US-Aktien gerieten am Donnerstag deutlich unter Druck. Anleger trennten sich von Technologiewerten, die den Markt in diesem Jahr maßgeblich getragen hatten. Der Nasdaq Composite verlor 5,5 Prozent auf 24.315 Punkte – der stärkste prozentuale Tagesverlust seit April 2025. Vom jüngsten Hoch bei 27.599,79 Punkten am 6. Oktober liegt der Index inzwischen mehr als zehn Prozent entfernt und damit im Korrekturbereich. Der Volatilitätsindex VIX erreichte den höchsten Stand seit März.
Der Dow Jones Industrial Average gab 3,4 Prozent auf 51.523 Punkte nach, der S&P 500 fiel um 4,4 Prozent auf 7.353 Punkte. Alle elf Sektoren des S&P 500 schlossen im Minus; Informationstechnologie verzeichnete den stärksten Rückgang. Im Fokus standen die Bewertungen von KI-Aktien, die Perspektiven für den Bau von Rechenzentren und die Frage, ob sich die hohen Investitionen großer Konzerne in künstliche Intelligenz dauerhaft auszahlen.
Nvidia und Speicherchip-Aktien führen die Verluste an
Besonders stark traf es Speicherchiphersteller, deren Aktien in diesem Jahr in Erwartung einer steigenden KI-Nachfrage kräftig zugelegt hatten. Micron Technology verlor 17,5 Prozent, Sandisk 22,3 Prozent. Zuvor hatten sich die Kurse seit Jahresbeginn etwa verdreifacht beziehungsweise vervierfacht. Nvidia fiel um 9,3 Prozent. Einen größeren Tagesverlust hatte die Aktie zuletzt am 27. Januar 2025 erlitten, als sie im Zuge der Marktreaktion auf DeepSeek 17 Prozent einbüßte.
Auch große Cloud-Anbieter mit umfangreichen KI-Investitionsplänen schlossen schwächer: Alphabet gab 2,2 Prozent nach, Meta Platforms 4,0 Prozent und Microsoft 3,6 Prozent. Bedenken, dass der Ausbau von Rechenzentren auf politischen Widerstand oder Ablehnung vor Ort stoßen könnte, verstärkten die Unsicherheit über Bauzeiten und die Rendite der geplanten Investitionen.
David Bahnsen, Chief Investment Officer der Bahnsen Group, führte den Rücksetzer sowohl auf die Kluft zwischen den Bewertungen von Technologiewerten und ihren Fundamentaldaten als auch auf den KI-Optimismus zurück, der die Kurse zuvor nach oben getrieben hatte. Die Bewertungen im Sektor seien weiterhin hoch. Den Rückgang des Tages wertete Bahnsen nicht als eindeutige Kaufgelegenheit; er verwies stattdessen auf Bereiche wie Basiskonsumgüter und Energie, deren Cashflows vergleichsweise stabil seien. Seine Einschätzung gibt seine persönliche Marktsicht wieder und stellt keine allgemeine Konsensmeinung dar.
Qualcomm übertrifft Erwartungen, Ausblick bleibt etwas zurück
Qualcomm verlor am Donnerstag 9,5 Prozent. Neben dem schwachen Gesamtmarkt belastete ein Ausblick auf das kommende Quartal, der leicht unter den Analystenerwartungen lag. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres erzielte der Konzern einen Gewinn von 2,17 US-Dollar je Aktie und einen Umsatz von 10,4 Milliarden US-Dollar. Beide Kennzahlen lagen über den Prognosen der Wall Street.
Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellte Qualcomm beim Gewinn je Aktie einen Mittelwert von 2,25 US-Dollar in Aussicht. Analysten hatten 2,27 US-Dollar erwartet. Rick Schafer, Analyst bei Oppenheimer, sieht Stärken des Unternehmens bei Basisbandchips und integrierten Ein-Chip-Lösungen. Zugleich sei Qualcomm weiterhin vom Smartphone-Markt abhängig, in dem sich das Wachstum verlangsame und der Wettbewerb zunehme.
Qualcomm baut sein Geschäft unter anderem im Bereich Rechenzentren aus. Schafer will nach eigener Aussage zunächst abwarten und an seiner Einstufung „Hold“ festhalten, bis ein stärkeres Wachstum außerhalb des Kerngeschäfts mit Mobiltelefonen erkennbar ist.
AppLovin steigt nach starken Zahlen um 31 Prozent
Gegen den breiten Ausverkauf bei Technologiewerten legte AppLovin kräftig zu: Die Aktie sprang um 31 Prozent und verzeichnete damit den größten Tagesgewinn seit zwei Jahren. Die Plattform für mobile Werbung meldete für das dritte Quartal einen Gewinn von 4,30 US-Dollar je Aktie, ein Plus von 76 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz stieg um 55 Prozent auf 2,18 Milliarden US-Dollar. Beide Werte übertrafen die Analystenerwartungen.
Alicia Reese, Analystin bei Wedbush, bezeichnete das Quartal als wichtigen Leistungstest für AppLovin und erklärte, die Ergebnisse hätten die Erwartungen erfüllt. Sie bestätigte ihre Einstufung „Outperform“ und hob das Kursziel von 560 auf 600 US-Dollar an. Das vierte Quartal sei für Werbung üblicherweise saisonal stark; insbesondere Anzeigen aus dem E-Commerce könnten dann einen größeren Umsatzbeitrag leisten.
Die gegenläufigen Kursbewegungen am Donnerstag zeigten, wie stark einzelne Ergebnisse und Ausblicke die Entwicklung einer Aktie beeinflussen können. Gleichzeitig belastete die nachlassende Risikobereitschaft den Gesamtmarkt.