- Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen erlebte während des Handels heftige Schwankungen. Am Vormittag stieg sie auf ein Hoch von 4,518 %, bevor sie aufgrund einer leichten Entspannung der geopolitischen Nachrichtenlage zum Handelsschluss auf 4,473 % zurückging und damit einen umgekehrten V-förmigen Verlauf zeigte.
- Die globalen Energiepreise stiegen deutlich an, wobei die Brent-Rohöl-Futures um 4,2 % auf 94,95 USD pro Barrel kletterten. Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus führte zu einem hohen Risikoaufschlag auf dem Ölmarkt, was die Nachfrage nach Inflationsabsicherung über verschiedene Anlageklassen hinweg direkt erhöhte.
- Die Preislogik des Fed-Funds-Futures-Marktes hat sich grundlegend umgekehrt. Das FedWatch-Tool der Chicago Mercantile Exchange zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der Fed-Sitzung im Dezember auf 53,4 % gestiegen ist, was den potenziellen Einfluss des importierten Inflationsdrucks auf den geldpolitischen Kurs widerspiegelt.
Geopolitische Spiele formen die Tagesrenditekurve neu
Die Liquidität des US-Staatsanleihenmarktes wurde an diesem Handelstag hauptsächlich durch die wechselnden geopolitischen Nachrichten aus dem Nahen Osten beeinflusst. Am Vormittag führte ein Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim über die Einstellung des Informationsaustauschs zwischen der Delegation aus Teheran und den USA zu einer Resonanz von Flucht in Sicherheit und Inflationsängsten, was den Verkaufsdruck und die Renditen von Staatsanleihen aller Laufzeiten schnell ansteigen ließ. Anschließend bestätigte US-Präsident Trump auf einer sozialen Plattform, dass die Verhandlungen noch im Gange seien und erwähnte, dass eine Waffenstillstandszusage von bewaffneten Gruppen gegenüber Israel erhalten wurde. Diese Nachricht löste eine Short-Covering-Rallye auf dem Rentenmarkt aus, wodurch die Renditen am kurzen und langen Ende deutlich von ihren Höchstständen zurückgingen. Die zweijährige Staatsanleihe-Rendite erreichte im Tagesverlauf 4,09 % und fiel schließlich um 3,7 Basispunkte auf 4,051 %.
Energieversorgungsprämie löst Neubewertung der Inflationserwartungen aus
Der Angebotsseitenschock auf dem Ölmarkt überträgt sich auf den Rentenmarkt und führt zu einem substanziellen Inflationsaufschlag. Die Futures für West Texas Intermediate stiegen um 5,39 % auf 92,07 USD pro Barrel. Die robuste Entwicklung der Energiepreise spiegelt sich direkt in der Break-even-Kurve der inflationsgeschützten Anleihen wider. Die Break-even-Rendite der fünfjährigen inflationsgeschützten Staatsanleihen stieg von 2,53 % am Vortag auf 2,55 %. Gleichzeitig blieb die Break-even-Rendite der zehnjährigen inflationsgeschützten Staatsanleihen stabil bei 2,413 %, was zeigt, dass die langfristigen jährlichen Inflationsmittelwerte systematisch nach oben angepasst wurden. Sollte die geopolitische Prämie weiterhin in die Kerninflation einsickern, könnte der reale Renditeraum der langfristigen Staatsanleihen einer weiteren Neubewertung unterzogen werden.
Starke Makrodaten stärken die Widerstandsfähigkeit der Fundamentaldaten
Trotz der Deckung durch plötzliche geopolitische Ereignisse zeigt die US-amerikanische Binnenwirtschaft weiterhin eine unerwartet starke Expansionsdynamik. Die vom Institute for Supply Management veröffentlichten Daten zeigen, dass der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Mai auf 50,4 gestiegen ist, den höchsten Stand seit Mai 2022, und damit deutlich über den Markterwartungen von 53,0 liegt. Darüber hinaus zeigen die revidierten Daten des Handelsministeriums, dass die Bauausgaben im April um 0,4 % im Monatsvergleich gestiegen sind, was ebenfalls die Markterwartungen übertraf. Obwohl die geopolitische Lage die Tageshandelslogik dominierte, bieten diese soliden realwirtschaftlichen Indikatoren eine starke fundamentale Unterstützung für die langfristigen Staatsanleiherenditen und begrenzen den Rückgang der Renditekurve nach der Entspannung der Nachrichtenlage.
Marktpreiszentren verschieben sich in Richtung Zinserhöhungsszenario
Die Komplexität des aktuellen makroökonomischen Umfelds verändert die Erwartungen der Wall Street an den geldpolitischen Kurs der Fed in diesem Jahr grundlegend. Zu Jahresbeginn setzte der Markt allgemein auf etwa zwei Zinssenkungen der Fed, doch durch die durch den Nahostkonflikt verursachten Lieferkettenstörungen und die hohen Energiekosten wird der Spielraum für geldpolitische Anpassungen stark eingeschränkt. Der Spread zwischen den Renditen zweijähriger und zehnjähriger Staatsanleihen, der die wirtschaftlichen Zukunftserwartungen widerspiegelt, liegt derzeit bei positiven 42 Basispunkten, und die Renditekurve zeigt eine Normalisierungstendenz. Angesichts des Rückkehrrisikos einer hartnäckigen Inflation beginnen Händler auf dem Markt für Zinsderivate, das Szenario einer Wiederaufnahme der Zinserhöhungen in diesem Jahr substanziell zu bewerten. Sollten sich die Kernpreisindikatoren und die Rohstoffpreisentwicklung weiter nach oben bewegen, könnte die geldpolitische Haltung der Fed gezwungen sein, sich in einen restriktiveren Bereich zu verschieben.