
Kernschlussfolgerung: Kursziel bleibt bei 1,23, aber kurzfristige Schwankungen könnten zurückkehren
Morgan Stanley hält in seinem neuesten Strategiebericht an der Einschätzung fest, dass der Euro/US-Dollar-Kurs steigen wird, und erwartet, dass der Wechselkurs im zweiten Quartal 2026 auf etwa 1,23 steigen könnte. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass kurzfristige Schwankungen zunehmen könnten, falls makroökonomische Daten wieder im Mittelpunkt des Marktes stehen. Das mittelfristige Risiko des US-Dollars bleibt jedoch hoch, weshalb das Szenario noch nicht auf eine "optimistischere" extrem bullische Version umgestellt wurde.
Warum der US-Dollar schwächelt: Zinsunterschiede erklären es diesmal nicht ausreichend
Der Bericht meint, dass die jüngste Schwäche des US-Dollars nicht typisch ist: Traditionelle Treiber für G10-Wechselkurse, wie der Zinsunterschied, geben kein entsprechendes Signal. Morgan Stanley konzentriert sich auf "unkonventionelle Katalysatoren" — Faktoren, die die Risikoprämie des US-Dollars erhöht haben und ihn auf ein relativ hohes Niveau seit dem zweiten Quartal 2025 gebracht haben. Das Problem ist, dass solche Katalysatoren oft schwer zu quantifizieren und vorherzusagen sind, aber weiterhin das Handelsgeschehen dominieren, was die zeitweise Stärke des Euro begünstigt.
Der "Preis" der Euro-Stärke: Doppelte Belastung für europäische Vermögenswerte und Makroökonomie
Morgan Stanley weist darauf hin, dass eine Aufwertung des Euro nicht nur ein "schönes Kontoguthaben" bedeutet. Für die in Landeswährung bewerteten europäischen Märkte könnte ein starker Euro durch Umrechnungseffekte die Unternehmensgewinne schmälern: Das Institut schätzt, dass jeder 5% Anstieg des Euro/US-Dollar-Kurses die jährliche Gewinnwachstumsrate des MSCI Europa Index um etwa 1,5-2 Prozentpunkte reduzieren könnte.
Auf makroökonomischer Ebene könnte eine handelsgewichtete Aufwertung des Euro um 5% die Exporte der Eurozone um etwa 1,5% verringern und das Wirtschaftswachstum um etwa 0,3 Prozentpunkte senken.
Schnellere Auswirkungen auf die Inflation: "Abkühlungseffekt" durch Energieübertragung
Im Hinblick auf die Inflation könnte die Wirkung einer Euro-Aufwertung laut dem Bericht schneller sichtbar werden, insbesondere durch über den Kanal der Energieimportpreise. Der Bericht bietet ein Referenzschema: Sollte der Euro/US-Dollar-Kurs um insgesamt 10% steigen, könnte die Inflation in der Eurozone in den nächsten zwei Jahren um etwa 30 Basispunkte sinken. Für den Markt bedeutet dies, dass Wechselkurse nicht nur die Vermögenserträge beeinflussen, sondern möglicherweise auch den Inflationspfad und die Marginalneigung der politischen Erwartungen verändern.
