- Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, erklärte am Montag im Europäischen Parlament, dass es keine Anzeichen für einen Anstieg der Inflation gibt, der eine stärkere politische Reaktion erfordern würde, und dass die Unternehmensaktivitätsdaten ebenfalls moderate Inflationsindikatoren zeigen.
- Die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen blieb am Mittwoch in der Nähe des 11-Wochen-Tiefs und fiel im Tagesverlauf leicht auf 2,91 %, den niedrigsten Stand seit Anfang April dieses Jahres. In dieser Woche ist sie um fast 8 Basispunkte gesunken.
- Der Derivatemarkt erwartet, dass die Europäische Zentralbank in diesem Jahr nur um weitere 25 Basispunkte anheben wird, während die hawkischen Erwartungen der US-Notenbank (Fed) die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen auf 4,48 % steigen ließen, wodurch der Spread zwischen den 10-jährigen US- und deutschen Staatsanleihen auf 157 Basispunkte ausgeweitet wurde.
Renditen europäischer Anleihen erreichen mehrwöchige Tiefstände
Die Benchmark-Kreditkosten der Eurozone standen am Mittwoch weiterhin unter Druck. Die Rendite der 10-jährigen deutschen Staatsanleihen, die als Benchmark für die Eurozone dient, lag zuletzt bei 2,91 % und damit in der Nähe des niedrigsten Standes seit Anfang April. Die Erwartungen der Investoren hinsichtlich des zukünftigen Zinserhöhungsspielraums der Europäischen Zentralbank haben sich weiter verengt, was hauptsächlich durch die kontrollierten Inflationsaussichten und die moderaten Wirtschaftsaktivitätsindikatoren unterstützt wird. Auch der kurzfristige Anleihemarkt bleibt stabil, die Rendite der 2-jährigen deutschen Staatsanleihen bleibt bei 2,50 %, während die Rendite der 30-jährigen deutschen Staatsanleihen um fast 2 Basispunkte auf 3,46 % fiel und ebenfalls mehrwöchige Tiefstände erreichte.
Lagarde deutet auf begrenzte Straffung der Politik hin
Der Abwärtstrend der europäischen Anleiherenditen wurde am Montag durch Lagardes Aussage vor dem Europäischen Parlament gefestigt. Lagarde betonte in ihrer Rede, dass es derzeit keine Anzeichen für ein Inflationsrisiko gibt, das eine stärkere geldpolitische Reaktion in der Eurozone erfordern würde. In Verbindung mit den kürzlich veröffentlichten Unternehmensaktivitätsdaten wie dem PMI zeigen die Kerninflationsindikatoren der Region Stabilität, was die Notwendigkeit einer weiteren aggressiven Straffung der Geldpolitik einschränkt. Obwohl die Europäische Zentralbank in diesem Monat eine Zinserhöhung vorgenommen hat, zeigt die aktuelle Swap-Marktpreisgestaltung, dass Händler in diesem Jahr nur noch einen Spielraum für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte erwarten und die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung bis 2026 deutlich gesunken ist.
US-deutscher Spread erreicht neues Hoch seit 2025
Unterdessen zeigt sich auf der anderen Seite des Atlantiks eine deutliche Divergenz zwischen dem geldpolitischen Kurs der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank. Aufgrund starker Makrodaten haben Händler ihre Erwartungen an die US-Notenbank in eine hawkischere Richtung geändert, was die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen auf 4,48 % steigen ließ. Diese Divergenz führte dazu, dass sich der Spread zwischen den 10-jährigen US- und deutschen Staatsanleihen auf etwa 157 Basispunkte ausweitete, was den größten Spread seit August 2025 darstellt. Diese Spread-Ausweitung könnte anhaltenden Abwärtsdruck auf den Euro gegenüber dem US-Dollar ausüben.
Marktausblick und Variablenbewertung
Mit Blick auf die Zukunft wird die Preislogik des Anleihemarktes der Eurozone weiterhin ein Gleichgewicht zwischen dem verlangsamten Wirtschaftswachstum und der kontrollierten Inflation suchen. Sollte die zukünftige Veröffentlichung der Kerninflationsdaten der Eurozone eine unerwartete Erholung zeigen, könnte die Marktbewertung der Zinssätze der Europäischen Zentralbank einem erneuten Bewertungsrisiko ausgesetzt sein. Im Gegenteil, wenn die Unternehmensaktivitäten in der Eurozone weiter schwächeln, könnte dies den Markt dazu veranlassen, frühzeitig auf einen Zinssenkungszyklus zu setzen, was die Renditen weiter nach unten treiben würde.