Aviva Investors hat 50 Millionen Pfund (rund 66 Millionen US-Dollar) in eine zweite tokenisierte Anteilsklasse auf dem XRP Ledger (XRPL) investiert. Damit beläuft sich das Engagement des Unternehmens in zwei XRPL-Produkten auf mehr als 86 Millionen Pfund (rund 116 Millionen US-Dollar). Zugleich baut Ripple seine Treasury-Dienste für Unternehmen aus. Ob die Fonds-Tokenisierung oder die Nutzung dieser Dienste die Nachfrage nach XRP erhöht, ist jedoch offen.
Tokenisierte Anteile an Avivas 22-Mrd.-Pfund-Fonds
Die neue Anteilsklasse gehört zum Sterling Liquidity Fund, Avivas größtem Investmentfonds mit einem verwalteten Vermögen von rund 22 Milliarden Pfund (etwa 29 Milliarden US-Dollar). Die Investition von 50 Millionen Pfund entspricht ungefähr 0,23 Prozent des aktuellen Fondsvermögens. Der in Irland registrierte Fonds investiert in kurzfristige, hoch bewertete, auf Pfund lautende Schuldtitel und bietet tägliche Liquidität. Das übrige Fondsvermögen wird weiterhin über die traditionelle Finanzinfrastruktur verwaltet.
Die XRPL-Token verbriefen Anteile am Fonds; an dessen zugrunde liegender Struktur ändert sich nichts. Bereits im Juli hatte Aviva eine tokenisierte Anteilsklasse für seinen auf US-Dollar lautenden Liquiditätsfonds auf dem XRPL aufgelegt. Mark Versey, CEO von Aviva Investors, sagte, das zweite Produkt bilde eine Grundlage für weitere Schritte. Das Unternehmen wolle zusätzliche Möglichkeiten mit Ripple prüfen. Tokenisierte Fonds könnten nach seiner Einschätzung die Effizienz und das Kundenerlebnis verbessern.
Bei der Ausgabe kommt der Multi-Purpose-Token-Standard (MPT) des XRPL zum Einsatz. Er ermöglicht Finanzinstituten, Regeln für das Halten, Übertragen und Wiederherstellen digitaler Vermögenswerte festzulegen. Vet, ein Mitwirkender an der XRPL Foundation, erklärte, dass für Avivas Token eine Autorisierung der Inhaber erforderlich sei. Unter bestimmten Umständen könne der Emittent Token zurückholen; Anleger könnten sie nicht direkt untereinander übertragen. Damit behält Aviva die Kontrolle über Inhaber und Compliance-Verfahren.
BNY Mellon verwahrt die zugrunde liegenden Fondsanlagen. Komainu übernimmt die Verwahrung der digitalen Vermögenswerte, Licuido stellt die Tokenisierungsinfrastruktur bereit. So wird die Ausgabe über eine Blockchain mit der traditionellen Verwahrung der Fondsanlagen kombiniert, ohne die Anlagestruktur des Fonds zu verändern.
Mehr Fonds-Token bedeuten nicht automatisch mehr XRP-Nachfrage
Für Transaktionen auf dem XRPL werden XRP zur Bezahlung der Gebühren benötigt. Außerdem müssen Konten und bestimmte Ledger-Objekte XRP-Reserven vorhalten. Steigt durch institutionelle Emissionen die Zahl der Transaktionen und Abwicklungen im Netzwerk, könnte dadurch eine gewisse Transaktionsnachfrage nach XRP entstehen. Die Gebühren für gewöhnliche Transaktionen sind jedoch sehr niedrig. Avivas Fondsengagement von 50 Millionen Pfund ist daher nicht mit einem gleich hohen Kauf von XRP gleichzusetzen.
Ein stärkerer Effekt auf die XRP-Nachfrage würde davon abhängen, ob weitere Institute Produkte auf dem XRPL auflegen, die Abwicklungsaktivität zunimmt und zusätzliche Liquiditätsanwendungen entstehen. Allein aus den beiden Aviva-Anteilsklassen lässt sich nicht ableiten, wie viel zusätzliche Nachfrage nach XRP daraus resultieren könnte.
Ripple baut Treasury-Angebot rund um die Uhr aus
Auf der Konferenz Swell 2026 kündigte Ripple neue Funktionen für seine Treasury-Plattform an. Sie richten sich an Unternehmen, die Liquidität und Zahlungen auch außerhalb der üblichen Bankzeiten verwalten wollen. Ein Angebot namens „24/7 Returns“ soll berechtigten Firmenkunden ermöglichen, über eine Ripple-Wallet Erträge auf geeignete digitale Vermögenswerte zu erzielen, darunter Ripples US-Dollar-Stablecoin RLUSD. Unternehmen könnten damit laut Ripple Erträge auf Betriebskapital erwirtschaften, das sonst nachts, am Wochenende oder an Feiertagen ungenutzt bliebe. Die zugrunde liegenden Transaktionen mit digitalen Vermögenswerten müssten sie nicht selbst verwalten.
Zudem stellte Ripple eine Treasury-Orchestrierungsebene vor. Sie verbindet die KI-Funktionen von GSmart mit Liquiditätsplanung, Abstimmung von Konten, Liquiditätsmanagement und Zahlungsabwicklung. Der Ausbau folgt auf Ripples Übernahme des Treasury-Dienstleisters GTreasury im Oktober 2025 für eine Milliarde US-Dollar.
Zu den von Ripple genannten Kunden seiner Treasury-Plattform zählen American Airlines, Subway, Adecco, Kingfisher, Christian Louboutin und Trax. Aus der Ankündigung geht nicht hervor, dass diese Unternehmen an „24/7 Returns“ teilnehmen oder XRP beziehungsweise RLUSD nutzen.
Die Nutzung digitaler Vermögenswerte durch Unternehmen ist bislang begrenzt. In der Liquiditätsumfrage 2026 der Association for Financial Professionals gaben 46 Prozent der Befragten an, ihre US-Dollar-Bargeldbestände erhöht zu haben. 86 Prozent würden den Einsatz von Geldmarktfonds in Echtzeit erwägen, sofern diese ihren Anlagerichtlinien entsprechen. Nur ein Prozent nutzte Stablecoins oder tokenisierte Produkte bereits oder testete sie; weitere neun Prozent prüften einen möglichen Einsatz.
Ripple hat weder die Renditen seiner neuen Treasury-Produkte noch deren Berechnung offengelegt. Auch ist nicht bekannt, ob teilnehmende Unternehmen Transaktionen über den XRPL abwickeln werden. RLUSD ist auf mehreren Blockchains verfügbar, und Ripples Zahlungsinfrastruktur kann sowohl Stablecoins als auch traditionelle Währungen nutzen. Der Ausbau der Unternehmensdienste bedeutet daher für sich genommen nicht, dass Transaktionen über XRP laufen.