Keel beendet Bitcoin-Mining und wandelt Standorte in KI-Zentren um
Der US-Infrastrukturdienstleister Keel hat alle seine Bitcoin-Mining-Aktivitäten in den USA eingestellt und beginnt mit der Umwandlung seiner Strom reichen Anlagen in Zentren für künstliche Intelligenz (KI) und Hochleistungsrechnen. CEO Ben Gagnon erklärt, dass die begrenzte Stromverfügbarkeit der Hauptgrund für den Wandel ist. Die Umstellung läuft bereits seit etwa 18 Monaten; in drei Schlüsselprojekten stehen die Genehmigungsverfahren kurz vor dem Abschluss.
Einnahmenrückgang im zweiten Quartal, Verkauf von Bitcoin stärkt Liquidität
Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete Keel einen Umsatzrückgang um 50 % auf 30,4 Millionen US-Dollar sowie einen Nettoverlust von 65 Millionen US-Dollar. Das bereinigte EBITDA lag mit einem Minus von 24 Millionen US-Dollar ebenfalls negativ. Belastend wirkten sich neben dem schwächeren Bitcoin-Kurs die Einstellung des Mines am Moses Lake im April aus. Zwischen April und August verkaufte Keel 1085 Bitcoins und generierte daraus etwa 75 Millionen US-Dollar liquide Mittel. Der aktuelle Bitcoin-Bestand des Unternehmens beträgt 1861 Einheiten. Insgesamt hält Keel rund 819 Millionen US-Dollar an Liquidität, davon 698 Millionen US-Dollar als frei verfügbare Cash-Mittel und 121 Millionen US-Dollar nicht-verpfändete Bitcoins. Darüber hinaus brachte eine Wandelanleihe 458 Millionen US-Dollar frisches Kapital herein.
KI-Infrastruktur als neuer strategischer Schwerpunkt
Keel fokussiert sich künftig auf den stark wachsenden Markt für KI und HPC (High Performance Computing). Ein bedeutendes Projekt in Sherbrooke, Quebec, wurde mit der lokalen Regierung hinsichtlich einer Übernahme und Betrieb eines 96-Megawatt-Stromkapazitätszentrums vereinbart. Dieser Trend spiegelt sich auch bei anderen Minern wider, die den Wert von Netzanschlüssen und Stromlieferverträgen zunehmend über die reine Mining-Hardware stellen. So unterzeichnete Bitdeer kürzlich einen 16-Jahres-Vertrag über KI-Infrastruktur mit einem Volumen von rund 4,7 Milliarden US-Dollar für ein 121-Megawatt-Rechenzentrum in Tydal, Norwegen. Fred Thiel, CEO von Marathon Digital Holdings (MARA), betont, dass die Knappheit von günstiger Elektrizität die Wirtschaftlichkeit traditioneller Bitcoin-Miner stark einschränkt, während KI-Projekte deutlich höhere Erträge erzielen.
Erfolg der Umstrukturierung hängt von langfristigen KI-Verträgen ab
Keel hat bisher keine langfristigen Vermietungsvereinbarungen mit KI-Kunden bekanntgegeben. Das Zustandekommen solcher Verträge wird für die künftige Stabilisierung der Einnahmen aus der neuen Geschäftsausrichtung entscheidend sein. Nach dem Ausstieg aus dem US-Bitcoin-Mining und der Sicherstellung einer soliden Liquiditätsbasis gilt es nun, die Nutzung der begrenzten Stromressourcen für KI-Anwendungen profitabel und nachhaltig zu gestalten.