Der Anleihemarkt der Eurozone erlebte am Donnerstag einen typischen „ereignisgesteuerten Anstieg mit rationaler Gegenbewegung“. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen fiel von einem Intraday-Hoch von 3,05 % auf 2,99 % zurück, was einen Wochenrückgang erwarten lässt; die zweijährige Rendite blieb bei 2,61 %; die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen schloss bei etwa 3,869 %. Der Haupttreiber der Marktentwicklung bleibt weiterhin die Nachrichten über den Iran-Krieg, doch im Gegensatz zu den vorherigen Tagen, die die Inflations- und Zinserwartungen unmittelbar verstärkten, beginnen die Investoren jetzt die Auswirkungen der Wiederaufnahme des Energietransports, den Rückgang der Risikoprämien und das Positionsmanagement vor dem langen Wochenende stärker zu berücksichtigen.
Kernvariablen der Neubewertung des Marktes
Der Kern der Schwankungen im Euro-Anleihemarkt in dieser Runde ist die doppelte Auswirkung der Lage im Nahen Osten auf die Inflationserwartungen und die Zinserwartungen Europas. Nachdem Trump aggressivere militärische Äußerungen gemacht hatte, kam es zunächst zu einer spürbaren Aufwärtsbewegung der Renditen, da der Markt eine straffere Zinspfad einpreiste. Doch als der Markt erkannte, dass die Situation nicht einseitig eskalierte und die Möglichkeit der Wiederaufnahme des Transports durch die Straße von Hormus eingepreist wurde, kehrte sich die Aufwärtsbewegung schnell um. Auf Wochenbasis wird erwartet, dass die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen um 10 Basispunkte sinkt, was darauf hindeutet, dass der Anleihemarkt bereits begonnen hat, die zuvor übermäßig angespannte Preisgestaltung zu korrigieren.
Wettbewerbslandschaft
Innerhalb der Eurozone bleibt der Unterschied in der Performance zwischen Kern- und Nicht-Kernanleihen weiterhin beachtenswert. Deutsche Staatsanleihen fungieren weiterhin als regionaler Bewertungsanker, während Randmärkte wie Italien und Frankreich eine höhere Risikoprämie aufweisen. Derzeit liegt der Spread zwischen den zehnjährigen italienischen und vergleichbaren deutschen Anleihen bei 86 Basispunkten, was gegenüber den fast 100 Basispunkten der letzten Woche zwar gesunken ist, aber immer noch deutlich über den 63 Basispunkten liegt, die vor dem Kriegsausbruch herrschten. Der Spread zwischen französischen und deutschen zehnjährigen Anleihen stieg ebenfalls von 58 auf 70 Basispunkte. Das bedeutet, dass selbst bei einem kurzfristigen Rückgang des Zinsniveaus die interne Kredit- und Fiskalaufteilung der Eurozone nicht verschwunden ist und die Finanzierungssituation von Randstaaten weiterhin anfälliger ist als die der Kernländer.
Politikerwartungen und Finanzstabilität
Der Geldmarkt preist nach wie vor mindestens zwei Zinserhöhungen um 25 Basispunkte durch die Europäische Zentralbank ein, wobei die Wahrscheinlichkeit einer dritten Erhöhung bei etwa 80 % liegt. Dies ist zwar leicht unter den Höchstständen dieser Woche, aber verglichen mit dem davor bestehenden Zinssenkungsszenario sind die politischen Aussichten deutlich angespannter. Panetta betonte, dass die durch den Nahost-Konflikt verursachten Spannungen auf dem Energiemarkt die finanzielle Stabilität beeinträchtigen könnten. Diese Aussage verdeutlicht, dass die Europäische Zentralbank sich nicht nur um die Inflation an sich sorgt, sondern auch um Schwankungen der Vermögenspreise, steigende Finanzierungskosten und die möglichen Auswirkungen auf anfällige Staatsanleihenmärkte. Für Anleiheinvestoren wird die marginale Veränderung im Abwägen von „Stabilität“ und „Inflation“ durch die Zentralbank darüber entscheiden, ob die Spreads am Rand in Zukunft kontrolliert werden können.
Weitere Beobachtungspunkte
Die HSBC glaubt, dass der Spread zwischen zehnjährigen italienischen und deutschen Anleihen bis Ende des zweiten Quartals bei 100 Basispunkten bleiben könnte, während er in einem ungünstigen Szenario auf 140 Basispunkte ansteigen könnte. Diese Prognose deutet darauf hin, dass der Markt weiterhin Raum für einen Stresstest durch geopolitische Verschärfung, steigende Ölpreise und verschlechterte Risikoaversion reserviert hat. Sollte die Wiederaufnahme des Energietransports reibungslos verlaufen, könnten die Renditen deutscher Anleihen weiter moderat zurückgehen; sollte der Konflikt jedoch die Energiepreise erneut in die Höhe treiben, könnten vor allem die Randanleihen, insbesondere italienische Staatsanleihen, erneut unter Druck geraten und Diskussionen über einen Eingriff der EZB-Tools wiederbeleben.