Starkes Wachstum erwartet: Prognosemärkte kurz vor bedeutendem Skalensprung
Die Prognosemärkte in den USA erfahren derzeit einen erheblichen Aufschwung. Plattformen wie Kalshi, Polymarket und DraftKings Predictions ermöglichen es privaten Anlegern, auf Ereignisse von US-Wahlen über geldpolitische Entscheidungen bis hin zu den Oscar-Gewinnern zu setzen. Laut Bernstein könnte das Handelsvolumen in diesem Jahr erstmals die Marke von 240 Milliarden US-Dollar übersteigen und bis 2030 auf rund 1 Billion US-Dollar anwachsen.
Zielgruppe und Marketing: Erweiterung des Investorenstamms
Derzeit ist die Nutzerbasis der Prognosemärkte überwiegend jung und männlich, über 93 % sind jünger als 50 Jahre. Truist Securities zeigt auf, dass Anbieter versuchen, gezielt auch ältere Investoren anzusprechen, um das Wachstumspotenzial zu erhöhen. Dabei wird verstärkt herausgestellt, dass Prognosemärkte als regulierte Handelsplätze unter der Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) gelten, um sie von herkömmlichen Wettangeboten klar abzugrenzen. Barry Jonas, erfahrener Analyst für Gaming-Aktien bei Truist, betont: „Das Ziel ist, Investoren mit verfügbaren Einkünften und Zeit zu erreichen – das ist ein nachvollziehbarer Schritt hinsichtlich der Marktentwicklung.“
Handelsmechanismus: Vertragsbasierte Märkte zwischen Wetten und Derivaten
Prognosemärkte funktionieren über den Handel mit Verträgen, die auf den Ausgang zukünftiger Ereignisse setzen. Diese Märkte finden sowohl auf eigenständigen Plattformen als auch integriert in Investment-Apps wie Robinhood oder Coinbase statt. Der Preis eines Vertrags liegt zwischen 1 und 99 Cent, wobei ein korrekter Tipp eine Auszahlung von 1 US-Dollar garantiert. Anders als bei Wettanbietern entsteht der Preis durch Angebot und Nachfrage ohne festen Buchmacher, und Einnahmen generieren sich hauptsächlich durch Handelsgebühren.
Zudem können Anleger ihre Positionen vor dem Eintritt des Ereignisses jederzeit handeln, wobei die Kurse sich dank aktueller Informationen dynamisch anpassen – ein Kennzeichen von Finanzderivaten. Aufgrund ihrer Struktur unterliegen diese Märkte der Aufsicht durch die CFTC, allerdings versuchen mindestens 16 Bundesstaaten gesetzliche Einschränkungen oder Verbote durchzusetzen mit dem Argument, dass die Märkte Züge von Sportwetten aufweisen.
Unterschiedliche Wahrnehmung der Nutzer und uneinheitliche Regulierungsansätze
Untersuchungen zeigen, dass etwa ein Viertel der Nutzer Prognosemärkte als reine Unterhaltung ansieht, 18 % sie als spekulatives Glücksspiel mit einer intellektuellen Fassade bewerten. Weitere 25 % nutzen sie als Ergänzung ihres Investmentportfolios, während 20 % den Märkten eine Rolle als alternatives Anlagevehikel zuschreiben. Die American Gaming Association weist darauf hin, dass rund 25 % der Nutzer sogar Gelder aus regulären Investitionen einsetzen, was die Vermischung von Kapitalverwendung erschwert.
Risiken durch Informationsasymmetrien und Insiderhandel
Viele private Anleger vertrauen darauf, mit Fachwissen in einem speziellen Themenbereich die Märkte schlagen zu können. Allerdings steht ihnen häufig professionelle Konkurrenz mit Insiderwissen und umfassenden Analysen gegenüber. Barry Jonas von Truist betont: „Hier handelt es sich nicht um einen einfachen Wettbewerb gleichberechtigter Privatanleger.“
Im vergangenen Jahr wurden mehrere Fälle von Insiderhandel bekannt, unter anderem ein US-Soldat, der mutmaßlich geheime Informationen nutzte, um auf Polymarket auf die mögliche Verhaftung des venezolanischen Präsidenten Maduro zu setzen und Gewinne von über 400.000 US-Dollar zu erzielen. Diese Vorfälle haben die Branche sensibilisiert.
Überwiegende Verluste bei Privatnutzern erfordern vorsichtigen Umgang
Obwohl mehr als die Hälfte der Anwender Prognosemärkte für lukrativer als herkömmliche Sportwetten halten und knapp 70 % von eigenen Gewinnen ausgehen, zeigen Daten ein anderes Bild. Bloomberg-Analysen legen offen, dass mehr als doppelt so viele Konten Verluste über 1.000 US-Dollar aufweisen als Gewinnerkonten. Seit 2022 befinden sich etwa 70 % der Polymarket-Konten in der Verlustzone. Die einzelnen Einsätze bleiben meist gering, bei der Hälfte liegen die Beträge pro Vertrag unter 100 US-Dollar.
Experten raten deshalb, Einsatzgrößen und Häufigkeit strikt zu begrenzen, langfristiges Kapital nicht mit einzubeziehen und die Beteiligung als unterhaltende Aktivität statt kapitalbildende Investition zu sehen.
Der Finanzprofessor Richard Warr von der North Carolina State University fasst zusammen: „Prognosemärkte sind interessant, sollten aber ähnlich wie Sportwetten oder Casinospiele behandelt werden. Für eine echte Vermögensbildung sind verlässlichere Investments zu empfehlen.“ Finanzberater können helfen, Anlageentscheidungen an individuelle Ziele und Risikotragfähigkeit anzupassen.