Private Kredite galten einst als eine der beliebtesten Anlageklassen in Zeiten hoher Zinsen, doch nun sehen sie sich zunehmenden Fragen aus den öffentlichen Märkten gegenüber. Da Investoren anfangen, BDCs und andere börsennotierte Vehikel zu verkaufen, sendet der Markt ein klares Signal: Vor dem Hintergrund steigender Rezessionsrisiken, Volatilität in der Softwarebranche und zunehmendem Druck auf Rücknahmen wird die Diskrepanz zwischen Buchwerten und tatsächlichen Handelswerten zu einem neuen Fokus der Preisgestaltung in der Branche.
Erweiterte Abschläge enthüllen Vertrauenslücken
Öffentlich gehandelte BDCs sind der häufigste Weg, wie Privatanleger mit privaten Krediten in Berührung kommen. Laut Morningstar-Daten werden diese Fonds derzeit im Durchschnitt nur für 78 Cent pro 1 US-Dollar Nettovermögen gehandelt, während dieser Anteil Anfang 2025 noch nahe bei 1 US-Dollar lag. Erweiterte Abschläge bedeuten zwar nicht sofort den Eintritt von großen Zahlungsausfällen, deuten aber zumindest darauf hin, dass die Anleger den Nettovermögenswert als zu hoch oder die zukünftigen Verlustquoten als deutlich steigend einschätzen.
Software-Schwerpunkte werden zum Hauptanliegen
In den letzten Jahren flossen private Kredite stark in wachstumsstarke Branchen wie Software, die leicht zu handhaben sind. Doch angesichts von KI-Auswirkungen, sinkenden Unternehmensbewertungen und einem enger werdenden Refinanzierungsumfeld steht die Kreditstabilität dieser Kreditnehmer auf dem Prüfstand. JPMorgan hat diese Woche die Bewertungen einiger dieser Kredite herabgestuft, was vom Markt als wichtiges Warnsignal wahrgenommen wird: Selbst Kredite, die normalerweise seltener neu bewertet werden, werden nun neu bepreist.
Rücknahmebeschränkungen verschärfen den Einzelhandelsdruck
Das sensitivere Thema ist die Liquidität. Morgan Stanley hat kürzlich den Rückkauf eines privaten Kreditfonds eingeschränkt, weil Investoren massenhaft Abzugsanträge stellten; Reuters berichtete zuvor, dass BlackRock und Blackstone ebenfalls Obergrenzen für Abhebungen in einigen ihrer Fonds implementiert hätten. Für halbflüssige Produkte, die sich an Kunden im Vermögensmanagement richten, sind solche Maßnahmen zwar vertraglich vorgesehen, werden aber leicht vom Markt als "gegenseitige Verstärkung von Liquiditäts- und Bewertungsdruck" interpretiert.
Die Branche wächst weiter, aber der Markt kauft nicht mehr bedingungslos
Obwohl die Stimmung schwächer wird, wächst das verwaltete Vermögen im Bereich der privaten Kredite weiterhin. Laut Reuters, das sich auf Eversheds Sutherland beruft, halten rund 50 börsennotierte BDCs Vermögenswerte im Wert von über 150 Milliarden US-Dollar, während über 100 nicht börsennotierte BDCs zusätzliche 270 Milliarden US-Dollar verwalten. Das heißt, die Branchenerweiterung stoppt nicht, aber die Kapitalmärkte verlangen zunehmend mehr Transparenz, bessere Bewertungen und ein stärkeres Liquiditätsmanagement.