Microsoft hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres Umsatz und bereinigten Gewinn stärker gesteigert als von der Wall Street erwartet. Der Azure-Umsatz legte im Jahresvergleich um 48 Prozent zu. Die Aktie gewann am Mittwoch nachbörslich rund 5 Prozent. Zugleich sank der Free Cashflow angesichts der hohen Investitionen in KI-Infrastruktur um 27 Prozent – damit bleibt die Entwicklung der liquiden Mittel ein wichtiger Gegenpol zum kräftigen Wachstum.
Umsatz steigt auf 92,28 Milliarden Dollar
Im Quartal bis zum 30. September erzielte Microsoft einen Umsatz von 92,28 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und liegt über der Analystenschätzung von 90,69 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie betrug 4,89 Dollar und übertraf damit den Konsens von 4,73 Dollar. In dieser Kennzahl nicht enthalten waren Effekte von rund 200 Millionen Dollar im Zusammenhang mit Microsofts Beteiligung an OpenAI.
Unbereinigt belief sich der Nettogewinn auf 36,63 Milliarden Dollar beziehungsweise 4,92 Dollar je Aktie. Ein Jahr zuvor waren es 27,75 Milliarden Dollar und 3,72 Dollar je Aktie gewesen. Der Free Cashflow entwickelte sich dagegen rückläufig: Er sank im Jahresvergleich um 27 Prozent auf 18,63 Milliarden Dollar.
Azure wächst schneller und erzielt 33,17 Milliarden Dollar
Microsoft wies den Azure-Umsatz erstmals in absoluten Zahlen aus. Er erreichte im Quartal 33,17 Milliarden Dollar und lag damit über der von StreetAccount erfassten Analystenerwartung von 32,32 Milliarden Dollar. Das Wachstum beschleunigte sich auf 48 Prozent, nach 42 Prozent im Vorquartal. Erwartet worden war ein Zuwachs von mehr als 44 Prozent.
Die Nachfrage nach KI-Diensten treibt den weiteren Ausbau der Rechenzentren. Die Investitionsausgaben und Kosten aus Finanzierungsleasing summierten sich auf 45,2 Milliarden Dollar. Das waren rund 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, aber weniger als die Analystenschätzung von 50,67 Milliarden Dollar. Für die Einordnung des Wachstums bleibt entscheidend, welche Erträge die Investitionen langfristig bringen und wie stark sie den Cashflow belasten.
Neue Berichtsstruktur bündelt Cloud und Produktivität
Microsoft stellte seine Segmentberichterstattung erstmals seit 1998 um und wechselte von drei Geschäftsbereichen zu zwei. Das neue Segment „Agents and Infra“ setzte 76,8 Milliarden Dollar um – knapp 25 Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als die von StreetAccount erfassten 75,63 Milliarden Dollar. Dazu gehören Azure, Cloud-Produkte von Microsoft 365, Produktivitäts- und Serverlizenzen, Branchenlösungen sowie neue Technologien und Supportdienste.
Der Umsatz mit Microsoft-365-Cloudprodukten lag bei 27,78 Milliarden Dollar und übertraf ebenfalls die Markterwartung von 27,37 Milliarden Dollar. Die neue Struktur ordnet Azure einem breiteren Geschäftsbereich zu. Die separate Umsatzangabe für Azure macht die Größe des Cloudgeschäfts zugleich besser sichtbar.
Der zweite Bereich, „Devices and Consumer“, erzielte 15,48 Milliarden Dollar Umsatz. Das waren 3 Prozent weniger als im Vorjahr, aber mehr als die prognostizierten 15,05 Milliarden Dollar. Das Segment umfasst Suche und Werbung, Xbox, Geräte sowie Windows-Lizenzen, die an Gerätehersteller verkauft werden. Microsoft zufolge gingen die Verkäufe von Geräten und Windows-Lizenzen um 22 Prozent zurück.
Das Marktforschungsunternehmen Gartner schätzte, dass die weltweiten PC-Auslieferungen im dritten Quartal um 22,4 Prozent sanken. Zu den Belastungsfaktoren gehörten höhere Kosten für Speicher und Massenspeicher, die die Preise nach oben trieben.
KI-Ausbau geht mit Stellenabbau einher
Parallel zu den Ausgaben für KI-Infrastruktur passt Microsoft Kosten und Personalbestand an. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres kündigte das Unternehmen den Abbau von 4.800 Stellen an. Am Montag teilte es mit, bis zu 60.000 Beschäftigten freiwillige Abfindungsprogramme anbieten zu wollen.
Im selben Quartal richtete Microsoft einen Geschäftsbereich für die Umsetzung von KI ein und startete eine Copilot-„Super-App“ mit Programmierfunktionen. Der Konzern baut sein KI-Geschäft damit weiter aus und versucht zugleich, die Effizienz seiner Investitionen zu steuern.
Die Microsoft-Aktie lag zum Handelsschluss am Mittwoch seit Jahresbeginn rund 10 Prozent im Plus und blieb damit hinter dem S&P 500 zurück, der 13 Prozent zulegte. Nachbörslich stieg die Aktie nach den besser als erwarteten Umsatz- und Gewinnzahlen sowie dem beschleunigten Azure-Wachstum. Im Quartal standen dem jedoch ein niedrigerer Free Cashflow und höhere Investitionen in Rechenzentren gegenüber.