Boston Market, einst eine Kette mit rund 1.200 Restaurants, betreibt heute nur noch eine Handvoll Standorte in Texas und im Nordosten der USA. Bei einem Besuch in Philadelphia fielen großzügige Portionen und vergleichsweise moderate Preise auf. Das Essen überzeugte jedoch nicht durchgehend, und im Gastraum blieb es zunächst ruhig – ein Eindruck von den Herausforderungen der schrumpfenden Kette.
Von Boston Chicken zu sechs Standorten
1985 eröffnete Boston Market in Newton, Massachusetts, zunächst unter dem Namen Boston Chicken. 1995 erhielt die Kette ihren heutigen Namen, nachdem sie ihr Angebot über Hähnchen hinaus erweitert hatte. Bekannt wurde sie mit langsam gegrilltem Hähnchen vom Drehspieß und hausgemachten Beilagen wie Maisbrot, Kartoffelpüree und Stuffing. Später kamen unter anderem Truthahn, Hackbraten, Rippchen, Chicken Wings und Nuggets hinzu. McDonald’s hielt zeitweise eine Beteiligung an der Marke.
Die Zahl der Restaurants ging im Laufe der Jahre stetig zurück. Zu den möglichen Belastungsfaktoren zählen Klagen, Probleme im Management einzelner Standorte, ein größeres Angebot an Fertiggerichten in Supermärkten sowie mehrere Eigentümerwechsel bei Muttergesellschaften und Private-Equity-Investoren. Seit 2020 gehört Boston Market der Engage Brands, LLC. Auf der Website des Unternehmens werden nur noch sechs geöffnete Standorte in Texas und im Nordosten aufgeführt; einige bieten auch Catering an.
Filiale in Philadelphia ist geöffnet und sucht Personal
Das freistehende Restaurant am Roosevelt Boulevard in Philadelphia war mit Schildern für „Open“ und „Now Hiring“ gekennzeichnet; im Inneren brannte Licht. Die rot-schwarze Fassade und das vertraute Markenlogo wirkten aus der Zeit gefallen und erinnerten an eine frühere Ära des Fast-Casual-Essens. Es gab reichlich Parkplätze, bei der Ankunft standen dort jedoch nur wenige Autos. Ein Kunde wartete draußen auf eine Bestellung zum Mitnehmen.
Der Besuch fand am Columbus Day gegen 16 Uhr statt. Der Gastraum war sauber und herbstlich dekoriert, zunächst aber leer; Hintergrundmusik lief nicht. Nach und nach kamen Gäste, vor allem ältere Menschen und Familien. Viele entschieden sich für Essen zum Mitnehmen. Hinter der Theke standen einzelne Pot Pies, Beilagen wurden in Warmhaltebehältern aufbewahrt und Maisbrot lag auf Metallblechen. Aus der Küche war der Geruch von Brathähnchen deutlich wahrnehmbar.
Es gab zahlreiche Sitzplätze, darunter niedrige Tische für zwei Personen und Hochtische an den Fenstern. Die Wände waren schlicht dekoriert, der Boden braun. Als weitere Familien eintrafen, wurde es lebhafter. Im ansonsten ruhigen Raum waren Gespräche jedoch leicht zu hören. Insgesamt eignete sich der Ort eher für eine schnelle Mahlzeit oder eine Abholung als für einen längeren Restaurantbesuch.
Zwei Hauptgerichte und Dessert für 31,97 Dollar vor Steuern
Ein vegetarisches Gericht mit Makkaroni mit Käse, Kartoffelpüree und Süßkartoffel kostete 12,99 Dollar. Ein Menü mit Drehspießhähnchen, Kartoffelscheiben und grünen Bohnen lag bei 13,99 Dollar. Dazu kam ein Stück Karottenkuchen für 4,49 Dollar. Zusammen belief sich der Preis vor Steuern auf 31,97 Dollar.
Die Beilagen waren reichlich bemessen; von beiden Mahlzeiten blieb genug für eine zweite Portion übrig. Am überzeugendsten waren die Makkaroni mit Käse: cremig, mit kräftigem Käsegeschmack und mäßigem Salzgehalt. Das Kartoffelpüree war glatt, aber eher schlicht. Die mit Zimt und geschmolzenen Marshmallows belegte Süßkartoffel schmeckte so süß und üppig, dass sie eher an ein Dessert erinnerte. Das mitgelieferte Maisbrot war leicht süßlich, allerdings trocken und bröselig.
Das Hähnchen sah ansprechend aus und roch appetitlich, hielt aber dem ersten Eindruck nicht stand: Die Haut wirkte ölig, das Fleisch war trocken und wenig aromatisch. Die Kartoffelscheiben schienen gut gewürzt, schmeckten aber eher fade und waren recht fest. Die grünen Bohnen waren ordentlich gegart, ihr Geschmack blieb jedoch mild; Butter, Salz und Pfeffer waren nur dezent wahrnehmbar.
Karottenkuchen überzeugt, Mitnehmen passt besser
Der Karottenkuchen war der beste Teil der Mahlzeit. Das Frischkäse-Frosting war leicht und erinnerte in seiner Konsistenz an Schlagsahne. Der Kuchen selbst war saftig; Walnüsse und Pekannüsse sorgten für spürbaren Biss. Neben dem Kuchen waren im Restaurant auch Desserts wie Kürbis- und Apfelkuchen ausgestellt.
Für rund 32 Dollar vor Steuern erhielten zwei Gäste zwei Hauptgerichte und ein Dessert in großzügigen Portionen; die Preise waren klar ausgewiesen. Einige Hauptgerichte und Beilagen blieben jedoch hinter dem Brathähnchenduft aus der Küche zurück. Auch der ruhige Gastraum bot wenig Anlass, länger zu bleiben. Für Kunden, die Drehspießhähnchen und ähnliche Beilagen suchen, sind die Feinkosttheken von Supermärkten eine praktische Alternative.
Das Restaurant in Philadelphia ist weiterhin geöffnet und stellt Personal ein. Ein einzelner Besuch erlaubt keine Rückschlüsse auf die Geschäftslage der gesamten Kette. Bei diesem Besuch schien Essen zum Mitnehmen besser zu passen: Die Portionen machten satt und die Preise waren nachvollziehbar, während der nur spärlich besetzte Gastraum wenig zum Verweilen einlud.