BNY Pershing integriert Wove, seine Technologieplattform für Finanzberater, in die Infrastruktur der Konzernsparte Wealth Solutions. Der Schritt folgt auf eine Neuordnung, in deren Zuge Managed Accounts und Pershing unter Wealth Solutions zusammengeführt wurden. Die von Global Head Adam Vos geleitete Sparte soll BNYs Angebote enger verzahnen. Zugleich stellt sich für unabhängige, bei der US-Börsenaufsicht SEC registrierte Anlageberater (RIAs) erneut die Frage, wie viele Systeme sie von ihrer Depotbank beziehen und wie viel Freiheit sie bei der Wahl anderer Anbieter behalten wollen.
Wove wird Teil der Wealth-Solutions-Plattform
BNY bezeichnete die Änderungen an Wove als operativen Schritt im Rahmen seiner konzernweiten Bemühungen, Dienstleistungen besser miteinander zu verbinden. Vos erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme, BNY wolle Beratern und Anlegern ein stärker vernetztes und flexibleres Angebot machen. Ein integriertes Ökosystem solle zudem die Position des Konzerns als langfristiger Anbieter von Wealth-Management-Lösungen stärken.
Einen Zeitplan für die Eingliederung von Wove in die breitere Wealth-Solutions-Struktur nannte BNY nicht. Auch zu geplanten Ausgaben für die Weiterentwicklung und Einführung der Plattform machte das Unternehmen keine Angaben. Der Übergang läuft bereits.
Wove startete 2023 und wurde von Pershing X entwickelt, der Technologiesparte von Pershing. Deren damalige Präsidentin Ainslie Simmonds verfolgte das Ziel, Beratern ein zusammenhängendes Nutzungserlebnis zu bieten, statt lediglich einzelne Softwareprodukte miteinander zu verknüpfen. Der frühere globale Pershing-Chef Jim Crowley sagte, Wove habe Pershing dabei geholfen, Geschäftsbeziehungen zu RIAs und anderen Vermögensverwaltern aufzubauen, darunter Lincoln Investment Planning. Simmonds gehört inzwischen zu den Führungskräften, die das Unternehmen verlassen haben.
Wealth Solutions gewinnt Kunden und verwaltetes Vermögen
RIAs nutzen Depotbanken und Technologieanbieter für zahlreiche Aufgaben: Kundenverwaltung, Performance-Berichte, Abrechnung, Handel, Portfolioanpassungen, Daten und Anlagedienstleistungen. Änderungen an einer Depotbank-Plattform können deshalb den Arbeitsalltag der Berater und die Auswahl ihrer übrigen Anbieter beeinflussen.
Ende vergangenen Jahres verwalteten in den USA registrierte RIAs zusammen knapp 177 Billionen US-Dollar. Die Geschäftsbeziehungen zu diesen Firmen sind damit ein bedeutendes Feld für Finanzdienstleister.
Im Gespräch mit Analysten zu den Ergebnissen des dritten Quartals sagte Finanzvorstand Dermot McDonogh, Wealth Solutions habe sieben Kunden hinzugewonnen und netto 48 Milliarden US-Dollar an Vermögen angezogen. BNY betrachte Clearing und Verwahrung nicht länger als eigenständiges „Legacy-Pershing-Geschäft“, sondern als Teil der neuen Wealth-Solutions-Sparte. Diese verwaltet Vermögen oder verwahrt Kundengelder von knapp 4 Billionen US-Dollar.
McDonogh zufolge hat BNY mit mehreren großen RIAs Partnerschaften geschlossen und mehrere langfristige Verträge unterzeichnet. Das Geschäft entwickle sich stark; zugleich arbeite das neue Führungsteam an einer veränderten Strategie.
Warum RIAs ihre Softwareauswahl selbst steuern wollen
Tim Welsh, Gründer der Beratung Nexus Strategy, sagte, Depotbanken versuchten schon länger, Arbeitsabläufe von Beratern auf ihre eigenen Plattformen zu verlagern. Unabhängige Berater wollten sich jedoch meist nicht mit ihrem gesamten Technologiesystem an eine einzige Depotbank binden. Auch Fidelity Investments und Charles Schwab verfolgen Strategien, die ihre Technologieangebote stärker miteinander verzahnen.
RIAs legten Wert darauf, ihre Unternehmen eigenständig zu führen und bestehende Softwarebeziehungen beizubehalten, sagte Welsh. Ein Wechsel könne Abläufe stören und sei daher für viele Berater wenig attraktiv.
Welsh hatte bereits infrage gestellt, ob Pershing mit eigener Software genügend Neugeschäft für die damit verbundenen Dienstleistungen gewinnen könne. Depotbanken wollten, dass Berater ihren Arbeitstag im jeweiligen Portal beginnen und möglichst viele Aufgaben dort erledigen. Das ändere aber nichts an der Struktur des RIA-Marktes: Berater könnten einzelne Bestandteile eines gebündelten Angebots nutzen, während unabhängig geführte Firmen ihre Technologieentscheidungen selbst treffen wollten.
Auch die Debatte um Altruist berührt diese Frage. Das Unternehmen soll Berichten zufolge an Vanguard verkauft werden. Ob Berater dessen Technologiewerkzeuge weiter nutzen und wie sich das Geschäft nach Abschluss der Transaktion entwickeln wird, ist offen.
BNY sieht die eigene Marke als Vorteil
BNY-Chef Robin Vince sagte, die Verwahrung bleibe ein wettbewerbsintensives Geschäft. Die Verbindungen zwischen den Bereichen Banking, Vermögensverwaltung und künstliche Intelligenz sowie die Stellung von BNY als großes Finanzinstitut machten den Konzern für Berater jedoch attraktiver.
In Gesprächen mit Kunden sei zu erkennen, dass manche Berater, die früher auf der Marke Pershing bestanden hätten, nun eher bereit seien, den Namen BNY zu verwenden, sagte Vince. Die Marke könne ihnen helfen, ihr Unternehmen gegenüber Kunden zu erklären und auf das breitere Dienstleistungsangebot des Konzerns zu verweisen.
Einige Berater interessierten sich nicht mehr nur für die traditionellen Pershing-Dienstleistungen, sondern wollten über Wealth Solutions auch auf weitere Ressourcen von BNY zugreifen, sagte Vince. Zusätzliche Unterlagen oder Daten, die den Wandel bei der Markenpräferenz beziffern, legte BNY nicht vor.
Die Eingliederung von Wove und der Schritt zu einer einheitlicheren Marke sind Teil von BNYs Bemühungen, Vermögensverwalter über ein stärker vernetztes Geschäft zu bedienen. Ob unabhängige Berater das gesamte Technologieangebot einer Depotbank übernehmen, hängt weiterhin davon ab, wie sie dieses gegen die Kontrolle über ihre Anbieter und ihre etablierten Arbeitsabläufe abwägen.