KI-Agenten wickeln zunehmend Zahlungen über Krypto-Protokolle ab. Eine hohe Zahl an Transaktionen bedeutet jedoch nicht automatisch, dass dabei größere Summen bewegt werden. Coinbases x402-Protokoll hat seit dem Start rund 200 Millionen Transaktionen abgewickelt. In einer 35-Tage-Stichprobe kamen KI-Agenten auf 6,4 Millionen Zahlungen im Gesamtwert von etwa 120.000 US-Dollar. 90,8 Prozent der einzelnen Zahlungen lagen unter einem Cent. Die Daten zeigen, dass automatisierte Finanzaktivitäten bislang vor allem aus Kleinstbeträgen bestehen – nicht daraus, dass Agenten große Summen verwalten.
x402-Stichprobe: 6,4 Millionen Zahlungen über 35 Tage
x402 ist ein Protokoll, das Zahlungen durch KI-Agenten ermöglichen soll. Befürworter verweisen häufig auf die Zahl der Transaktionen als Beleg dafür, dass Maschinen Geld ohne menschliches Eingreifen bewegen können. Der deutsche Wissenschaftler und KI-Forscher Joscha Bach vertritt die Auffassung, Geld lasse sich als Muster kausaler Beziehungen verstehen und müsse nicht an Papier oder eine andere physische Form gebunden sein. Wenn Maschinen Geld verarbeiten können, könnten Softwareprogramme Finanzaktivitäten grundsätzlich auch ohne direkte menschliche Steuerung ausführen.
Die Zahl der Transaktionen allein sagt allerdings wenig darüber aus, welcher Wert übertragen wird oder wie eigenständig die Agenten handeln. In der 35-Tage-Stichprobe summierten sich 6,4 Millionen Transaktionen auf rund 120.000 US-Dollar. Der weit überwiegende Teil der einzelnen Zahlungen war weniger als einen Cent wert. Das Protokoll weist damit häufige Aktivitäten aus, bei denen die Beträge pro Zahlung meist sehr klein sind. Um den praktischen Fortschritt agentengesteuerter Zahlungen zu beurteilen, sind neben dem Transaktionsvolumen auch die insgesamt bewegten Mittel, die Aufgaben der Agenten und ihr Entscheidungsspielraum relevant.
Zahlungen ausführen ist nicht dasselbe wie Ziele setzen
Bachs Überlegungen berühren eine grundsätzliche Frage zur Automatisierung: Maschinen können Geld verwalten und an Marktaktivitäten teilnehmen. Aus den Zahlungsdaten lässt sich jedoch nicht ableiten, dass Agenten selbstständig Entscheidungen treffen. Bei den untersuchten Produkten konnten KI-Agenten keine eigenen Ziele festlegen. Eine Zahlung auszuführen ist etwas anderes, als selbst zu entscheiden, warum sie vorgenommen wird oder welches Ergebnis erreicht werden soll.
Die rund 200 Millionen Transaktionen seit dem Start und die 6,4 Millionen Zahlungen innerhalb der Stichprobe belegen eine rege Aktivität auf x402. Sie zeigen für sich genommen aber nicht, dass KI-Agenten Geld unabhängig verwalten können. Zugleich macht der Anteil von 90,8 Prozent an Zahlungen unter einem Cent deutlich, dass die derzeitigen Zahlungsströme auf sehr kleine Beträge konzentriert sind. Für Marktteilnehmer, die die Infrastruktur für Krypto-Zahlungen beobachten, sind Transaktionszahl, bewegter Geldwert und die Befugnisse der Agenten unterschiedliche Kennzahlen. Ein hohes Volumen allein belegt nicht, dass maschinell gesteuerte Finanzaktivitäten bereits ausgereift sind.