US-Aktien sind am Donnerstag kräftig gefallen. Besonders stark unter Druck standen Chiphersteller und große Technologiekonzerne. Der Volatilitätsindex VIX stieg über 25, während Anleger heftige Kursreaktionen auf Quartalszahlen, die unklare Regulierung künstlicher Intelligenz und die Konjunkturaussichten abwogen. Der Handel zeigte, wie schnell sich Anleger neu positionieren können – selbst wenn Unternehmen Ergebnisse über den Erwartungen vorlegen.
Chipwerte führen die Verluste an, VIX über 25
Der Trader Chris Ciaccia sagte, der Verkaufsdruck habe bereits zur Börseneröffnung eingesetzt und sich anschließend über den Markt ausgebreitet. Ob große institutionelle Anleger hinter den Verkäufen standen, blieb unklar. Ein Tagesverlust des S&P 500 von mindestens 3 Prozent zusammen mit einem Minus von mindestens 5 Prozent beim Nasdaq ist ungewöhnlich. Starke Ausschläge können zwar mitunter auf technische Handelsstrategien zurückgehen, für den Ausverkauf am Donnerstag gab es jedoch keine eindeutige Erklärung.
Qualcomm steuerte auf den schlechtesten Handelstag seit 2020 zu. Die Aktie von AMD verlor 12 Prozent, Broadcom und Nvidia büßten jeweils rund 5 Prozent ein. Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) fiel um mehr als 7 Prozent. Auch große Plattformkonzerne verzeichneten Verluste: Meta gab 4 Prozent nach, Amazon 3 Prozent; Microsoft lag ebenfalls im Minus. Der VIX kletterte deutlich gegenüber dem Vortag über die Marke von 25 und signalisierte damit größere Sorgen über kurzfristige Kursschwankungen.
Qualcomm-Ausblick verstärkt die Schwankungen nach Zahlen
Die Ergebnisse der Technologieunternehmen sind in dieser Berichtssaison insgesamt solide ausgefallen. Die Kursreaktionen spiegelten die Geschäftszahlen jedoch nicht immer unmittelbar wider. Qualcomms jüngste Quartalsbilanz galt als ordentlich, der Ausblick lag aber leicht unter den Erwartungen. Eine schwache Nachfrage im Mobiltelefongeschäft und ein Datacenter-Geschäft, das noch zu klein ist, um den Druck im Smartphonebereich auszugleichen, trugen zur negativen Reaktion der Anleger bei.
Bei AppLovin ging es in die andere Richtung: Am Morgen nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen stieg die Aktie im frühen Handel um 30 Prozent. Der große Ausschlag trotz besser als erwarteter Ergebnisse verdeutlichte, wie volatil das Marktumfeld derzeit ist. Analysten wiesen darauf hin, dass eine starke Kursbewegung nicht zwangsläufig bedeutet, dass sich die Fundamentaldaten eines Unternehmens innerhalb kurzer Zeit in ähnlichem Umfang verändert haben. Auch die Reaktion des Marktes auf Quartalszahlen kann sich in den folgenden Handelssitzungen noch verschieben.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die mögliche Regulierung von KI. Neue Vorgaben könnten die KI-Lieferkette betreffen, die Richtung der politischen Entscheidungen ist aber noch offen. Wechselnde Erwartungen an Regulierung, Unternehmensgewinne und Konjunktur tragen zu größeren Kursschwankungen bei Technologiewerten im Tagesverlauf bei.
Apple plant sieben Tranchen im Volumen von rund 7 Milliarden Dollar
Apple kündigte eine sieben Tranchen umfassende Anleiheemission an. Der Konzern begibt regelmäßig Schuldtitel, um Aktienrückkäufe zu finanzieren oder allgemeine Unternehmenszwecke abzudecken. Erste Marktschätzungen bezifferten das Volumen auf rund 7 Milliarden Dollar; die Laufzeiten sollen demnach bis in die Mitte der 2030er-Jahre reichen. Das endgültige Emissionsvolumen und die Kupons standen noch nicht fest. Nach der Ankündigung legte die Apple-Aktie im frühen Handel zu.
Die erwartete Emission fällt kleiner aus als die umfangreichen Fremdfinanzierungen, die Alphabet, Amazon und Meta zuletzt aufgenommen hatten. Anleger haben in den vergangenen Monaten zudem Apples vergleichsweise stetige Geschäftsentwicklung im Blick behalten: Das iPhone bleibt das wichtigste Produkt, das Mac-Geschäft entwickelte sich stark, das iPad-Geschäft verbesserte sich und die Serviceerlöse wachsen weiter. Auch Apples im Vergleich zu einigen Wettbewerbern zurückhaltendere KI-Ausgaben fließen in die Einschätzung von Kosten und operativer Stabilität ein.
Unity erzielt erstmals GAAP-Gewinn, Gold erholt sich
Unity Software übertraf im dritten Quartal die Erwartungen beim Umsatz und bei weiteren Kennzahlen. Zudem verbuchte das Unternehmen seit seinem Börsengang erstmals einen Gewinn nach GAAP. Der Ausblick für das vierte Quartal lag deutlich über den Wall-Street-Erwartungen. Vor Handelsbeginn stieg die Aktie zeitweise um bis zu 22 Prozent. Unity konkurriert mit AppLovin; die kräftigen Kursbewegungen bei beiden Unternehmen nach ihren Ergebnisberichten standen im Fokus der Anleger.
Gold hat in den vergangenen Tagen zugelegt, nachdem der Preis rund sechs Monate lang nachgegeben hatte. Auch Silber und andere Metalle entwickelten sich stark. Anleger betrachten Gold als einen möglichen sicheren Hafen. Die jüngsten Kursgewinne fallen jedoch in eine Phase zunehmender Unsicherheit über die Politik und die Konjunktur. Die Kapitalströme könnten sich weiterhin mit der Marktstimmung verändern.
Am Abend warteten Anleger außerdem auf Geschäftszahlen von Akamai, Unternehmen aus dem Quantencomputing-Sektor, Atlassian und Dropbox. Dropbox kündigte die größte Übernahme seiner Unternehmensgeschichte an. Zudem wurde die geplante Übernahme von Lumentum durch Marvell im Volumen von 115 Milliarden Dollar genannt. Im Mittelpunkt stehen nun die anstehenden Ergebnisse und Transaktionen sowie die Frage, ob die starken Kursschwankungen an den Aktienmärkten anhalten.