Der S&P 500 bewegte sich im Oktober nahe an seinem Rekordniveau. Bei mehreren Aktien mit Bezug zum Kryptomarkt blieb die Erholung jedoch aus: Coinbase, Circle und Robinhood notierten 40 bis 56 Prozent unter ihren jeweiligen Höchstständen. Die Marktrally erfasst also nicht den gesamten Aktienmarkt. Das Analysehaus Kobeissi Letter bezeichnete die Kluft zwischen Index und Einzelaktien als „schleichenden Bärenmarkt“.
Coinbase verliert 56 Prozent seit dem Hoch
Von den 20 Technologieaktien im Bärenmarkt, die Kobeissi aufführte, verzeichnete AppLovin mit einem Minus von 65 Prozent den stärksten Rückgang gegenüber dem Höchststand. Coinbase lag 56 Prozent im Minus und damit auf Rang drei der Liste. Bei Circle betrug der Rückgang 44 Prozent, bei Robinhood 40 Prozent. Die Angaben beziehen sich jeweils auf den Abstand zum eigenen Höchststand, nicht auf die Entwicklung gegenüber dem S&P 500 im selben Zeitraum.
Zudem konzentrierten sich die Kursgewinne des Index auf wenige Unternehmen. Seit dem 30. März entfielen 70 Prozent des Anstiegs im S&P 500 auf lediglich zehn Aktien. Nvidia allein steuerte rund 13 Prozent bei. Die Nähe des Index zu einem Rekord bedeutet daher nicht, dass die Mehrheit seiner Unternehmen ebenfalls zugelegt hat. Einige börsennotierte Firmen aus dem Kryptosektor verzeichnen weiterhin deutliche Kursverluste.
Wenige Aktien treiben den S&P 500
Auch einige der größten Beitragsleister zur Indexrally notieren noch unter ihren Höchstständen. Micron und Alphabet gehörten zu den stärksten Treibern des S&P 500, ihre Aktien lagen dennoch 24 beziehungsweise 28 Prozent unter den jeweiligen Spitzenwerten. Indexgewinne, starke Verluste einzelner Aktien und überproportionale Beiträge einiger großer Unternehmen können gleichzeitig auftreten.
Für Anleger kann eine solche Konzentration dazu führen, dass die Entwicklung des Gesamtindex erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Aktien verdeckt. Die Verluste bei Aktien mit Kryptobezug fielen in eine Phase, in der der S&P 500 nahe an Rekordständen notierte. Der Index allein bildet damit nicht ab, welche Buchverluste Anleger bei den betroffenen Unternehmen hinnehmen mussten.
Zinsausblick und Circles Einnahmen aus Reserven
Von Kobeissi Mitte Oktober veröffentlichte Daten zeigten, dass die Märkte damals bis Juni 2027 insgesamt drei Zinserhöhungen der US-Notenbank einpreisten. Anfang 2026 hatten die Erwartungen stattdessen auf insgesamt drei Zinssenkungen hingedeutet. Diese Verschiebung ist ein relevanter makroökonomischer Faktor für Unternehmen, deren Einnahmen von Zinserträgen abhängen. Die vorliegenden Angaben beziffern jedoch keinen Zusammenhang zwischen dem veränderten Zinsausblick und den Kursverlusten der drei Aktien.
Circle gibt den an den US-Dollar gebundenen Stablecoin USDC heraus. Der Großteil der Einnahmen des Unternehmens stammt aus Zinsen auf die Reserveanlagen. Im September fiel die Circle-Aktie zeitweise um rund 11 Prozent, nachdem eine Abstimmung im US-Senat über den CLARITY Act ins Stocken geraten war. Der Gesetzentwurf befasst sich mit der Marktstruktur für Kryptowährungen. Der Kursrückgang zeigt, dass regulatorische Entwicklungen den Aktienkurs beeinflussen können; zugleich ist er im Zusammenhang mit der allgemeinen Marktlage und der Geschäftsentwicklung des Unternehmens zu betrachten.
Die Daten zeigen deutliche Rückgänge bei drei Unternehmen mit Kryptobezug, während der S&P 500 nahe seinen Höchstständen liegt. Für Marktteilnehmer, die börsennotierte Krypto-Unternehmen verfolgen, sind die Entwicklung der einzelnen Aktien, die Zinserwartungen und regulatorische Veränderungen unterschiedliche Faktoren. Der Stand des Index allein gibt keinen Aufschluss darüber, wie sich diese Aktien entwickelt haben.