Der Dollar entwickelte sich nach dem Zinsentscheid der US-Notenbank uneinheitlich. Während der Bekanntgabe und der anschließenden Pressekonferenz von Fed-Chef Warsh gab er nach. Zugleich prägten unterschiedliche Signale der Zentralbanken den Devisenhandel: Australiens Inflation stützte den Aussie, der überraschende Zinsentscheid der Reserve Bank of New Zealand belastete den Kiwi, und eine Zinserhöhung der Bank of Canada stärkte den Kanada-Dollar. Am US-Anleihemarkt fielen die Renditen am kurzen Ende, während sie am langen Ende stiegen. Die Kurve wurde steiler. Damit sank der Druck auf eine weitere kurzfristige Zinserhöhung, Zinssenkungen wurden jedoch weiterhin nicht eingepreist.
Euro und Aussie legen zu, Kiwi unter Druck
Der Dollar gewann gegenüber dem neuseeländischen Dollar, verlor aber gegenüber dem australischen Dollar. Zum Handelsschluss notierte EUR/USD bei 1,1155 und damit 0,30 Prozent höher. GBP/USD stieg um 0,17 Prozent auf 1,3325, AUD/USD legte um 0,44 Prozent auf 0,7055 zu. USD/JPY blieb mit 157,94 nahezu unverändert, USD/CHF fiel um 0,10 Prozent auf 0,8282. USD/CAD gab um 0,40 Prozent auf 1,3992 nach, während NZD/USD 0,95 Prozent auf 0,5626 verlor.
EUR/USD erholte sich von einer Doppelboden-Zone bei etwa 1,1113 und stieg im weiteren Verlauf bis auf 1,11746. Damit näherte sich das Währungspaar seinem fallenden gleitenden 100-Stunden-Durchschnitt. Diese Marke steht kurzfristig im Fokus: Solange EUR/USD sie nicht überwindet, behalten Verkäufer die Oberhand. Weitere Bestätigungssignale lagen nicht vor; die Bewegung allein belegt daher keine Trendwende.
Kräftiger als erwartet ausgefallene australische Kerninflationsdaten stützten den Aussie und verstärkten die Erwartungen weiterer Straffungsschritte der Reserve Bank of Australia. AUD/USD schloss bei 0,7055, nachdem das Paar im Tagesverlauf in der Nähe seines gleitenden 200-Tage-Durchschnitts gehandelt hatte.
Der Kiwi geriet unter Druck, nachdem die RBNZ ihren Leitzins überraschend bei 2,75 Prozent beließ. Die Entscheidung fiel mit knapper Mehrheit von 4 zu 3 Stimmen und enttäuschte Marktteilnehmer, die sich auf eine Erhöhung eingestellt hatten. NZD/USD erholte sich von seinem Tief und näherte sich der Handelsspanne von 0,5625 bis 0,5633.
Zinserhöhung der Bank of Canada stärkt den Kanada-Dollar
Die Bank of Canada hob ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent an und gab dem Kanada-Dollar damit Auftrieb. Die Notenbank erklärte, die Inflation werde zunehmend hartnäckig. Weitere Straffungsschritte müssten angesichts der Unsicherheit jedoch vorsichtig erfolgen. USD/CAD sank um 0,40 Prozent auf 1,3992.
Deutlicher als an den Wechselkursen zeigte sich die Fed-Entscheidung an der US-Zinskurve. Die Rendite zweijähriger Treasuries sank um 1,25 Basispunkte auf 4,7245 Prozent. Die Fünfjahresrendite stieg um 2,37 Basispunkte auf 4,8657 Prozent. Bei zehnjährigen Papieren legte die Rendite um 4,74 Basispunkte auf 5,0404 Prozent zu, bei 30-jährigen um 5,27 Basispunkte auf 5,3577 Prozent.
Der Rückgang am kurzen Ende bei gleichzeitigem Anstieg der Langfristrenditen ließ die Kurve steiler werden. Die Rendite zehnjähriger Treasuries blieb über der Marke von 5 Prozent. Der nachlassende Druck auf eine unmittelbar bevorstehende Zinserhöhung bedeutete somit keine niedrigeren langfristigen Finanzierungskosten.
Fed wartet auf weitere Daten – Dezember bleibt offen
Fed-Chef Warsh bekräftigte, dass die Inflation weiterhin über dem Zielwert liegt und die Notenbank vor dem nächsten Schritt weitere Daten abwarten will. Das Inflationsziel der Fed von 2 Prozent gemessen am Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) bleibt unverändert. Die kurzfristigen Inflationserwartungen sind gestiegen; die längerfristigen Erwartungen stehen weiterhin im Einklang mit dem Ziel, die Preisstabilität wiederherzustellen.
Warsh zeichnete ein vergleichsweise positives Bild der US-Wirtschaft: Das Wachstum habe sich verstärkt, die Beschäftigung sei solide und die Unternehmensinvestitionen breiteten sich auf weitere Bereiche aus. Produktivitätszuwächse könnten es der Wirtschaft zudem ermöglichen, zu wachsen, ohne entsprechend stärkeren Inflationsdruck zu erzeugen.
Auf eine Entscheidung für Dezember legte sich Warsh nicht fest. In der kommenden Zeit würden die Entscheidungsträger umfangreiche neue Informationen erhalten. Eine weitere Zinserhöhung bleibt möglich, doch seine Äußerungen enthielten weder eine feste Zusage noch Hinweise auf eine unmittelbare Zinssenkung.
Die Marktreaktionen fielen gemischt aus. Der Dollar gab während des Zinsentscheids und der Pressekonferenz nach, kurzfristige Treasury-Renditen sanken und langfristige stiegen. Die großen US-Aktienindizes schlossen moderat im Plus, während die internationalen Ölpreise über 100 US-Dollar je Barrel blieben. Am Devisenmarkt stehen der unklare Zinskurs der Fed und die zunehmend unterschiedlichen geldpolitischen Wege der Zentralbanken im Mittelpunkt.
Microsoft und Alphabet ergänzen das Marktbild
Microsoft und Alphabet legten ihre Geschäftszahlen nach US-Börsenschluss vor und lieferten Anlegern einen weiteren Faktor für die Markteinschätzung. Microsoft meldete für das erste Geschäftsquartal einen Gewinn je Aktie von 4,92 US-Dollar und übertraf damit die erwarteten 4,72 US-Dollar. Der Umsatz erreichte 92,3 Milliarden US-Dollar nach einer Prognose von 90,6 Milliarden. Das Azure-Umsatzwachstum ohne Wechselkurseffekte lag bei 48 Prozent und damit über den erwarteten 44,8 Prozent. Das Cloudgeschäft entwickelte sich stark; die Zahlen änderten jedoch nichts an der Schlussrichtung der großen Währungspaare an diesem Tag.
Alphabet meldete für das dritte Quartal ein gemischtes Ergebnis. Der Gewinn je Aktie lag mit 2,12 US-Dollar unter den erwarteten 3,03 US-Dollar. Der Umsatz von 127,6 Milliarden US-Dollar verfehlte die Prognose von 127,91 Milliarden leicht. Google Cloud erzielte 30,71 Milliarden US-Dollar Umsatz und übertraf damit die Erwartung von 29,1 Milliarden. Umsatz aus der Suche und anderen Bereichen, YouTube-Werbeerlöse sowie das Betriebsergebnis blieben jeweils unter den Prognosen.
Die Ergebnisse der Technologiekonzerne und die Bewegungen der langfristigen Treasury-Renditen zählen weiterhin zu den Faktoren, die Einschätzungen zum Dollar und zur Risikobereitschaft beeinflussen. Die vorliegenden Zahlen bestätigen keine Reaktion der Aktienkurse von Microsoft oder Alphabet nach Börsenschluss.