- Der chinesische Roboterhersteller Unitree plant einen Börsengang in Shanghai und strebt eine hohe Bewertung von etwa 62 Milliarden US-Dollar an. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 74, was deutlich höher ist als bei den derzeit verlustbringenden Konkurrenten Ubtech und Shenzhen Yuejiang.
- Obwohl Unitree im ersten Quartal einen Umsatzanstieg von 68 % verzeichnete, sank der bereinigte Nettogewinn aufgrund gestiegener F&E-Kosten und eines intensiven Preiskampfes um 53 % auf 40 Millionen RMB.
- Die Roboterbranche steht vor Herausforderungen durch begrenzte Kerntechnologien und eingeschränkte kommerzielle Anwendungen. Allein in Hongkong bereiten sich mindestens 46 Roboterfirmen auf einen Börsengang vor, was das Risiko von Überangebot und Preiskämpfen erhöht und die Gewinnspannen der Unternehmen belastet.
Struktureller Widerspruch zwischen hoher Bewertung und Rentabilität
Laut einem Bericht von International Financing Review strebt Unitree bei seinem Börsengang in Shanghai eine Bewertung von 62 Milliarden US-Dollar an. Finanzdaten zeigen, dass das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 einen den Aktionären zurechenbaren Nettogewinn von bis zu 283 Millionen RMB, etwa 42 Millionen US-Dollar, erwartet. Umgerechnet auf das Jahr ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 74. Im Vergleich dazu sind die bereits in Hongkong gelisteten Konkurrenten Ubtech (9880:HK) und das kleinere Shenzhen Yuejiang (2432:HK) derzeit verlustbringend. Die hohe Bewertung von Unitree basiert hauptsächlich auf seiner Position als größter Hersteller humanoider Roboter weltweit. Allerdings steht die hohe Bewertung im starken Kontrast zu dem deutlichen Rückgang des Nettogewinns im ersten Quartal, was den Kapitalmarkt dazu veranlasst, die kurzfristigen Gewinnpfade der Branche zu hinterfragen. Sollte das zukünftige Gewinnwachstum nicht mit der aktuellen Bewertung Schritt halten, könnte die Marktpreisgestaltung einer Neubewertung unterzogen werden.
Einschränkungen der Kerntechnologie verzögern die Kommerzialisierung
Obwohl der Markt optimistisch über die Perspektiven von Robotern als Ersatz für menschliche Arbeitskräfte ist, prognostizieren Analysten von Morgan Stanley, dass bis 2050 etwa 300 Millionen humanoide Roboter in China im Einsatz sein werden. Doch die aktuellen physischen Technologiebarrieren bleiben eine Herausforderung. Unitree gibt im Prospekt zu, dass selbst fortschrittliche Modelle außerhalb kontrollierter Umgebungen bei grundlegenden Aufgaben wie dem Einschenken von Wasser oder dem Einstecken von Kabeln an Geschicklichkeit und Intelligenz mangeln. Derzeit sind die kommerziellen Anwendungsszenarien für ihre vierbeinigen und humanoiden Roboter noch sehr begrenzt, und die Umsätze stützen sich hauptsächlich auf Forschung und Bildung. Dies bedeutet, dass es von der Laborphase bis zur großflächigen industriellen oder häuslichen Anwendung noch eines langen technologischen Iterationsprozesses bedarf. Sollte es nicht gelingen, entscheidende technologische Durchbrüche zu erzielen, könnte die Kapazitätserweiterung der Hersteller auf der Nachfrageseite unter Druck geraten.
Hohe F&E-Kosten und Preiskämpfe drücken die Gewinne
Die finanzielle Leistung von Unitree im ersten Quartal spiegelt den Kosten- und Wettbewerbsdruck wider, dem die gesamte Branche ausgesetzt ist. Obwohl das Unternehmen in diesem Zeitraum einen stabilen Umsatzanstieg von 68 % verzeichnete, sank der bereinigte Nettogewinn um 53 % auf 40 Millionen RMB. Der Hauptgrund für den Gewinnrückgang liegt in den stark gestiegenen F&E-Ausgaben, die mittlerweile etwa ein Zehntel des Umsatzes ausmachen. Gleichzeitig sah sich das Unternehmen gezwungen, Preissenkungen vorzunehmen, um Marktanteile zu halten, da neue Wettbewerber in den Markt drängen. Dieses Phänomen des Umsatzwachstums ohne Gewinnsteigerung zeigt, dass die hohen F&E-Investitionen nicht in einen absoluten technologischen Schutzwall umgewandelt wurden, sondern durch den homogenen Wettbewerb in der Branche untergraben werden.
Angebotsüberschuss verschärft den homogenen Wettbewerb in der Branche
Die Wettbewerbssituation in der chinesischen Roboterbranche verschlechtert sich rapide. Laut Pengbu-Daten bereiten sich allein an der Hongkonger Börse mindestens 46 Roboterfirmen auf einen Börsengang vor, und es wird erwartet, dass weitere Unternehmen folgen werden. Offizielle Daten zeigen, dass die Gesamtzahl der im letzten Jahr in China registrierten Unternehmen im Robotikbereich bereits über 450.000 liegt. Diese Kapitalflut und das explosionsartige Wachstum der Unternehmensregistrierungen wiederholen das Überkapazitätsmuster, das zuvor in technologiegetriebenen Branchen wie Elektrofahrzeugen und künstlicher Intelligenz zu beobachten war. Der intensive Wettbewerb auf der Angebotsseite treibt die Branche an den Rand eines Preiskriegs, und ohne eine Konsolidierung der Branche oder das Ausscheiden von Randunternehmen könnten die Gesamtbruttomargen und Bewertungsniveaus der Branche weiterhin unter Druck stehen.