Novo Nordisk hat mit Wegovy und Ozempic eine Nachfrage geschaffen, die zu einem wichtigen Wachstumstreiber der dänischen Wirtschaft geworden ist. Im Markt für GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion verschärft sich der Wettbewerb jedoch. Eli Lilly liegt bei einigen zentralen Produkten bereits vorn, während die Marktbewertung von Novo Nordisk unter Druck geraten ist. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob der Konzern seine Führungsposition durch die Weiterentwicklung bestehender Präparate und die erfolgreiche Vermarktung neuer Wirkstoffe behaupten kann.
Orales Wegovy erweitert das Portfolio
Zum GLP-1-Portfolio von Novo Nordisk gehört inzwischen auch eine orale Version von Wegovy, die im Januar 2026 auf den Markt kam. Zudem wartet der Konzern auf die Zulassung von CagriSema, einer Kombinationstherapie der nächsten Generation zur Gewichtsreduktion. In klinischen Studien führte CagriSema zu einem stärkeren Gewichtsverlust als Wegovy, dessen Wirkstoff Semaglutid ist. In einer direkten Vergleichsstudie blieb das Präparat jedoch hinter Eli Lillys Zepbound zurück.
Dennoch könnte CagriSema zu einer wichtigen Ergänzung des zugelassenen Produktportfolios werden. Darüber hinaus verfügt Novo Nordisk über mehrere Wirkstoffkandidaten in der mittleren und späten Entwicklungsphase. Amycretin wird in Phase-III-Studien zur langfristigen Gewichtskontrolle geprüft; dabei werden sowohl injizierbare als auch orale Darreichungsformen untersucht.
Amycretin und UBT251 in der klinischen Entwicklung
Amycretin erzielte in einer frühen, 36 Wochen dauernden Studie einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von bis zu 24,3 Prozent. Sollte sich dieses Ergebnis in größeren Studien mit längerer Nachbeobachtung bestätigen, könnte der Wirkstoff zu einem bedeutenden Wettbewerber im Abnehm-Markt werden. Frühphasendaten erlauben jedoch noch keine belastbare Aussage über eine spätere Zulassung oder den kommerziellen Erfolg. Den Folgestudien kommt daher eine zentrale Bedeutung zu.
Novo Nordisk hat außerdem UBT251 von einem chinesischen Unternehmen einlizenziert. In einer in China durchgeführten Phase-II-Studie erreichte UBT251 über 24 Wochen einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von bis zu 19,7 Prozent. Amycretin und UBT251 sind nur zwei Bestandteile der Entwicklungspipeline. Sollten beide Wirkstoffe erfolgreiche Phase-III-Studien durchlaufen und zugelassen werden, würde sich die Produktabdeckung des Konzerns deutlich verbreitern.
Eli Lilly, AbbVie und Amgen bauen Pipelines aus
Nicht nur die Pipeline von Novo Nordisk steht im Fokus. Eli Lilly hat starke Phase-III-Ergebnisse für den Adipositas-Wirkstoff der nächsten Generation Retatrutid vorgelegt. Der Kandidat gilt als näher an einem Zulassungsantrag oder einer Zulassung. Auch andere große Pharmakonzerne versuchen, sich über unterschiedliche Dosierungsintervalle und Verträglichkeitsprofile Vorteile zu verschaffen.
AbbVie und Amgen entwickeln langwirksame Medikamente, die eine einmal monatliche Anwendung ermöglichen sollen. Zepbound und Wegovy werden dagegen in der Regel wöchentlich verabreicht. Pfizer arbeitet an seinem führenden Kandidaten PF-3944 und prüft dabei unter anderem eine weniger häufige Dosierung sowie eine konkurrenzfähige Verträglichkeit.
Inzwischen befinden sich Dutzende GLP-1-Kandidaten in verschiedenen Phasen der klinischen Entwicklung. Mit dem Fortschritt weiterer Programme könnte sich der Markt von einer Dominanz weniger Produkte zu einem stärker segmentierten Wettbewerb entwickeln. Entscheidend wären dann unter anderem Wirksamkeit, Dosierungsintervalle, Verträglichkeit und die zugelassenen Anwendungsgebiete.
Weitere Anwendungsgebiete können den Markt vergrößern
Mehr Wettbewerb bedeutet nicht zwangsläufig, dass Novo Nordisk seine langfristige Position verliert. Auch in stark umkämpften Arzneimittelkategorien wie Onkologie und Immunologie erzielen mehrere Medikamente jährliche Umsätze von mehreren Milliarden Dollar. GLP-1-Therapien werden zudem über Diabetes und Adipositas hinaus für weitere Erkrankungen untersucht, sodass grundsätzlich Platz für mehrere Anbieter bestehen kann.
Wegovy hat bereits eine Zulassung für die metabolisch dysfunktionsassoziierte Steatohepatitis erhalten. Eli Lillys Zepbound ist inzwischen auch für obstruktive Schlafapnoe zugelassen. Neuere klinische Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass Zepbound künftig möglicherweise in Kombinationstherapien für Menschen mit Adipositas und immunvermittelten Erkrankungen wie Plaque-Psoriasis eingesetzt werden könnte.
Gleichzeitig erreicht nur ein begrenzter Anteil klinischer Programme letztlich den Markt. Sowohl Novo Nordisk als auch andere Pharmaunternehmen mussten bei der Wirkstoffentwicklung Rückschläge hinnehmen. Die Zahl der derzeitigen Kandidaten lässt sich deshalb nicht direkt als Maß für das künftige Angebot interpretieren. Die langjährige Erfahrung von Novo Nordisk in der Diabetesversorgung bleibt ein zentraler Vorteil. Eli Lilly ist in diesem Markt allerdings ebenfalls seit Langem ein Wettbewerber und verfügt daher über etablierte Entwicklungs- und Vermarktungskompetenz.
Die entscheidenden Prüfungen der nächsten fünf Jahre
In den kommenden fünf Jahren wird die Stellung von Novo Nordisk im Sektor wesentlich davon abhängen, ob der Konzern mehrere neue GLP-1-Therapien auf den Markt bringen kann. Sollten Amycretin, UBT251 und CagriSema wie geplant vorankommen, könnte Novo Nordisk ein wichtiger Marktteilnehmer bleiben und die zuletzt unter Druck geratene finanzielle Entwicklung verbessern.
Zum im Artikel genannten Kurs notierten die Novo-Nordisk-Aktien bei 41,71 US-Dollar, 1,93 Prozent niedriger als am Vortag. In den vergangenen zwei Jahren war die Aktie erheblich unter Druck geraten. Für Anleger und den Markt geht es daher um mehr als frühe Ergebnisse zum Gewichtsverlust. Im Mittelpunkt stehen die Frage, ob Phase-III-Studien die bisherigen Resultate bestätigen, der Zeitplan der Zulassungsverfahren, die Preisgestaltung sowie der Markteinführungszeitplan von Eli Lilly und weiteren Wettbewerbern.