Die US-Regierung erzielte 2025 mit dem Verkauf beschlagnahmter Anthropic-Anteile 627 Millionen Dollar. Die 4,45 Millionen Aktien könnten bei einer möglichen Unternehmensbewertung von 1,5 Billionen Dollar heute rund 3,94 Milliarden Dollar wert sein – etwa das Sechsfache des Verkaufserlöses. Anthropic hat bislang weder den Preis für seinen erwarteten Börsengang im November bekannt gegeben noch die Bewertung von 1,5 Billionen Dollar bestätigt.
4,45 Millionen Aktien zu je 140,9676 Dollar verkauft
Anthropic teilte am Montag in einem S-1-Registrierungsdokument mit, im Oktober 2025 insgesamt 4.453.900 Aktien der Serie B von der US-Regierung zurückgekauft zu haben. Der Preis lag bei 140,9676 Dollar je Aktie, insgesamt also bei rund 627 Millionen Dollar. Er entsprach dem Preis je Aktie der Klasse F in der Finanzierungsrunde der Serie F im Vormonat.
Laut Dokument waren die Aktien ihren früheren Eigentümern in einem Verfahren eingezogen worden, das nicht mit Anthropic zusammenhing. Caroline Ellison und Nishad Singh wurden darin nicht namentlich genannt. Die Zahl der Aktien entspricht jedoch den Anteilen, die beide 2022 erworben hatten: Singh investierte 40 Millionen Dollar, Ellison 10 Millionen Dollar. Der Kaufpreis betrug damals 11,2261 Dollar je Aktie. Ihre gemeinsame Investition von 50 Millionen Dollar wurde später zur Verwertung an die Regierung übertragen.
Anthropic verkaufte die Aktien anschließend für denselben Gesamtbetrag an neun Investoren weiter und erzielte damit keinen Gewinn aus dem Geschäft. Wer die Käufer waren, geht aus dem Dokument nicht hervor. Die Aktien entsprechen rund 0,25 Prozent der derzeit ausstehenden Anteile. Bei einer Bewertung von 1,5 Billionen Dollar wäre dieses Paket etwa 3,94 Milliarden Dollar wert.
Ellison und Singh getrennt von Bankman-Frieds Anteilen
Ellison und Singh arbeiteten zuvor für Unternehmen unter der Kontrolle von Sam Bankman-Fried. Beide bekannten sich später in dem Verfahren zu Straftaten schuldig und sagten in seinem Strafprozess vor einem Bundesgericht in Manhattan aus. Die Jury befand Bankman-Fried für schuldig; ein Richter verurteilte ihn zu 25 Jahren Haft.
Spätestens im April 2025 war die US-Regierung Eigentümerin der Anthropic-Anteile von Ellison und Singh. Den Verkauf wickelte anschließend der U.S. Marshals Service ab. Dessen Abteilung für Vermögenseinziehung verwaltet üblicherweise Beteiligungen an privaten Unternehmen, die im Rahmen strafrechtlicher Einziehungsverfahren beschlagnahmt werden.
Bankman-Frieds eigene Anthropic-Beteiligung wurde separat behandelt. Seine Aktien der Serie B, damals rund 500 Millionen Dollar wert, gingen in die Insolvenzmasse von FTX ein. 2024 wurden sie an Dutzende Käufer für 1,3 Milliarden Dollar verkauft. Mit dem Erlös sollten Gläubiger entschädigt werden, darunter Kunden und Investoren, die beim Zusammenbruch von FTX Verluste erlitten hatten.
Verwendung der 627 Millionen Dollar weiter offen
Staatsanwälte des US-Justizministeriums hatten einem Bundesrichter zuvor erklärt, die Regierung könne ein eigenes Verfahren zur Geltendmachung von Ansprüchen einrichten oder mit dem FTX-Insolvenzverfahren zusammenarbeiten. So sollten Geschädigte ermittelt und die Erlöse aus der Einziehung für Entschädigungen eingesetzt werden. Einen Fonds für Betroffene hat die Regierung bislang nicht angekündigt.
Aus Gerichtsunterlagen zum Insolvenzverfahren geht hervor, dass die Regierung die 627 Millionen Dollar bis Juni 2026 nicht an die FTX-Insolvenzmasse überwiesen hatte. Wie das Geld letztlich verwendet wird, ist weiterhin ungeklärt.
Der Verkauf macht deutlich, wie stark der Wert der Anthropic-Aktien gestiegen sein könnte. Die Schätzung von 3,94 Milliarden Dollar beruht jedoch auf einer möglichen Bewertung von 1,5 Billionen Dollar und nicht auf einem bestätigten IPO-Preis. Auch über den Verbleib des Verkaufserlöses hat die Regierung noch keine Entscheidung bekannt gegeben.