- Die US-Erdgas-Futures stehen unter erheblichem Druck, da die Bestände stärker als erwartet zugenommen haben. Die an der New Yorker Warenterminbörse im Mai zur Lieferung stehenden vorderen Erdgas-Futures fielen um 3,7 % auf 2,62 USD pro Million britischer Wärmeeinheiten und erreichten damit den niedrigsten Schlusskurs seit einer Woche.
- Laut Daten der US-Energieinformationsbehörde wurden in der letzten Woche 103 Milliarden Kubikfuß Erdgas in die Speicherstätten eingelagert, weit über den Schätzungen der Analysten von 94 Milliarden Kubikfuß und dem Fünfjahresdurchschnitt von 64 Milliarden Kubikfuß für denselben Zeitraum.
- Eingeschränkt durch Engpässe bei der Rohrleitungskapazität, verzeichnet der Spotpreis für Erdgas am Waha-Hub im Permian-Becken seit 54 Tagen negative Werte und erreicht damit ein historisches Hoch. Der durchschnittliche Tagespreis ist seit 2026 bis auf minus 1,91 USD gefallen.
Da das milde Wetter nach dem Ende der Heizsaison die Nachfrage nach Heizenergie erheblich reduziert hat, steht der US-Erdgasmarkt vor einer vorübergehenden Fehlanpassung der Angebots- und Nachfragegrundlagen. Die Energiunternehmen injizieren in der Nebensaison erheblich mehr Erdgas in die Speicher als in früheren Jahren, was die Lagerbestände saisonal überproportional ansteigen lässt und die Preise für kurzfristige Terminkontrakte belastet. Dadurch ist der Aufwärtstrend der letzten sechs Handelstage abrupt gestoppt. Marktteilnehmer bewerten derzeit den Lagerabbauzyklus neu. Wenn sich die Temperaturen in den kommenden Wochen nahe dem Normaldurchschnitt halten, kann die Kühlungsnachfrage im Energiebereich nicht rechtzeitig die Nachfrage nach Heizenergie kompensieren, und die zusätzliche Lagerung könnte den Aufwärtsspielraum der Erdgaspreise weiter einschränken.
Angebots-Nachfrage Basis und Produktionsanpassung
Auf der Angebotsseite reagieren US-Erdgasproduzenten auf das schwache Preisumfeld. Laut Daten der London Stock Exchange Group zeigt die durchschnittliche Erdgasproduktion in den unteren 48 US-Staaten einen leichten Rückgang, von 110,4 Milliarden Kubikfuß pro Tag im März auf 110,3 Milliarden Kubikfuß pro Tag im April, wobei kürzlich ein Tiefpunkt von 108,3 Milliarden Kubikfuß pro Tag erreicht wurde. Dieser marginale Produktionsrückgang reicht jedoch nicht aus, um die schwache Nachfrage auszugleichen. Auf der Nachfrageseite, einschließlich des Exports, wird erwartet, dass der Tagesverbrauch nächste Woche auf 100,5 Milliarden Kubikfuß pro Tag fällt. Das anhaltende Vorhandensein dieser Angebots-Nachfrage-Schere beschleunigt die Umwandlung von Überkapazitäten in Lagerbestände.
Regionale Basisdifferenz und Infrastrukturbeschränkungen
Die Preisbewegungen am Waha-Hub in Westtexas sind derzeit das am meisten beachtete strukturelle Verzerrungsphänomen auf dem nordamerikanischen Energiemarkt. Als zentrales Hub für das größte US-Schieferölförderbecken, das Permian, sind die Spotpreise am Waha-Hub seit 54 Tagen in negativem Bereich. Diese extreme Preisgestaltung spiegelt nicht nur die hohe Begleitgasproduktion wider, sondern auch die ernsthaften Verzögerungen in der Pipeline-Transportinfrastruktur. Aufgrund des Mangels an ausreichend Absatzzielen, um Erdgas zu den Verbrauchs- und Exportzentren an der Golfküste zu transportieren, müssen die Produzenten Gebühren zahlen, um die Rohrdruckentlastung freizugeben. Wenn die geplanten Pipeline-Erweiterungen nicht rechtzeitig in Betrieb gehen, könnte sich diese regionale negative Basisdifferenz in den kommenden Quartalen normalisieren.
LNG-Exportwachstum und globale Preisgestaltung
Vor dem Hintergrund eines belasteten Inlandsmarktes spielt der Export von Flüssigerdgas (LNG) weiterhin eine entscheidende Rolle als Entlastungsventil. Der Empfang von Rohgas an den neun LNG-Exportanlagen der USA stieg im April auf 18,9 Milliarden Kubikfuß pro Tag und übertraf das bisherige Allzeithoch. Noch entscheidender ist, dass das von ExxonMobil und Qatar Energy gemeinsam entwickelte Golden Pass LNG-Terminal mit der Abfertigung der ersten Lieferungen begonnen hat, was die schrittweise Freisetzung der neuen Exportkapazitäten der USA anzeigt. Wenn der weltweite LNG-Spotmarkt in der Lage ist, diese neuen Lieferungen reibungslos aufzunehmen, könnte die starke Exportnachfrage in der zweiten Jahreshälfte einen soliden Preissockel für die inländischen US-Gasmarktpreise bieten.
Forward-Kurve und saisonale Preiserwartungen
Beschränkt durch den hohen aktuellen Lagerbestand, steht die Forward-Kurvenstruktur der NYMEX-Erdgasfutures vor einer Neupreisung. Obwohl der kurzfristige Kontrakt aufgrund des Überangebots erheblich geschwächt ist, bestehen aufgrund möglicher Spitzen bei der Stromerzeugung während der Sommerhitze und des rigiden Bedarfs in der Wintersaison Vorbehalte gegenüber den Forward-Kontrakten. Händler beobachten derzeit aufmerksam mittelfristige Wettervorhersagemodelle. Wenn extreme El Niño- oder La Niña-Phänomene zu ungewöhnlichen Klimasituationen führen, könnte der gegenwärtige Lagerüberschuss in kürzester Zeit abgebaut werden, was zu starken Schwankungen der Kontrakte für die Weiterkontrakte führen würde.