Am zweiten Handelstag nach der Wahl erfasste ein breiter Ausverkauf die US-Börsen. Die Verluste reichten von Chip- und KI-Unternehmen bis zu Einzelhandels-, Finanz-, Immobilien- und Reisewerten. Der Nasdaq Composite gab 5,5 Prozent nach und fiel unter seinen 200-Tage-Durchschnitt. Der S&P 500 verlor 4,35 Prozent und erreichte ein Dreimonatstief, der Dow Jones Industrial Average sank um 3,5 Prozent. Anleger richteten den Blick zugleich auf Unternehmenszahlen und den anstehenden Arbeitsmarktbericht für Oktober.
Breite Verluste bei Indizes und Nebenwerten
Der starke Rückgang des Nasdaq am Donnerstag brachte den Index in die Nähe seines Tiefs von Ende Juli. Der S&P 500 fiel von seinem 50-Tage-Durchschnitt in Richtung der 200-Tage-Linie. Der Dow gab seine Gewinne vom Mittwoch, als er 3 Prozent zugelegt hatte, wieder ab und rutschte erneut unter den 50-Tage-Durchschnitt. Der Russell 2000, ein wichtiger Index für kleinere Unternehmen, verlor 4,45 Prozent und fiel damit wieder unter seine 50- und 200-Tage-Durchschnitte.
Der gleichgewichtete S&P-500-ETF RSP sank um 2,9 Prozent und näherte sich seinem 21-Tage-Durchschnitt. Kurz nach Handelsbeginn hatte der Fonds noch ein Rekordhoch erreicht, drehte anschließend aber ins Minus. Das spricht dafür, dass sich der Verkaufsdruck nicht auf einige wenige große Technologiewerte beschränkte.
Nach Börsenschluss gaben die Futures leicht nach. Dow-Futures notierten 0,3 Prozent unter ihrem fairen Wert, S&P-500- und Nasdaq-100-Futures jeweils 0,2 Prozent tiefer. Bewegungen im nachbörslichen Handel lassen jedoch nicht zwingend auf den Verlauf der nächsten regulären Sitzung schließen.
Chip- und KI-Aktien führen die Verlierer an
Besonders stark traf es Chiphersteller und Unternehmen mit Bezug zu künstlicher Intelligenz. Sandisk verlor 22,3 Prozent, Bloom Energy 16,4 Prozent, CoreWeave 9,8 Prozent und Nvidia 9,3 Prozent. Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. gab 10,8 Prozent nach. SpaceX fiel um 9,05 Prozent auf 123,62 US-Dollar und schloss damit erstmals seit mehreren Monaten unter seinem IPO-Preis von 135 US-Dollar.
Zusätzlichen Druck auf Technologiewerte gab es wegen der Sorge, das Wahlergebnis könne den Bau von Rechenzentren beeinflussen. Der Ausverkauf griff jedoch rasch auf andere Branchen über: Software-, Einzelhandels-, Immobilien-, Finanz- und Reiseaktien verloren ebenfalls. Auch Versicherer und Basiskonsumgüterwerte, die häufig als defensiver gelten, gaben gegenüber früheren Kursständen nach.
Branchenfonds machten die Breite der Verluste deutlich. Der VanEck Semiconductor ETF (SMH) fiel um 11,2 Prozent, der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) um 4,4 Prozent. Der ARK Innovation ETF (ARKK) verlor 9 Prozent, der ARK Genomic Revolution ETF (ARKG) 10,2 Prozent. SpaceX ist die zweitgrößte Position in den ETFs von ARK Invest. Der Industrial Select Sector SPDR Fund (XLI) sank um 4,1 Prozent, der Financial Select Sector SPDR Fund (XLF) um 2,85 Prozent.
Auch Rohstoff-, Reise- und Gesundheitswerte standen unter Druck: Der SPDR S&P Metals and Mining ETF (XME) verlor 5,6 Prozent, der U.S. Global Jets ETF (JETS) 3,7 Prozent und der SPDR S&P Homebuilders ETF (XHB) 3,4 Prozent. Der Energy Select Sector SPDR Fund (XLE) gab 2,9 Prozent nach, der Health Care Select Sector SPDR Fund (XLV) 2,5 Prozent.
Volatilität steigt vor US-Arbeitsmarktbericht
Der Cboe Volatility Index (VIX), der die erwartete Schwankungsintensität am Aktienmarkt abbildet, stieg zeitweise um fast 68 Prozent auf den höchsten Stand seit Ende März. Auch der Nasdaq-100-Volatilitätsindex (VXN) erreichte den höchsten Wert seit April 2025. Ein rascher Anstieg der Volatilität kann mitunter einem kurzfristigen Markttief vorausgehen, bedeutet aber nicht, dass eine Erholung unmittelbar bevorsteht. Für die Einschätzung der Tageslage bleiben die Entwicklung der Indizes und die Kursbewegungen einzelner Aktien maßgeblich.
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank um 5,5 Basispunkte auf 4,84 Prozent. US-Rohöl verteuerte sich um 2,7 Prozent auf 90,52 US-Dollar je Barrel.
Das US-Arbeitsministerium soll seinen Arbeitsmarktbericht für Oktober um 8.30 Uhr Eastern Time veröffentlichen. Ökonomen erwarten einen Anstieg der Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft um 62.000, nach 29.000 im September. Für die Arbeitslosenquote wird ein unveränderter Wert von 4,2 Prozent prognostiziert. An den Märkten gilt eine Zinserhöhung der Federal Reserve im Dezember weiterhin als wahrscheinlich. Die Beschäftigungsdaten liefern einen wichtigen Hinweis auf die Lage am Arbeitsmarkt und die Erwartungen an die Geldpolitik.
Unternehmenszahlen bewegen Einzelaktien unterschiedlich
Mehrere Unternehmen legten ihre Ergebnisse nach dem Handelsschluss am Donnerstag vor. Die Aktien von Cloudflare und Airbnb stiegen; Airbnb kletterte dabei wieder über einen charttechnischen Einstiegspunkt. Dropbox legte leicht zu, blieb aber innerhalb einer Konsolidierungsphase. Atlassian, Affirm, Guardant Health, Natera, Five9 und 10X Genomics verloren nachbörslich. Halozyme Therapeutics und FIGS gaben bereits während der Sitzung am Donnerstag von Kursständen nahe ihren Höchstwerten nach.
Palomar Holdings, Veeva Systems, CSX, Apple und e.l.f. Beauty notierten an oder nahe Bereichen, die technische Analysten als Kaufzonen bezeichnen. Bei den kräftig fallenden Indizes und den branchenübergreifenden Verlusten blieben jedoch auch Einzelaktien dem allgemeinen Marktdruck ausgesetzt. Kursgewinne nach Unternehmenszahlen könnten sich zudem als schwer zu halten erweisen, während die Volatilität steigt und Anleger prüfen, ob Ausbrüche Bestand haben.