Chinas erster für den Kinostart zugelassener Spielfilm, der überwiegend mit KI erstellt wurde, hat bislang nur verhaltene Einnahmen erzielt: Bis Montag, den 26. Oktober, kamen schätzungsweise 180.000 US-Dollar zusammen. Das Produktionsbudget lag bei rund 1,5 Millionen US-Dollar. Für Bona Film Group ist der Film damit ein früher Markttest – und ein Hinweis darauf, dass der Erfolg KI-generierter Kurzvideos nicht automatisch auf abendfüllende Kinofilme übertragbar ist.
Rund 180.000 US-Dollar für „Sanxingdui: Future Past“
Der Science-Fiction-Thriller von Bona Film Group erzählt von einer Archäologin, die eine Zukunftswelt retten will, in der Menschen von künstlicher Intelligenz unterjocht werden. Der Film lief unter anderem in Shanghai. Er gilt als Chinas erster Kinofilm, bei dem KI-Generierung die zentrale Produktionsmethode war.
Den geschätzten Einnahmen von rund 180.000 US-Dollar stehen Produktionskosten von etwa 1,5 Millionen US-Dollar gegenüber. Die Brutto-Kinokasse entspricht damit ungefähr einem Achtel des Budgets. Allerdings ist der Ticketumsatz nicht mit dem Betrag gleichzusetzen, der letztlich beim Produzenten ankommt: Einnahmen werden mit den Kinos geteilt, zudem fallen weitere Vertriebskosten an. Die verfügbaren Zahlen zeigen dennoch eine deutliche Lücke zwischen Einspielergebnis und Produktionsaufwand.
Bona-Film-Group-COO Jiang Defu räumte die verhaltene Resonanz ein, bezeichnete den Kinostart aber als wichtiges Experiment. Sein Team habe zu den ersten gehört, die diesen Produktionsansatz ausprobierten und eine Zulassung für den Kinostart erhielten. Schon den Film vor ein Publikum zu bringen, sei ein schwieriger Schritt gewesen. Das Ergebnis liefert auch anderen Unternehmen, die KI-Spielfilme erwägen, einen ersten Markteindruck.
KI-Mikrodramen erreichen kein automatisches Kinopublikum
In Chinas Mikrodrama-Branche hat sich KI-Produktion rasch verbreitet. Die kurzen Episoden sind meist für Videoplattformen bestimmt. Branchenzahlen zufolge waren im ersten Quartal 2026 mehr als 95 Prozent der über 120.000 in China veröffentlichten Mikrodramen KI-generiert. Ein Jahr zuvor lag der Anteil nahe null. Die Produktionskosten mancher Mikrodramen sind auf rund 3.000 US-Dollar gesunken.
Kurzformate unterscheiden sich jedoch sowohl in ihrer Kostenstruktur als auch im Nutzungsverhalten von Kinofilmen. „Sanxingdui: Future Past“ zeigt, dass niedrigere Produktionshürden nicht automatisch dazu führen, dass Zuschauer Kinokarten kaufen. Stanley Rosen, Professor an der University of Southern California und Experte für chinesisches Kino und Gesellschaft, hat darauf hingewiesen, dass die breite Akzeptanz kurzer Inhalte nicht zwingend bedeutet, dass das Publikum KI auch bei aufwendig produzierten Spielfilmen begrüßt.
Die Reaktionen in sozialen Medien fallen unterschiedlich aus. Ein Nutzer auf Xiaohongshu schrieb, der Film habe ihn „schockiert“. Ein anderer meinte, kostengünstige KI-Produktion könne Kreativen mehr Freiheit beim Erzählen geben. Ein klarer Konsens ist daraus nicht abzulesen; die Kinokasse liefert unterdessen einen direkteren kommerziellen Maßstab.
Auch Hollywood setzt KI ein – entscheidend bleibt der fertige Film
Über den Einsatz von KI wird auch in der US-Unterhaltungsbranche gestritten. 2023 streikten Drehbuchautoren und Schauspieler; zu ihren Forderungen gehörten Schutzregeln für den Einsatz künstlicher Intelligenz. Zugleich kamen Modelle von Unternehmen wie ByteDance und Higgsfield AI bereits bei Hollywood-Produktionen zum Einsatz.
Auch der am 9. Oktober gestartete Netflix-Krimi „Animals“ nutzte KI. Regisseur Ben Affleck sagte bei einer Veranstaltung von Bloomberg, er habe KI „an vielen Stellen“ im Film eingesetzt, nannte jedoch keine konkreten Szenen. Der Film solle realistisch wirken; deshalb habe er Vorbehalte, öffentlich genau zu benennen, welche Teile mit KI entstanden seien.
Rosen bezweifelt, dass Zuschauer für KI-Kinofilme zahlen werden, solange diese nicht die Qualität von Produktionen wie „Avatar“ oder „Ne Zha 2“ erreichen. KI-Spielfilme könnten seiner Einschätzung nach eher zu Streamingdiensten wie Netflix und Amazon Prime Video passen. „Sanxingdui: Future Past“ hat bislang rund 180.000 US-Dollar bei einem Produktionsbudget von 1,5 Millionen US-Dollar eingespielt – ein erster konkreter Anhaltspunkt für die Nachfrage nach KI-Filmen im Kino.