US-Aktien legten am Mittwoch zu, nachdem sich die Ergebnisse der Zwischenwahlen zunehmend abzeichneten. Der Dow Jones Industrial Average stieg um 3 Prozent auf 53.356 Punkte – der kräftigste Kursgewinn nach Zwischenwahlen seit 1982. Anleger bewerteten zugleich mögliche Folgen des Wahlausgangs für die Politik neu. Öl, Energiewerte und einige Aktien aus dem Rechenzentrumsbereich gerieten unter Druck; die Rally erfasste die Branchen daher nicht gleichmäßig.
US-Indizes steigen, Anleiherenditen geben nach
Der Nasdaq Composite gewann 1,4 Prozent auf 25.736 Punkte, der S&P 500 stieg um 1,6 Prozent auf 7.688 Punkte. Der Nebenwerteindex Russell 2000 legte ebenfalls 1,6 Prozent auf 2.856 Punkte zu. Der Dow führte die großen Indizes an. Unter seinen 30 Mitgliedern schlossen lediglich drei im Minus: Nvidia verlor 3,2 Prozent, Chevron 3,7 Prozent und Caterpillar 5,2 Prozent.
Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen sanken entlang der gesamten Laufzeitenkurve. Die Rendite zweijähriger Treasuries fiel um 3,5 Basispunkte auf 4,579 Prozent, die zehnjähriger Papiere um 6,2 Basispunkte auf 4,888 Prozent und die 30-jähriger Anleihen um 4,7 Basispunkte auf 5,277 Prozent. Der gleichzeitige Anstieg der Aktienkurse und Rückgang der Renditen spiegelte eine Neubewertung des Wahlausgangs und möglicher politischer Folgen wider.
Rechenzentrumsaktien unter Druck wegen möglicher Auflagen
Keith Parker, Leiter der US- und globalen Makrostrategie bei UBS, sagte, in mehreren Bundesstaaten – darunter Texas – hätten Kandidaten gewonnen, die sich für einen Aufschub beim Bau von Rechenzentren ausgesprochen hatten. Zudem zeigten Nachwahlbefragungen, dass eine Mehrheit der Wähler neue Rechenzentren in ihrer Wohngegend ablehne. Parker zufolge könnten die Ergebnisse zu strengeren Regelungen auf Ebene der Bundesstaaten führen und damit die Aktien entsprechender Unternehmen belasten.
Die Cloud-Computing-Plattform CoreWeave verlor 9,9 Prozent, der Rechenzentrumsbetreiber Applied Digital 6,7 Prozent. SpaceX gab um 3,8 Prozent nach. Anleger richteten ihr Augenmerk auf mögliche strengere Genehmigungs- und Kontrollverfahren vor Ort. Die Kursbewegungen einer einzelnen Sitzung lassen jedoch weder auf den weiteren Verlauf der politischen Entscheidungen noch auf deren konkrete Auswirkungen auf einzelne Projekte schließen.
Energiewerte verlieren, die meisten Mega-Caps steigen
Neun der elf Sektoren im S&P 500 schlossen im Plus, darunter Technologie, zyklische Konsumgüter und Basiskonsumgüter. Der Energiesektor fiel um 4,8 Prozent, Industriewerte verloren 1,1 Prozent. Der nächstfällige Terminkontrakt auf die US-Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 7,7 Prozent auf 88,67 US-Dollar je Barrel. Am Markt wurde auch die Möglichkeit veränderter US-Außenpolitik eingepreist; welche konkreten Änderungen es geben könnte, ist bislang offen.
Bei den Dow-Mitgliedern erzielte 3M mit einem Plus von 9,6 Prozent den stärksten Zuwachs. Sherwin-Williams stieg um 6,6 Prozent. Auch die meisten großen Technologiewerte legten zu: Alphabet gewann 3,2 Prozent, Amazon 6,1 Prozent, Apple 5,3 Prozent und Microsoft 6,7 Prozent. Nvidia entwickelte sich gegen den Trend und verlor 3,2 Prozent. Der VanEck Semiconductor ETF gab um 2,8 Prozent nach – ein Zeichen für die uneinheitliche Entwicklung bei Chipaktien.
AMD übertrifft Erwartungen, Nvidia legt Zahlen am 17. November vor
Die AMD-Aktie stieg um 1,0 Prozent. Der Konzern meldete Ergebnisse für das dritte Quartal und legte eine Prognose für das vierte Quartal vor, die über den Erwartungen der Wall Street lag. Das Management verwies auf eine starke Nachfrage nach Enterprise-CPUs und KI-Beschleunigern für Rechenzentren. Der Kursgewinn von AMD stand damit im Gegensatz zu den Verlusten bei Nvidia und dem Halbleiter-ETF, während der Chipsektor insgesamt nachgab.
Nvidia-Chef Jensen Huang soll die Ergebnisse des Unternehmens für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2027 am Dienstag, dem 17. November, nach US-Börsenschluss vorstellen. Die Zahlen dürften Aufschluss über die Nachfrage nach KI-Chips und die Entwicklung des Rechenzentrumsgeschäfts geben. Damit zählt der Bericht zu den kurzfristig anstehenden Unternehmensterminen, die am Markt besonders beachtet werden.