
Der EZB-Politiker Martin Koch äußerte sich in Wien gegenüber den Medien und betonte, dass die aktuell wahrgenommene "Stärke des Euro" eher ein relatives Konzept sei: Anstatt einer signifikanten Stärkung der Fundamentaldaten des Euro sei es vielmehr die temporäre Schwäche des US-Dollars, die diesen Effekt bewirkt.
Kochs Ansicht: Der Euro wird nicht durch Wachstum „gestützt“
Koch erklärte deutlich, dass das gegenwärtige Wirtschaftswachstum in Europa schwach sei und die Stärke des Euro gegenüber dem US-Dollar nicht aus den Fundamentaldaten heraus zu erklären sei; er tendiere dazu, diese Wechselkursentwicklung der Schwäche des Dollar zuzuschreiben.
„Politische Faktoren“ angesprochen: Dollar-Schwäche möglicherweise kein reines Marktergebnis
Bei der Erklärung der Dollarschwäche wies Koch weiter darauf hin, dass aus der Perspektive Washingtons der schwache Dollar möglicherweise „teilweise toleriert oder sogar erwartet“ werde, was politische Überlegungen als Hintergrund vermuten lasse – eine Aussage, die auch eine erneute Diskussion über die Interaktion zwischen Wechselkursen und politischen Zielen ausgelöst hat.
Änderung der sicheren Häfen: Europa als sicherer Hafen angesehen
Koch fügte hinzu, dass Europa heute im Vergleich zu ein bis zwei Jahren eher als „sicherer Hafen“ für einige Kapitalanlagen angesehen werde. Diese Veränderung in der Risikoeinstellung könne ebenfalls den Kapitalfluss und die Wechselkursbewertung beeinflussen.
Marktimplikation: Wechselkurserzählung kehrt zu „relativer Politik und relativem Risiko“ zurück
Für Händler ist Kochs zentrale Botschaft: Die treibenden Faktoren für den Euro/Dollar-Kurs müssen nicht unbedingt aus dem Euroraum selbst stammen, sondern könnten eher von den politischen Erwartungen an den US-Dollar und der globalen Risikostimmung abhängen. Sobald die Volatilität des Dollars zunimmt, könnte auch die „passive Stärkung“ des Euro jederzeit neu geschrieben werden.
