Circle hat im dritten Quartal einen Umsatz einschließlich Reserveerträgen von 865 Millionen Dollar erzielt, 17 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das bereinigte EBITDA lag mit 317 Millionen Dollar über den Markterwartungen. Allerdings steuerte der Vorverkauf des ARC-Tokens 182 Millionen Dollar bei. Ohne diesen Betrag läge der Quartalsumsatz rechnerisch bei rund 683 Millionen Dollar und damit unter den 740 Millionen Dollar des Vorjahres. Das Kerngeschäft mit Reserveerträgen steht weiter unter Druck.
ARC-Vorverkauf treibt die Quartalszahlen
Das bereinigte EBITDA übertraf den Marktkonsens von 218 Millionen Dollar sowie die Prognose von Clear Street, die bei 220 Millionen Dollar lag. Clear Street führte die Abweichung vor allem auf die Einnahmen aus dem ARC-Vorverkauf zurück, die 92 Millionen Dollar über der eigenen Schätzung lagen. Ohne diesen Beitrag hätte das bereinigte EBITDA etwa 135 Millionen Dollar betragen, nach 143 Millionen Dollar im zweiten Quartal.
Auch beim Umsatz zeigt sich der Effekt des Vorverkaufs. Circle wies insgesamt 865 Millionen Dollar Umsatz und Reserveerträge aus. Zieht man den ARC-Beitrag von 182 Millionen Dollar davon ab, ergibt sich rechnerisch ein Wert von rund 683 Millionen Dollar. Diese Rechnung veranschaulicht den Einfluss des Vorverkaufs auf die Quartalssumme; sie ist keine von Circle ausgewiesene bereinigte Ergebniskennzahl.
Die gesamten Einnahmen aus dem Vorverkauf entsprechen zudem nicht zwangsläufig den im dritten Quartal eingegangenen Zahlungsmitteln. Die Umsatzrealisierung richtet sich danach, inwieweit die jeweiligen Leistungsverpflichtungen erfüllt wurden. Sie belegt nicht, dass das Arc-Netzwerk bereits nachhaltige, wiederkehrende Transaktionsgebühren erzielt.
Clear Street schätzte Circles Umsatz nach Vertriebskosten auf 453 Millionen Dollar. Daraus ergibt sich eine Marge von 52,4 Prozent. Ohne ARC hätte sie bei rund 39,7 Prozent gelegen und damit unter den 41,2 Prozent des Vorquartals. Der Vorverkauf hob somit sowohl den ausgewiesenen Umsatz als auch die scheinbare Profitabilität des Quartals an.
Mehr USDC-Transaktionen, niedrigere Reserveerträge
Das traditionelle Reservegeschäft entwickelte sich trotz der zunehmenden Nutzung von USDC rückläufig. Die Reserveerträge sanken im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent auf 658 Millionen Dollar. Die durchschnittliche Rendite der USDC-Reserven fiel um 61 Basispunkte auf 3,5 Prozent. Ein Anstieg des durchschnittlichen USDC-Umlaufs um 8 Prozent konnte den Rückgang nur teilweise ausgleichen. Da die Erträge auf Reserveanlagen von den Zinsen abhängen, bleiben die Marktzinsen ein wichtiger Einflussfaktor für Circles Kerngeschäft.
CEO Jeremy Allaire erklärte, USDC habe im Quartal 79 Prozent des Stablecoin-Transaktionsvolumens ausgemacht, verglichen mit 66 Prozent ein Jahr zuvor. Das On-Chain-Transfer-Volumen stieg im Jahresvergleich um 49 Prozent auf 13,9 Billionen Dollar. Die Ausgabe und Einlösung von USDC erreichte mit 208 Milliarden Dollar einen Rekordwert.
Die wachsende Nutzung verschafft Circle eine größere Reichweite, während das Unternehmen sein Geschäft über Reserveerträge hinaus ausbaut. Die Transaktionszahlen gleichen die finanziellen Folgen niedrigerer Reserve-Renditen für sich genommen jedoch nicht aus.
Zahlungsnetzwerk wächst, ARC-Effekt dürfte nachlassen
Das Circle Payments Network verbindet Finanzinstitute für grenzüberschreitende Abwicklungen. Sein annualisiertes Transaktionsvolumen erreichte Ende September 41,3 Milliarden Dollar und lag damit mehr als 15-mal so hoch wie ein Jahr zuvor. Nach Quartalsende stieg es auf über 58 Milliarden Dollar. Zudem plant Circle die Übernahme des grenzüberschreitenden Zahlungsdienstleisters Tazapay, um lokale Auszahlungen auszubauen. Der Abschluss der Transaktion wird für 2027 erwartet.
Parallel entwickelt Circle die Arc-Blockchain, die nach Angaben des Unternehmens als Infrastruktur für institutionelle Abwicklungen und programmierbare Zahlungen dienen soll. Beim Start des öffentlichen Arc-Mainnets im September beteiligten sich laut Circle mehr als 100 Institutionen und Anwendungen. Auf USDC entfielen 99,6 Prozent des über das x402-Protokoll abgewickelten Zahlungsvolumens.
Die neuen Geschäftsbereiche befinden sich noch im Ausbau. Circle erwartet, dass das Payments Network 2027 nennenswerte Umsätze erzielen wird, hat dazu aber keine formelle Prognose veröffentlicht.
Der Ausbau fällt in eine Phase, in der die Umsetzung der US-Regeln für Stablecoins näher rückt. Allaire erwartet, dass der GENIUS Act die Verbreitung regulierter digitaler Dollar unterstützen wird, wenn die Umsetzung im Januar beginnt. Clear Street rechnet derweil damit, dass Circles sonstige Umsätze im vierten Quartal auf 28 bis 48 Millionen Dollar sinken könnten. Grund ist der hohe Vergleichswert aus den im September verbuchten ARC-Vorverkaufserlösen. Die kommenden Quartale werden zeigen, inwieweit Zahlungsdienste und weitere Geschäftsbereiche den Druck auf die Reserveerträge und den erwarteten Rückgang der Vorverkaufserlöse ausgleichen.