Ethereum zeigt ein Handelsmuster, das an die Phase vor der Erholung im Juni erinnert: An einem einzigen Tag wurden fast 169.770 ETH von Kryptobörsen abgezogen. Nach Daten von Santiment war dies der größte Tagesabfluss seit mehr als vier Monaten. Sinkende Börsenbestände können das kurzfristig zum Verkauf verfügbare Angebot verringern. Die anhaltenden Abflüsse aus US-Spot-ETFs auf Ethereum zeigen jedoch, dass eine beständige Nachfrage bislang fehlt.
Am 24. Oktober lag Ethereum rund 2,34 Prozent im Minus. Santiment verglich den aktuellen Abfluss mit der Marktlage vom 5. Juni. Damals verließen etwa 223.800 ETH die Börsen. Der Kurs fiel kurzzeitig auf den niedrigsten Stand seit April 2025, erholte sich anschließend jedoch vergleichsweise schnell. Die Abflüsse vom 5. Juni erwiesen sich später als lokaler Kaufzeitpunkt, erklärte das Analyseunternehmen. Zugleich wies es darauf hin, dass historische Marktverläufe keine Wiederholung in der aktuellen Situation garantieren.
Santiment beobachtet die Börsenbestände
Aus Sicht der Marktstruktur kann der Abzug von ETH von Börsen das unmittelbar verfügbare Verkaufsangebot kurzfristig reduzieren. Sollten die Nettoabflüsse anhalten und sich der ETH-Kurs in der Nähe des aktuellen Niveaus behaupten, könnte sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage allmählich zugunsten der Käufer verschieben. Ein einzelner Tageswert bei den Kapitalflüssen reicht jedoch nicht aus, um eine Trendwende zu bestätigen. Entscheidend bleibt, ob weiterhin Coins von den Börsen abgezogen werden und ob der Markt den Verkaufsdruck aufnehmen kann.
Der 5. Juni steht besonders im Fokus, weil die Börsenabflüsse zeitlich nahezu mit einem Kursboden und der anschließenden Erholung zusammenfielen. Der aktuelle Abfluss war zwar geringer als die damals verzeichneten rund 223.800 ETH, stellte aber dennoch den größten Tagesabfluss seit mehr als vier Monaten dar. Damit liefert er einen beachtenswerten Hinweis auf Veränderungen bei den Beständen der Anleger und den Inventaren der Börsen.
US-Spot-ETFs verzeichnen weiter Mittelabflüsse
Der Rückgang der ETH-Bestände auf den Börsen steht derzeit im Gegensatz zu den institutionellen Kapitalströmen in den USA. Daten von SoSoValue zufolge verzeichneten US-Spot-ETFs auf Ethereum an 14 der ersten 16 Handelstage im Oktober Nettoabflüsse. Insgesamt zogen Anleger in diesem Zeitraum 1,18 Milliarden US-Dollar ab.
Im selben Zeitraum sanken die kombinierten Nettovermögen der US-Spot-ETFs auf Ethereum auf 14,57 Milliarden US-Dollar. Das war der niedrigste Stand seit dem 21. August. Anhaltende Rückgaben aus den ETFs zeigen, dass die zusätzliche Nachfrage über traditionelle Finanzkanäle begrenzt bleibt. Damit fällt auch die unmittelbare Kursstützung schwächer aus, die ansonsten durch die Abflüsse von den Börsen entstehen könnte.
Der Markt liefert somit zwei gegenläufige Signale. Der Abzug von ETH von den Börsen kann das kurzfristige Verkaufsangebot verringern, während die fortgesetzten Abflüsse aus Spot-ETFs auf eine weiterhin unzureichende Nachfrage im US-Markt hindeuten. Sollten die Börsenabflüsse weiter zunehmen und die ETF-Rückgaben nachlassen, wäre das Verhältnis von Angebot und Nachfrage klarer einzuschätzen. Bis dahin bleibt das Muster vom Juni ein historischer Vergleich und keine Bestätigung für eine erneute Erholung.