-Team und bei den Nutzern. Anthropic bestätigte ihren Weggang; einen Grund nannte Wu nicht.
Claude Code zählt inzwischen zu den wichtigen Produkten des KI-Unternehmens. Wu entwickelte das Tool gemeinsam mit Boris Cherny, der es ursprünglich geschaffen hatte. Das starke Wachstum hat Anthropics Reichweite vergrößert und den Einsatz der KI-Modelle durch Entwickler gesteigert. Die damit verbundenen Nutzungsgebühren tragen zum Umsatz bei; zugleich wächst der Bedarf an Rechenkapazität. Wus Abschied fällt damit in eine wichtige Phase vor dem möglichen Börsengang.
Wu stieg in der Prototypenphase ein
Wu kam im Sommer 2024 zu Anthropic und arbeitete an frühen Claude-Code-Prototypen. In ihrem Abschiedspost erinnerte sie sich daran, dass das Produkt bereits funktionierte, als sie es erstmals sah. Sie habe sich schnell in das Projekt vertieft und sei dem Team beigetreten.
Anthropic stellte Claude Code im Februar 2025 als Research Preview vor. Wu und Cherny waren gemeinsam im ersten Demonstrationsvideo zu sehen. Im darauffolgenden Sommer wechselten beide kurzzeitig zum KI-Coding-Startup Cursor, kehrten jedoch wenige Wochen später zu Anthropic zurück.
Ab Ende 2025 gewann Claude Code rasch an Bedeutung. Das zunächst vor allem bei Softwareentwicklern beliebte Tool kann umfangreiche Programmieraufgaben automatisiert bearbeiten. Mit der Verbreitung stieg auch die Nutzung von Anthropics Modellen durch Entwickler. Gebühren für diese Nutzung sind eine Einnahmequelle des Unternehmens.
Cowork soll weitere Büroaufgaben abdecken
Wu leitete außerdem Cowork, Anthropics Produkt für Aufgaben außerhalb der Programmierung. Es basiert auf derselben Modellfamilie wie Claude Code und richtet sich an Wissensarbeiter, die nicht in der Softwareentwicklung tätig sind. Anthropic will seine Modelle damit für ein breiteres Spektrum beruflicher Anwendungen erschließen.
In einem Interview im April im Podcast „Lenny’s Podcast“ sagte Wu, zu ihren Aufgaben habe gehört, Cheryns Vorstellungen zur Weiterentwicklung von Claude Code in eine Produkt-Roadmap zu übersetzen. Außerdem arbeitete sie mit den Teams für Marketing, Vertrieb und Finanzen zusammen, half bei der Einstellung von Produktmanagern und reagierte regelmäßig in sozialen Medien auf Rückmeldungen und Wünsche von Claude-Code-Nutzern.
Weitere Personaländerungen vor dem möglichen Börsengang
Wu hat ihre Entscheidung öffentlich nicht begründet und zunächst auch nicht auf eine Anfrage um Stellungnahme reagiert. In ihrem Beitrag auf X dankte sie Kollegen und Nutzern und blickte auf die Entwicklung des Produkts zurück. Auf die Frage eines Nutzers, ob sie sich sechs Monate Auszeit nehmen werde, antwortete sie: „After AGI“ – eine Anspielung auf künstliche allgemeine Intelligenz, einen in der KI-Branche gebräuchlichen Begriff.
Bei Claude Code gab es in den vergangenen Monaten weitere personelle Veränderungen. Thariq Shihipar, der ebenfalls an dem Produkt gearbeitet hatte, kündigte im vergangenen Monat seinen Abschied an. Anthropic bereitet einen Börsengang noch in diesem Monat vor. Zu Wus Nachfolge oder möglichen Auswirkungen auf das Produktmanagement von Claude Code hat das Unternehmen bislang keine weiteren Angaben gemacht.