Anthropic verfügte zum 30. Juni über 131,7 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln und kurzfristigen Anlagen. Zugleich nennt der Börsenprospekt Miet- und Ausgabeverpflichtungen von rund 587 Milliarden Dollar. Für Anleger ist damit neben der hohen Finanzreserve vor allem entscheidend, wann die langfristigen Verpflichtungen tatsächlich zu Ausgaben werden und wie Anthropic den Ausbau seiner Rechenkapazität finanzieren will.
Börsenprospekt weist 131,7 Milliarden Dollar aus
Anthropic reichte am Montag bei der US-Börsenaufsicht SEC seinen S-1-Registrierungsprospekt ein und bereitet damit einen Börsengang vor. Das Unternehmen beziffert seine Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente auf 112,4 Milliarden Dollar. Hinzu kommen kurzfristige Anlagen von 19,3 Milliarden Dollar.
Unter den börsennotierten US-Unternehmen außerhalb des Bankensektors verfügen laut Prospekt und zugehörigen Unternehmensdaten nur Berkshire Hathaway und Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, über mehr liquide Mittel. Die hohe Reserve gibt Aufschluss über Anthropics Spielraum für Expansion und Infrastrukturinvestitionen. Sie zeigt jedoch nicht, welcher Anteil tatsächlich für frei verfügbare Ausgaben vorgesehen ist.
Verpflichtungen summieren sich auf rund 587 Milliarden Dollar
Der Prospekt führt noch nicht begonnene Mietverpflichtungen von 321,4 Milliarden Dollar auf, berechnet ohne Abzinsung. Hinzu kommen feste oder garantierte Mindestausgaben von 265,6 Milliarden Dollar. Zusammen belaufen sich die Verpflichtungen auf rund 587 Milliarden Dollar. Die liquiden Mittel und kurzfristigen Anlagen decken damit rechnerisch etwa 22 Prozent dieser Summe ab.
Die Verpflichtungen erstrecken sich über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren. Die Gesamtsumme entspricht daher nicht einer kurzfristig fälligen Schuldenlast, die auf einmal zu begleichen wäre. Für die finanzielle Einordnung kommt es auch darauf an, wann die Ausgaben anfallen, wie schnell Anthropic seine Vorhaben umsetzt und welche Einnahmen das Unternehmen erzielt. Die Angaben beschreiben künftige Verpflichtungen, nicht einen aktuellen Liquiditätsengpass.
Rechenkapazität bindet Anthropic an mehrere Chipanbieter
Anthropic bestellt Rechenkapazität üblicherweise 12 bis 18 Monate vor der Lieferung. Der KI-Assistent Claude läuft auf Chips von Nvidia, Amazon, Google und AMD. Damit hängen Anthropics Infrastrukturpläne auch mit dem Geschäft dieser Anbieter zusammen. Für deren Aktionäre sind die laufenden Investitionen in Rechenkapazität ein indirekter Hinweis auf mögliche Nachfrage. Die im S-1 genannten Verpflichtungen sind jedoch nicht als Zahlungen an einen einzelnen Chiphersteller zu verstehen.
Der Prospekt stellt Anthropics hohe Bar- und Anlagenbestände den über mehrere Jahre verteilten Miet- und Ausgabeverpflichtungen gegenüber. Für die weitere Beurteilung zählen neben der Höhe der Rücklagen vor allem der Zeitpunkt der tatsächlichen Ausgaben und die Finanzierung des langfristigen Bedarfs an Rechenkapazität.