Die US-Wirtschaft ist mit solidem Schwung ins vierte Quartal gestartet. Der vorläufige Composite-Einkaufsmanagerindex von S&P Global stieg im Oktober auf 57,6 Punkte und lag damit nur knapp unter dem hohen Septemberwert. Es war der stärkste Stand der Geschäftstätigkeit seit März 2022. Werte über 50 signalisieren Wachstum; die aktuellen Daten deuten nicht darauf hin, dass die US-Wirtschaft kurz vor einer Rezession steht.
Dienstleistungen treiben Aufträge und Produktion
Die Produktion in Industrie und Dienstleistungssektor wuchs so stark wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Die Unternehmensumfragen zeigen eine anhaltend solide Inlandsnachfrage, während sich auch die Exportnachfrage erholte. Bei den neuen Exportaufträgen im Dienstleistungssektor wurde das schnellste Wachstum seit Juli 2023 verzeichnet.
Besonders deutlich fiel der Anstieg bei den neuen Dienstleistungsaufträgen aus. Da Dienstleistungen einen wesentlich größeren Anteil an der US-Wirtschaft haben als das verarbeitende Gewerbe, wirken sich Veränderungen bei Aufträgen und Produktion in diesem Bereich stärker auf die gesamte Wirtschaftsleistung aus. Die besseren Geschäftsbedingungen stützten zudem eine Erholung am Arbeitsmarkt: Das Beschäftigungswachstum erreichte den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren.
Chris Williamson, Chefökonom für Unternehmen bei S&P Global, erklärte, die Produktionsdaten entsprächen einem annualisierten Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts von etwa 5 %. Abgesehen von der Wiedereröffnungsphase nach der Pandemie könnten die vergangenen Monate zu den stärksten Wachstumsphasen der US-Wirtschaft seit Anfang 2015 zählen, sagte Williamson.
Energie- und Frachtkosten treiben Preise
Der deutlichste Belastungsfaktor in den aktuellen Daten war die Preisentwicklung. Der Anstieg der Verkaufspreise für Waren und Dienstleistungen beschleunigte sich auf den höchsten Stand seit Juli 2022. Bei den Inputpreisen wurde der stärkste Anstieg seit November 2022 registriert. Haupttreiber der höheren Unternehmenskosten waren Energie, Treibstoff und Fracht.
Diese Kostenbelastung beginnt, auf die Preise für Kunden durchzuschlagen. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte er die Gewinnmargen der Unternehmen, die Kaufkraft der privaten Haushalte und die Erwartungen an die Geldpolitik beeinflussen. Bislang zeigten die Umfragen jedoch gleichzeitig eine Verbesserung bei Produktion, Aufträgen und Beschäftigung. Die höheren Preise haben daher noch nicht zu einem klaren Nachfragerückgang geführt.
Reale Konsumausgaben beschleunigen sich
Auch die Konsumentendaten sprechen für eine anhaltende Expansion. Inflationsbereinigt stiegen die US-Ausgaben für Waren und Dienstleistungen im September gegenüber dem Vorjahr um 2,6 %. Damit gehörte das Wachstum zu den stärkeren Werten des Jahres und lag über dem Niveau zu Beginn des Jahres 2025.
Der private Konsum leistet zudem einen größeren Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Sein Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt stieg von 0,5 Prozentpunkten im ersten Quartal auf 2,5 Prozentpunkte im zweiten Quartal. Für das dritte Quartal wurde der Beitrag auf 2,6 Prozentpunkte geschätzt. Veränderungen bei den Konsumausgaben wirken sich in der Regel über Unternehmensumsätze und Auftragseingänge auf die Beschäftigung aus. Damit bleibt der Konsum ein wichtiger Indikator für die konjunkturelle Dynamik.
Schwaches Verbrauchervertrauen bremst Ausgaben bislang nicht
Die Entwicklung der realen Konsumausgaben steht im Gegensatz zum schwachen Verbrauchervertrauen. Der Verbraucherstimmungsindex der University of Michigan liegt nahe historischen Tiefständen. Steigende Lebenshaltungs-, Gesundheits- und Treibstoffkosten sowie höhere Kreditkosten belasten die Einschätzung der privaten Haushalte zur Wirtschaftslage. Auch die US-Hypothekenzinsen sind wieder auf ein vergleichsweise hohes Niveau gestiegen, das zuletzt 2023 erreicht worden war.
Bislang hat sich der Vertrauensrückgang nicht in einem vergleichbaren Rückgang der realen Ausgaben niedergeschlagen. Das inflationsbereinigte Konsumwachstum hat sich weiter verbessert. Die Sorgen über das gesamtwirtschaftliche Umfeld führen derzeit also noch nicht vollständig zu Ausgabenkürzungen. Damit bleibt eine Nachfrage bestehen, die Umsätze und Gewinne der Unternehmen stützt.
Märkte wägen Wachstum gegen Kostendruck ab
An den Märkten stehen zwei Entwicklungen gleichzeitig im Fokus: die Frage, ob Einkaufsmanagerindizes, Konsum und Beschäftigung robust bleiben, und das Risiko, dass steigende Energie- und Frachtkosten die Inflation weiter antreiben. Ein stärkeres Wachstum kann die Unternehmensumsätze stützen. Anhaltender Preisdruck könnte jedoch den Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik begrenzen und die Marktvolatilität erhöhen.
Lawrence Fuller, Leiter von Fuller Asset Management, sagte, die US-Expansion sei weiterhin intakt. Zugleich rotierte der Aktienmarkt seiner Einschätzung nach aus Sektoren, die zuvor die Wertentwicklung angeführt hatten, in bisher zurückgebliebene Bereiche. Fuller bevorzugt in diesem Umfeld eine vergleichsweise defensive Vermögensaufteilung, hält aber die fundamentalen und technischen Rahmenbedingungen für ausreichend, um 2027 neue Rekordhochs zu ermöglichen. Dabei handelt es sich um seine persönliche Markteinschätzung und nicht um eine Empfehlung für ein bestimmtes Wertpapier.
Der bisher klarste Befund lautet: Geschäftstätigkeit, Aufträge und Beschäftigung in den USA haben sich im Oktober verbessert, während Energie-, Treibstoff- und Frachtkosten den Preisanstieg auf Mehrjahreshochs trieben. Ob die Wirtschaft ihr derzeitiges Tempo halten kann, hängt davon ab, ob die robuste Nachfrage den zunehmenden Kostendruck weiter ausgleichen kann.